Mehr Freiheit bringt mehr Ärger mit sich

Studenten der Zwickauer Hochschule bekommen nächstes Jahr ein besseres Semesterticket. Das gefällt aber nicht jedem.

Zwickau.

Die Entscheidung ist gefallen - aber sie war knapp. Bei der nun zu Ende gegangenen Urabstimmung über das Semesterticket für die Studenten der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) haben sich 53 Prozent der Teilnehmer dafür entschieden, das bisherige Ticket ab dem nächsten Wintersemester zu erweitern - und damit auch zu verteuern.

Bislang hat jeder Student ein Ticket, mit dem er Bus und Bahn in Zwickau sowie der näheren Umgebung nutzen kann. Bis in die WHZ-Teile nach Reichenbach oder Markneukirchen reicht das nicht. Dafür ist der Preis erschwinglich - ab dem Wintersemester 2019/2020 käme das Ticket rund 65 Euro für ein halbes Jahr. Das erweiterte Ticket ist gut 100 Euro teurer. Es ermöglicht den Studenten jedoch, sich im gesamten Gebiet des Verkehrsverbunds Mittelsachsen frei mit Bus und Bahn zu bewegen. Darüber hinaus gilt das Ticket kostenfrei in ganz Sachsen für die Deutsche Bahn.

Dieses Angebot hat allerdings einen Haken: Das Ticket bekommt jeder, und jeder muss dafür bezahlen - auch die Studenten, die ausschließlich mit dem Auto oder gar nicht fahren. Das sorgte für teils böse Kommentare, sagt Christine Greiner vom Studentenrat der WHZ. "Die Bereitschaft zur Solidarität war früher verbreiteter", stellt sie fest. Natürlich sei diese Lösung ungünstig für Studenten, die aus abgelegenen Dörfern anreisen, zu denen es kaum öffentliche Verbindungen gibt. Aber ohne Kompromisse könne man kein Semesterticket anbieten. Zustimmung gibt es da von Anja Schönherr. Die Geschäftsführerin des Studentenwerks Chemnitz-Zwickau wird nun nach der Abstimmung mit den Verkehrsbetrieben verhandeln. Sie sagt: "In Chemnitz war das große Ticket auch umstritten. Bei dessen Einführung gab es einigen Ärger, aber mit der ersten Vertragsverlängerung sah das schon ganz anders aus."

Man müsse auch an die ausländischen Studenten denken, die keine Möglichkeit haben, mit dem eigenen Auto zu fahren, fügt Anja Schönherr an. Darüber hinaus könnte das größere Ticket dazu beitragen, die Parkplatzsituation zu entschärfen -wenn mehr Studenten die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Denn sowohl auf dem Scheffelberg als auch in der Innenstadt ist es schwierig, seinen Wagen abzustellen.

Die Wahlbeteiligung lag bei fast 70 Prozent all der Studenten, die sich mit Beginn des Wintersemesters 2019/2020 noch in der Regelstudienzeit befinden. Sie hatten nur die Möglichkeit, zwischen der kleinen und der erweiterten Variante abzustimmen, erläutert Christine Greiner. Ganz abwählen konnte man das Ticket nicht. "Dazu hatten wir bereits eine Urabstimmung."

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