Marihuana-Ring in Zwickau zerschlagen

Mit einem ausgeklügelten Schmuggelsystem wurden Drogen in die Muldestadt gebracht. Einer der Umschlagplätze war ein Ladengeschäft im Zentrum.

Zwickau.

Ein 20 Jahre alter Auszubildender aus Zwickau wurde am Donnerstag am Amtsgericht Zwickau wegen Besitzes und Handelns mit Drogen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Weil er vor Gericht ein umfassendes Geständnis ablegte, sowie Orte und Hintermänner nannte, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Dabei war der junge Mann selbst nach Ansicht des Staatsanwaltes nur ein kleines Rad im Getriebe eines größeren Drogenringes. Immerhin, so hielt im die Vorsitzende Richterin Simona Meyer vor, habe er knapp elf Kilogramm Marihuana nach Zwickau transportiert, an seinen Auftraggeber weitergeleitet oder teilweise selbst verkauft. Mehr als 61.000 Euro wurden dabei eingenommen. "Sie haben im großen Stil Zwickau mit Drogen versorgt", sagte die Richterin. "Da hört der Spaß auf." Andere seien bei diesen Mengen auch nach Jugendstrafrecht ins Gefängnis gewandert.

Die Spuren des Drogenringes führen unter anderem nach Naumburg in Sachsen-Anhalt, wo ein "arabischer Familienclan" offenbar aus einer Shisha-Bar heraus ganze Landstriche mit Marihuana versorgt. "Die Qualität war dabei sehr gut", erklärte der Angeklagte, der nach eigenen Angaben selbst mehrere Monate Marihuana geraucht hatte. Mit dieser guten Qualität hatte offenbar ein Vogtländer ins Drogengeschäft einsteigen wollen. Er trat fortan als Geldgeber auf, bezahlte die Lieferungen, kassierte den weitaus größten Teil der Einnahmen und blieb sonst im Hintergrund. Der Angeklagte war für ihn hauptsächlich als Bote tätig.

Der Transportweg war sicher angelegt. Direkter Kontakt untereinander sollte möglichst vermieden werden. Wurde die Lieferung nicht selbst in Naumburg abgeholt, wurden Treffpunkte auf Parkplätzen am Rande der Zwickauer Innenstadt vereinbart, die auch kurzfristig immer wieder geändert wurden. Aus nicht verschlossenen Kofferräumen hatte er die heiße Ware zu entnehmen. Wer die Wagen abstellte, wusste er nicht. Das Marihuana nahm er dann meist zunächst mit nach Hause, portionierte es neu und gab die Tüten dann weiter an seinen Geldgeber oder von ihm Beauftragte.

Nur bei seinem letzten Einsatz war nach seiner Aussage alles anders. Zwar wurde der Angeklagte wieder auf einem Parkplatz bestellt, ein Anrufer dirigierte ihn jedoch in die Innenstadt. "Ich sollte in einen Laden in der Marienstraße kommen", sagte er. Der Inhaber habe ihn ins Hinterzimmer gebeten und ihm dort einen Karton mit drei Einkaufstüten übergeben, jede mit einem Kilogramm Marihuana gefüllt. Diese habe er dann wiederum bei seinem Geldgeber aus dem Vogtland abgeliefert. Kurz danach wurde er festgenommen.

Der Angeklagte war nach eigenen Angaben in die Drogengeschäfte "so hineingerutscht." Der Finanzierer der Geschäfte, den er schon als Kind kannte, hatte ihm angeboten, auf diese Weise seine Schulden loszuwerden. Darin sah der damals Heranwachsende seine Chance. Immerhin hatte er nach dem Bericht der Jugendhilfe hohe Ansprüche ans Leben. "Autos haben mich schon immer interessiert", sagte er. Doch schon bald stellte er fest, dass mit dieser Art von Geschäften zumindest für ihn nichts zu verdienen ist, weil nur der Vogtländer kassierte. Daher habe er, nach eigenen Angaben wieder aussteigen wollen. Sein Verteidiger Michael Windisch, machte eine einfach Rechnung auf: "500 Euro Einnahmen über mehrere Monate und ein bisschen Marihuana zum Rauchen. War es das Risiko wert?" Da sowohl der Angeklagte, als auch die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichteten, wurde das Urteil sofort rechtskräftig.

Für den Geldgeber beginnt die juristische Aufarbeitung am 9. April. Dann muss er sich vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Auerbach verantworten.

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