Mehrjährige Haftstrafe für Zwickauer Drogenhändlerin

Die Angeklagte hatte in mehr als 300 Fällen Crystal und Marihuana an Minderjährige verkauft. Wegen Fluchtgefahr erging jetzt auch ein Haftbefehl.

Zwickau. Weil sie in 326 Fällen Marihuana und Crystal an Minderjährige verkauft hatte, ist eine 40-jährige Zwickauerin vom Schöffengericht des Zwickauer Amtsgerichtes zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Gericht blieb mit dem Strafmaß damit noch über dem Antrag des Staatsanwaltes, der drei Jahre und drei Monate Haft gefordert hatte. Eine Bewährungsstrafe, wie sie Verteidiger Johannes D. Chu in seinem Plädoyer beantragt hatte, habe sich die Angeklagte nicht verdient, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Zantke in seiner Urteilsbegründung. Vielmehr habe die Frau mit dem Verkauf von Drogen ihren Lebensunterhalt bestritten und dabei in Kauf genommen, dass vor allem junge Menschen durch den Genuss von Crystal dauerhaft Schaden nehmen.

Dass sie nicht wusste, dass zumindest ein Teil ihrer Kunden jünger als 18 Jahre war, wollte ihr das Gericht nicht abnehmen. Einer der Zeugen war beim ersten Kontakt mit der Drogenhändlerin noch nicht einmal 15 Jahre alt gewesen. "Das sieht man, dass er noch nicht volljährig ist", sagte der Richter. Die Frau habe sich offenbar auch nicht von laufenden Ermittlungen abschrecken lassen. Eine erste Durchsuchung in ihrer Wohnung, die damals bereits als stadtbekanntes Drogengeschäft bekannt war, hatte im Februar 2015 stattgefunden. Im Juli des gleichen Jahres waren bei der nächsten Durchsuchung erneut Drogen gefunden worden. Diese versuchte sie zwar als Eigenbedarf zu erklären, doch das Gericht wollte dieser Darstellung nicht folgen.

Schließlich legte die 40-jährige zumindest ein Teilgeständnis ab und gab gerade so viel zu wie ein kurz zuvor vernommener Zeuge und ehemaliger Kunde ausgesagt hatte. Das Gericht kam nach der Beweisaufnahme zu der Einschätzung, dass die Angeklagte über mehrere Jahre mit Drogen gehandelt hat. Erstmals war vom Himmelfahrtstag 2012 die Rede. Zu ihren Lasten wertete das Gericht auch, dass sie bereits zwei Mal wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt worden war. Darauf hoffte sie auch dieses Mal wieder. Sie flehte das Gericht in ihren letzten Worten unter Tränen an, ihr noch eine Chance zu geben. Doch das werteten die Richter als Krokodilstränen und schickten sie ins Gefängnis.  

Das Gericht erließ zudem gegen die Angeklagte einen Haftbefehl. Sie ist, wie sich erst im Prozess herausstellte, seit Sommer 2016 mit einem Tunesier verheiratet, der noch in seiner Heimat lebt. Wegen der mehrjährigen Freiheitsstrafe bestehe Fluchtgefahr begründete Richter Zantke die Entscheidung. Dass sie nicht im Gerichtssaal verhaftet wurde, verdankte sie nur ihrem acht Monate alten Baby. Sie musste ihren Pass abgeben und darf Deutschland nicht verlassen. Das Urteil selbst ist noch nicht rechtskräftig. Die Angeklagte kann innerhalb von sieben Tagen Berufung einlegen. Dann muss sich das Landgericht erneut mit dem Fall befassen. (nkd)

 

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