Mit der Bitte um Eingemeindung

Zwickau.

Am 1. Januar 1895 wurde als erste Gemeinde Pölbitz nach Zwickau eingemeindet. Mehr als 2000 Menschen erhöhten die Zahl der städtischen Einwohner auf 50.391. Vor allem an der Fernstraße nach Leipzig (heute Leipziger Straße) hatten sich einige Industrie- betriebe angesiedelt. Sie erhöhten das Steueraufkommen für die Stadt.

Am 1. Oktober 1902 wurde Ma- rienthal nach Zwickau eingemeindet. Der erste Antrag war 1895 vom Rat der Stadt Zwickau noch abgelehnt worden. Heute geht es meist anders herum: Die Stadt möchte eingemeinden, und die Gemeinden sträuben sich. Mit dem Anschluss Marienthals an Zwickau verbanden sich einige Vorteile. So wurde beispielsweise die Straßenbahnlinie, die bis zur Zwickauer Westvorstadt (Endhaltestelle Goethestraße) fuhr und auch Gäste zum "Etablissement Lindenhof" transportierte, am 7. Oktober 1904 um 670 Meter bis zum Gasthof "Marienthal" (in der DDR Klubhaus "7. Oktober") verlängert. Als 1902 die Eingemeindung voll- zogen worden war, gab es bezüglich der Straßennamen zwischen Ma- rienthal und Zwickau etliche Namensdopplungen. Deshalb würdigte der Zwickauer Rat das verdienstvolle Wirken Ernst Louis Olzmanns (1838-1920) mit der Umbenennung der damaligen Planitzer Straße in Olzmannstraße. Vom April 1875 bis Ende September 1902 füllte Olzmann das Amt des Gemeindevorstehers, aber auch die Funktionen eines Standesbeamten, Orts- und Friedensrichters aus. Außerdem fungierte er als Lokal-, Steuer- und Schlachtsteuereinnehmer, Sparkassenverwalter und Vorsitzender des Schulausschusses. Er war ein wahrer "Multifunktionär", der hochgeachtet war.

Das nächste Dorf, das nach Zwickau eingemeindet wurde, war Eckersbach. Es war eines der sogenannten Küchendörfer Zwickaus, denn von hier wurden die Einwohner der Stadt mit Lebensmitteln versorgt. Ab 1. Januar 1905 gehörten die etwa 1800 Einwohner dann zur Stadt.

Bis zur nächsten Eingemeindung dauerte es bis zum 1. Januar 1922. Damals konnte sich Weißenborn glücklich schätzen, dass das kleine Dorf mit etwa 270 Einwohnern zu Zwickau kam. Die dortige kleine Schule "Nordwest" wurde zu Ostern geschlossen und die Kinder auf Zwickauer Schulen verteilt. Neben der Dittesschule wurde ab 1929 auch die neuerbaute Pestalozzischule genutzt. Dem Antrag von Schedewitz war am 1. Januar 1923 stattgegeben worden. Das Dorf, das viel Industrie zu bieten hatte, wurde mit etwa 5500 Einwohnern ein Teil von Zwickau. Vor allem der Erzgebirgische Steinkohlen-Aktienverein (ESTAV), durch dessen Betriebsgelände die Stadtgrenze verlief, dürfte froh gewesen sein, nun ganz zur Stadt zu gehören.

Gemeinden wie Auerbach, Cainsdorf, Lichtentanne, Niederhaßlau, Oberhohndorf, Planitz und Reinsdorf verfolgten das Geschehen mit Interesse. Ihnen wurde der Ein- gemeindungswunsch aber nicht erfüllt. Die Anträge, am 3. Januar 1924 gestellt, wurden zwar von den Ab- geordneten der Zwickauer SPD unterstützt, aber von der Mehrheit im Stadtrat abgelehnt. Wahrscheinlich erfolgte die kurzsichtige Entscheidung unter dem Eindruck der Inflation und der knappen Stadtkasse.

