Märchenhaft: Villa Dautzenberg saniert

Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals ist ein zweijähriges Privatprojekt zu Ende gegangen. Doch auch die Bockwaer Kirche gibt nun lange verborgene Geheimnisse preis.

Zwickau.

Eichenholztüren, Holztreppen, bemalte Holzdecken, Spitzbögen, Wandverkleidung passend zu schweren Eichentüren, Tafelparkett mit fünf verschiedenen Hölzern, ein kirchenähnliches Treppenhaus, Wände in kräftigen Grün- und Blautönen - die Villa Dautzenberg an der Äußeren Schneeberger Straße ist nach zweijähriger Sanierung ein Schmuckstück geworden.

Schon in Zeiten, in denen dort Leiterin Katrin Leichsenring mit ihrem Erzieherteam die "Martin-Hoop"-Kinder betreute, ähnelte das Haus einem Märchenschloss. Was die Bauleute nun aus der Villa des Fabrikanten Aloys Dautzenberg herausgeholt haben, versetzte gestern Scharen von Besuchern in Erstaunen. Torsten Leistner, Geschäftsführer der S & P Sahlmann Planungsgesellschaft für Bauwesen, die das Haus originalgetreu saniert und dort ihre Büros eingerichtet hat, führte selbst durch die Räume und wies auf neogotische Details der 1871 von Architekt Möckel entworfenen Villa hin. Viele der Gäste waren ehemalige Kindergärtnerinnen, aber auch Kindergartenkinder oder Bewohner wie der 70-jährige Peter Richter, der 1954 dort in einer der vier Wohnungen aufwuchs. Dass das Haus ein architektonisches Kleinod ist, habe er als Kind gar nicht so registriert. "Aber den großen Garten, in dem wir rumtoben konnten, haben wir als etwas Besonderes empfunden." Geheimnisvoll war auch, dass es angeblich irgendwo unterirdisch einen Gang gegeben haben soll.

Leistner bedauerte jedoch. "Von einem Geheimgang haben viele erzählt. Gefunden haben wir nichts." Dafür aber unter dem Schmutz der Jahrzehnte Malerei auf einer fast vier Meter hohen Holzdecke. "Die kam nach dem Waschen zum Vorschein", sagte Leistner.

Zahlreiche Denkmale hatten am Sonntag ihre Türen für Besucher geöffnet. Allein in Zwickau waren es acht Häuser, darunter die Matthäuskirche zu Bockwa. Dort hatten Besucher die Möglichkeit, einen Blick auf das seit 100 Jahren verborgene Deckengewölbe zu werfen. Dazu wurden zwei Panelsegmente der 1916 eingezogenen Holzzwischendecke entfernt. Sie musste damals eingebaut werden, weil auf Grund von bergbaubedingten Senkungen massive Schäden an dem Gotteshaus auftraten. So bildeten sich zahlreiche Risse im Gewölbe, teilweise lösten sich Mauerwerksstücke und fielen in den Kirchenraum. "Der Blick von unten vermittelt einen kleinen Eindruck von der filigran anmutenden Gewölbedecke. Mehr davon lässt sich im Deckenbereich über dem Altarraum erahnen, wo seinerzeit keine Zwischendecke eingezogen wurde", sagte Dietmar Schirmer, Vorsitzender des Fördervereines zur Erhaltung der Matthäuskirche zu Bockwa. Zugleich ließ er durchblicken, dass sobald die sicherheitsrelevanten Voraussetzungen gegeben sind, kleinere Besuchergruppen auch den Bereich zwischen Holzdecke und Gewölbe in Augenschein nehmen können.

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