Misstöne vor Metal-Konzert

Wegen Antisemitismus-Vorwürfen sind Auftritte von zwei polnischen Bands in drei Städten abgesagt worden. Der Zwickauer Club "Seilerstraße" hält dagegen an dem für den heutigen Dienstag geplanten Konzert fest.

Zwickau.

Trotz Absagen in München, Nürnberg und Berlin wird das für Dienstagabend in Zwickau geplante Black-Metal-Konzert im Club "Seilerstraße" wie geplant stattfinden. Der polnischen Band Mgła und vor allem der Vorband Deus Mortem wird Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen, was andernorts aufgrund von Protesten linker Gruppen zu Konzertabsagen geführt hat. Die Gruppe Mgła bezeichnet die Vorwürfe in einer Stellungnahme als Schmutzkampagne und will juristisch dagegen vorgehen.

Man habe die Vorwürfe gegen die Bands soweit es möglich gewesen sei geprüft und gerade bei Mgła "keinerlei offensichtlichen Gründe gefunden", welche die Vorwürfe bekräftigen, schreibt der Geschäftsführer des Clubs "Seilerstraße", Florian Harbeck, in einer schriftlichen Stellungnahme. Der Club sei unpolitisch und biete keinerlei Platz für extremistische Gesinnungen. Die Vorwürfe gegen die Bands bezeichnet Harbeck als "Fake News" "im Stil von Diffamieren und Diskreditieren und kritisiert, dass ein entsprechender Artikel über die Münchner Konzertabsage in der "Süddeutschen Zeitung" nicht die Bands selbst zu Wort kommen lässt. Das "grenzt schon sehr an - eventuell sogar strafbewehrte - Hetze." Harbeck zitiert stattdessen aus einem Artikel des neurechten "Compact"-Magazins, wonach bei Mgła keinerlei politische Texte vorkommen würden.


Nicht überall wurden Konzerte abgesagt. Am Montagabend hat offenbar ein Auftritt in Erfurt wie geplant stattgefunden. Die Antisemitismus-Vorwürfe betreffen vor allem die von Mgła geladene Vorband Deus Mortem. Deren Mitglieder sollen zuvor in einer polnischen antisemitischen Neonazi-Band gespielt haben. Der Veranstalter des ursprünglich für den 1. Mai geplanten Konzerts in München argumentiert, dass eine "rote Linie" überschritten sei, wenn man Antisemiten einlade und sich mit ihnen auf eine Bühne stelle.

Harbeck sagt dazu: "Bei Deus Mortem hat wohl - nach unbestätigten Angaben- der Drummer vor Jahren eine Zeit lang in einer ehemaligen NSBM-Band gespielt", - NSBM ist die Abkürzung für Nationalsozialistischer Black Metal - allerdings gebe es auch ungezählte andere namhafte Bands, die "früher zumindest politisch fragwürdig orientiert waren" und heute "gesellschaftlich vollkommen akzeptierte Konzerte spielen." Für den Club "Seilerstraße" sei die Diskussion eine "geschäftsschädigende Stimmungsmache".

Dabei sieht es so aus, als würde das Festhalten an dem Konzert eher zusätzliche Fans nach Zwickau locken. Im Netz suchen verhinderte Besucher aus Bayern schon nach Fahrgemeinschaften in Richtung der Muldestadt.

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