Menschen im gefährdeten Ort können ruhiger schlafen

Der Deichbau in Schlunzig liegt in den letzten Zügen. Damit ist nicht nur der kleine Ort vor künftigen Fluten sicherer.

Zwickau.

Im Grunde genommen muss nur noch Gras über die Sache wachsen. Dann kann der neue Deich seine Arbeit tun - nämlich standhalten.

Dort, wo jetzt Bagger und Bauarbeiter letzte Handgriffe verrichten, gegenüber dem VW-Werk kurz vor dem Ortseingang des Zwickauer Stadtteils Schlunzig, wäre es 2013 fast zu einer Katastrophe gekommen. Der Deich war durchgeweicht und drohte zu bersten. Nun ist an dieser Stelle ein neues Bauwerk entstanden: höher, fester, breiter.


Jahrelang hatten die Schlunziger, die 2013 evakuiert werden mussten, Angst vor einem neuen Hochwasser und davor, dass der Ort dann wirklich untergehen würde. Ende Juli, sagt Projektleiterin Angelika Trülzsch von der Landestalsperrenverwaltung, ist der dritte und letzte Bauabschnitt auf der Höhe von Schlunzig beendet. Dann gilt der Ort als sicher. Nur wovor genau sicher, das möchte weder Angelika Trülzsch noch Gerd Zobes sagen. Der zuständige Betriebsleiter von der Talsperrenverwaltung erklärt, dass jedes Hochwasser anders ist. Und dass sich die Häufigkeit und Heftigkeit einer Flut nicht voraussagen lässt.

"Man kann bei einem Hochwasser nicht alles vermeiden - aber wir können Vorsorge treffen", sagt Zobes. Und das ist geschehen, indem der Deich um einen halben Meter erhöht wurde. Außerdem wurden die von Wühltieren durchgrabenen Bauwerke stabilisiert und auf der Krone verbreitert. Außerdem ist ein Deich-Verteidigungsweg angelegt worden - darüber kann schweres Gerät anrücken, wenn es doch mal zu einem Ernstfall kommt. Auch landwirtschaftliche Fahrzeuge können die Strecke nutzen, denn das Land zwischen Deich und Mulde, das dem Fluss zunächst Raum zum Ausbreiten gibt, ist an eine Agrargenossenschaft verpachtet. Beispielsweise wächst neben den aktuellen Bauarbeiten gerade Tierfutter heran. Damit die Pflanzen geerntet werden können, soll es insgesamt sechs Überfahrten geben - befestigte Wege, die sicher über den Deich führen. Die aber für alle anderen Fahrzeuge tabu sind, betont Angelika Trülzsch. Im Zwickauer Stadtgebiet sind die Verteidigungswege ausgebaut, sodass sie auch von Radfahrern genutzt werden können. In Schlunzig ist das anders, allerdings verläuft parallel dazu der Mulderadweg.

In drei Bauabschnitten ist der Deich um Schlunzig auf einer Länge von 2,35 Kilometern gewachsen. Das hat rund 5,5 Millionen Euro gekostet, inklusive Uferrenaturierung. "Die Summe beinhaltet nicht nur den Deichbau, wir haben auch 65Hektar Ausbreitungsflächen geschaffen", sagt Zobel. Das schützt nicht nur die unmittelbaren Anwohner, sondern auch die Menschen, die flussabwärts leben. "Bis 2022/23 wollen wir mit dem Hochwasserschutz für das gesamte Zwickauer Stadtgebiet fertig sein. Zumindest soll für alle Vorhaben Baurecht hergestellt sein", blickt der Betriebsleiter in die Zukunft. Die Bauarbeiter befinden sich fast schon im Rückzug, das Gras wurde bereits angesät. Es ist eine spezielle Mischung aus einheimischen Gräsern und Kräutern, deren Wurzeln den Deich weiter befestigen sollen, die aber auch für Insekten eine willkommene Nahrungsquelle bieten können.

Ach ja: Wenn die Bauarbeiten beendet sind, ist das für die Landestalsperrenverwaltung kein Grund, sich zurückzuziehen. "Die Flüsse müssen freigehalten werden. Das ist eine große Aufgabe der Flussmeistereien", sagt Angelika Trülzsch. Denn Uferabbrüche und zugewachsene Stellen können bei einem Hochwasser die Lage verschärfen. Dabei sollen sich die Schlunziger doch jetzt sicher fühlen.

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