Erst am 1. April 1939 konnten Teile von Bockwa und der kleine Ort Brand eingemeindet werden. Bockwa mit seinen etwa 3700 Einwohnern, das bis zur Muldebrücke von Wilkau-Haßlau reichte, wurde regelrecht zerteilt, denn auch Cainsdorf, Planitz und Wilkau-Haßlau erhielten Teile dieser Gemeinde. Die Straßenbahn vom Zwickauer Bahnhof endete jetzt also in Wilkau-Haßlau und nicht mehr in Bockwa.

Die Eingemeindungen des Dorfes Oberhohndorf (etwa 4400 Einwohner) und der Stadt Planitz (etwa 24.100) am 1. Januar 1944 mitten im Zweiten Weltkrieg löste vor allem in der Stadt Planitz große Emotionen aus, die bei den Älteren zum Teil bis heute nicht überwunden sind. Vorausgegangen waren dazu Einwohnerversammlungen am 28. Dezember 1943 im Lichtspielhaus "Capitol" in Planitz und am 29. Dezember im Gasthof "Mädler" in Oberhohndorf. Viele Planitzer hatten sich dabei gegen die Eingemeindung nach Zwickau ausgesprochen. Diskussionen waren damals jedoch unerwünscht, denn dadurch überschritt Zwickau mit mehr als 113.400 Einwohnern die 100.000-Einwohner-Grenze und überholte damit Plauen, den westsächsischen Konkurrenten. Das war ein persönlicher Erfolg für den Zwickauer Oberbürgermeister Ewald Dost. Nach dem Zweiten Weltkrieg hofften die Planitzer auf eine Rücknahme des Beschlusses, was jedoch nicht geschah.

In der DDR wurden am 1. Februar 1953 Auerbach (etwa 4600 Einwohner), Niederhohndorf (etwa 540) und Pöhlau (etwa 1100) eingemeindet. Damals nahmen das die Einwohner auch ohne spürbares Murren hin. Hier handelte es sich ebenfalls um ehemalige Zwickauer Küchendörfer, die seit Jahrhunderten die Stadtbevölkerung mit Nutz- tieren, Obst, Gemüse und Getreide versorgten. Das Stadtgebiet dehnte sich vor allem in Richtung Osten und Norden aus. Pöhlau hatte auf seinen Fluren den VEB Steinkohlenwerk "Martin Hoop" mit den Hauptschächten Nr. III und IV vorzuweisen. Das brachte der Stadt erhebliche Steuereinnahmen, während die flächenmäßig größeren Dörfer Auerbach und Niederhohndorf kaum Industrie- und Gewerbebetriebe hatten.

Am 1. April 1996 wurde Rottmannsdorf eingemeindet. In dem Dorf gibt es keine Industriebetriebe, sondern nur Bauerngehöfte und Wohnhäuser, deren Bewohner fast alle in Zwickau arbeiten. Der Vertrag über die Eingemeindung wurde am 16. Dezember 1995 von Zwickaus Oberbürgermeister Rainer Eichhorn und dem Bürgermeister von Rottmannsdorf, Gerhard Kehle, abgeschlossen.

Am 1. Januar 1994 wurde zunächst Schneppendorf nach Crossen eingemeindet. Aber schon am 1. November 1996 wurde Crossen ein Teil Zwickaus. Die Verhandlungsführer hatten für die Gemeinde zahlreiche Punkte vereinbart, die Zwickau im Laufe der Jahre erfüllte.

Die letzten Eingemeindungen nach Zwickau fanden am 1. Januar 1999 statt. Es betraf Cainsdorf, Hüttelsgrün, Mosel, Oberrothenbach, Schlunzig und die Freiheitssiedlung Lichtentanne. Die Cainsdorfer Einwohner waren mehrheitlich gegen die Eingemeindung, aber es nutzte ihnen wenig. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt. Eine Verhandlung wie in Crossen hätte dem Dorf wohl mehr Vorteile gebracht. Die Stadt Zwickau vergrößerte sich um 6500 Einwohner. Der Stadt Zwickau nutzen die Eingemeindungen jetzt wenig, denn mit 91.138 Einwohnern (2016) ist Zwickau von der 100.000-Einwohner-Grenze noch weit entfernt.

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