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Schwansinn: Was Zwickau diese Woche bewegte

Eine Krux in unserer Gesellschaft ist ja bekanntlich folgende: Diejenigen, die Arbeit haben, haben viel zu viel Arbeit, um noch das Leben genießen zu können. Durch all die Sachen, die das Ganze leichter und effizienter machen sollen, wird es zudem immer mehr. Gleichzeitig bekommen diejenigen, denen es an Lohnarbeit mangelt, oft trotzdem keine. Weil Kapitalismus und Profit und so weiter. Zudem würden sie die viel zu viele Arbeit nach Meinung der viel zu viel Arbeitenden ohnehin gar nicht aushalten. Was diese übrigens auch nicht ewig schaffen - aber oft zu spät merken. Doch genug davon. Da sieht ja keiner mehr durch.

Auf jeden Fall hätten die Zwickauer Polizeibeamten vermutlich nie im Leben gedacht, dass sie neben ihren umfangreichen sonstigen Aufgaben irgendwann als Waldhüter eingesetzt werden. Genau das ist neuerdings im Schwanenteichpark der Fall, weil dort irgendwelche Schwachmaten einen Gedenkbaum für ein Neonazi-Opfer umgesäbelt haben. Möglicherweise spielte bei dieser Tat fehlende Auslastung eine Rolle, auf jeden Fall aber zu wenig Hirn. Und gar kein Herz. Womit wir gedanklich bei der Gegendemonstration zum montäglichen Kurzbesuch der Kanzlerin am neuen Gedenkwäldchen wären, bei deren Beobachtung man sich wieder einmal vor Fremdscham verzehren wollte.

Aber zurück zur Mehrfachbelastung. Die Fahrzeugbauer in Mosel mussten ihr Tätigkeitsfeld wohl oder übel (das ist noch offen) ebenfalls erweitern. Sie sind jetzt im Zweitberuf Elektriker. Und die Bundesregierenden haben diese Woche einmal mehr als Autoverkäufer genebenjobbt. Als spendable - Stichwort E-Auto-Kaufprämie - noch dazu. Natürlich auf Kosten aller, und zwar auch derer, die das Privatauto generell für eine Fehlentwicklung halten. Wegen der ganzen Toten und Verletzten zum Beispiel. Oder dem Platzverbrauch in den Städten. Wegen der Ressourcenausbeutung für die Herstellung und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch den Betrieb. Wegen der horrenden Kosten für Kauf und Unterhalt und weil man an Autobahnraststätten fürs Pinkeln bezahlen muss. Wofür man wiederum ...? Genau: Eine Arbeit braucht, verzwickt und zugenäht!

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