Mehr als die singenden Kleingärtner

Im Jahr 1919 entstanden die ersten Kleingärten hinter dem Friedhof. Ende August wird das 100. Jubiläum gefeiert.

Wilkau-Haßlau.

Gartenfeste haben in Kleingartenanlagen eine lange Tradition. Sie gehören einfach zum Vereinsleben dazu. Das Fest hat in diesem Jahr für die Hobbygärtner der Anlage "Erholung" in Wilkau-Haßlau jedoch eine ganz besondere Bedeutung. Vor 100 Jahren wurde "ihre" Anlage gegründet. Die Vorsitzende des Vorstandes Sabine Pätzold hat in der Chronik geblättert.

Nach einer Besichtigung des Areals im April 1919 wurde am 30. August 1919 der Pachtvertrag für das Grundstück 185 unterschrieben. In kurzer Zeit entstanden 62 Kleingärten. Zehn Jahre später wurde das benachbarte Flurstück angegliedert. 182 Kleingärten konnten von da an bewirtschaftet werden. Seitdem besteht die Anlage aus einem oberen und einem unteren Teil. 1930 genehmigte die Gemeindeverwaltung von Wilkau den Bau eines Vereinsheimes. Es steht samt Festwiese seitdem quasi zwischen den beiden Teilen der Gartenanlage.


Der Schock für die Kleingärtner war groß, als das Gebäude in der Nacht zum 23. Mai 1975 bis auf die Grundmauern abbrannte. Noch im selben Jahr wurde mit dem Wiederaufbau, was nur durch zahllose freiwillige Arbeitsstunden der Kleingärtner möglich war, begonnen. Es war eine immense Herausforderung für den Vorstand, vor allem das benötigte und in keinem Plan vorgesehene Baumaterial zu beschaffen. Zwei Jahre später konnte der Neubau eingeweiht werden. Dem Heim wurde der Ehrenname "Kulturheim 7. Oktober" verliehen. Seit 1980 ist die Anlage zudem ein staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet.

Seit fünf Jahren verfügt die Anlage über eine eigene Fahne. Zum "95." hatte die inzwischen seit elf Jahren bestehende Frauengruppe die Fahne entworfen, gestaltet und in Handarbeit gestickt. Rund 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit stecken in der Fahne. Die Weihe erfolgte zum Jubiläum durch den Landesverband. Doch auch das kulturelle Leben wurde gepflegt. 1953 wurde der erste Spartenchor gegründet. Er bestand bis 1964. Der Nachfolger wurde 1978 "Die singenden Kleingärtner", die nicht nur bei den Gartenfesten für Unterhaltung sorgten.

Nach der Wende wurde zunächst in ein attraktives Vereinsheim investiert und dabei unter anderem Heizung, die Elektroanlage und die Wasserleitungen erneuert. Auch bekam das Haus ein neues Dach und die Terrasse wurde umgebaut. Zudem wurden neben vielen anderen Maßnahmen unter anderem Parkflächen für die Kleingärtner geschaffen und der Ausbau und die Sanierung der Gartenwege vorangetrieben. Heute gibt es in der Anlage "Erholung" 173 Kleingärten. Fünf stehen derzeit leer. "Einer davon wird demnächst in einen Gemeinschaftsgarten umgestaltet", sagte Sabine Pätzold

Fast auf den Tag genau 100 Jahre, nachdem der Pachtvertrag für das erste Grundstück unterschrieben worden war, feiert die Anlage "Erholung" am 31. August und 1. September das Jubiläumsgartenfest. Jeweils ab 14 Uhr findet auf der Festwiese ein Familienfest mit Live-Musik und Überraschungen statt. In den nächsten Tagen wird das vollständige Programm veröffentlicht. Das Gartenfest wird allerdings das letzte sein, das der derzeitige Gastwirt mit bestreitet. Er hat seinen Vertrag zum Jahresende gekündigt und verabschiedet sich in den Ruhestand. Zum 1. Januar 2020 wird daher ein neuer Pächter gesucht. Er kann ein komplette Gaststätte mit Küche, Gastraum sowie einem Saal für bis zu 100 Personen und einer überdachten Terrasse übernehmen.

Wer sich mit weiteren Attraktionen am Gartenfest beteiligen will oder Interesse am Vereinsheim hat, kann sich beim Vorstand der Anlage melden unter der E-Mail:

erholung-wilkau-hasslau@gmx.de

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