Mit dem Rad zur Arbeit: Zwei Frauen pfeifen auf ihr Auto

Eine Mülsenerin und eine Reinsdorferin finden Gefallen an einer Aktion der AOK, die nach Angaben der Krankenkasse ein voller Erfolg war.

Mülsen/Zwickau.

Probiert hatte es Martina Franke schon ein paar Mal, mit dem Rad von ihrem Wohnort Mülsen nach Oberplanitz zu fahren. "Hinein in die Stadt und dort wieder hoch hinaus. Ich war jedes Mal fix und foxi", sagt die Unternehmerin. Sie rüstete ihr Rad mit einem Pendix-Motor auf und fand deutlich mehr Spaß an dieser Art der Fortbewegung. Im Frühjahr überredete sie ihre Kollegin Anett Kroll, an der Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" der AOK plus teilzunehmen, die nun alle beide mit Bravour gemeistert haben.

Seit 2001 ruft die AOK in Zusammenarbeit mit dem ADFC dazu auf, das Rad für den Arbeitsweg zu nutzen. Von Mai bis August dieses Jahres konnte die AOK in Sachsen und Thüringen 20.550 Frauen und Männer - so viel wie noch nie - mobilisieren. Wie viele Westsachsen darunter waren, konnte AOK-Sprecherin Hannelore Strobel noch nicht sagen. Diese Daten seien noch nicht ausgewertet. Die teilnehmenden Sachsen und Thüringer legten allerdings eine Strecke von 5,4 Millionen Kilometern zurück. "Die gleiche Distanz mit dem Auto hätte einen Kohlendioxidausstoß von 1100 Tonnen verursacht", so Strobel. Bedingung ist, wenigstens 20 Tage das Rad für den Arbeitsweg zu nutzen. Martina Franke und ihre Kollegin aus Reinsdorf fahren seit dem Frühjahr täglich. "Anett fährt die zehn Kilometer ohne Strom, aber die ist ja auch 20 Jahre jünger", sagt die 60-jährige Chefin der Werbefirma Format F, die nun täglich 32 Kilometer mit dem Rad zurücklegt.

Franke schwärmt: "Vor allem morgens um 7 Uhr, die frische Luft ist einfach herrlich. Das tut richtig gut." Fährt sie durch Pöhlau, grüßen sie Menschen, die sie gar nicht kennt, sogar die Busfahrer. Sie liebt vor allem den Mulderadweg, den sie von der Paradiesbrücke bis zum Cainsdorfer Bahnhof passiert.

Die tägliche Radtour hat sie konditionell fitter gemacht. Zudem spart sie. "Nach zwölf Wochen war ich das erste Mal wieder mein Auto volltanken, sonst war das alle 14 Tage fällig." 30 bis 45 Minuten dauert ihre Anreise mit dem Auto, mit dem Rad braucht sie eine Stunde. Wenn es richtig sehr regnet, nimmt sie den Bus. Der braucht, inklusive Umsteigen auf dem Hauptbahnhof, eine anderthalbe Stunde. "Und wenn ich dann wirklich mal im Bus sitze und mir das Chaos auf den Straßen anschaue, weiß ich, dass ich auch etwas für die Umwelt tue. Radfahrer entlasten die Städte", sagt die Unternehmerin.

Franke hat in diesen Monaten auch die Schwachstellen der Verkehrsplanung kennengelernt. "Die Straßen sind aus Sicht der Autofahrer konzipiert. Manchmal endet ein Radweg urplötzlich. Ich frage mich, ob ich mich da in Luft auflösen soll?" Manche Autofahrer überholen zudem, ohne die Gegenfahrspur zu nutzen. Beim Wechsel des Radwegs an der Vettermannstraße in Mülsen fände sie ein Hinweisschild "Vorsicht Radfahrer" wünschenswert. Mülsens Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) nahm den Hinweis dankbar an und sicherte zu, das bei der nächsten Verkehrsschau zu prüfen. Noch sei ihr nichts passiert. "Ich guck den Leuten immer in die Augen und ziehe im Streitfall zurück", sagt die 60-Jährige, die nie ohne Helm fährt.

Auch im nächsten Jahr will die AOK dazu aufrufen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, kündigte Sprecherin Strobel an. Martina Franke und ihre Kollegin sind wieder mit dabei. Und vielleicht überreden sie noch eine Dritte aus der Firma, eine Kollegin aus Neuplanitz. Der Anfang ist gemacht. "Ein Fahrrad hat sie schon", sagt Franke lachend.


Handicaps für Radfahrer in Zwickau

Auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit haben Martina Franke und die Reinsdorferin Anett Kroll etliche Handicaps für Radfahrer entdeckt:

Die Pöhlauer Straße ist an manchen Stellen sehr eng. Bei den Planungen für einen neuen Fußweg in Pöhlau sollte auch an die Radfahrer gedacht werden, sagt Martina Franke.

Im Zentrum fehlt es an Abstellmöglichkeiten für Räder. Anderenorts gibt es Fahrradgaragen, in denen man auch Helm und Akku unterbringen kann und beim Einkauf nicht immer mit sich herumschleppen muss.

Die Untere Kohlenstraße sei am Rande so schlecht, dass man dort als Radfahrer nicht fahren kann. Wenn man aber mittig fährt, riskiert man, dass Autofahrer hupen.

Auf der Äußeren Zwickauer Straße parken Autos gern auf dem Radweg.

Auf der B 173 wäre ein Radweg wünschenswert, wenigstens vom Colombstein zur Colombstraße. (upa)

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