Mülsen: Ein Rekord wackelt

Seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Großgemeinde. Sie war damals die längste und größte Sachsens. Doch: Ist das immer noch so?

Mülsen.

Der Mülsengrundbach durchfließt die Gemeinde Mülsen auf einer Länge von 17 Kilometern. Auch die Länge des Ortes wird meist mit 17 Kilometern angegeben. Wer das Hotel in Niedermülsen und den Grubenberg in Neuschönburg in den Routenplaner eingibt, kommt ebenfalls auf etwa diese Strecke. Auch der Fußweg vom Wulmer Feuerwehrdepot bis zur Grünen Aue in Marienau schlägt mit 17 Kilometern zu Buche. Über viele Jahre warb Mülsen im Logo damit, die längste Gemeinde Sachsens zu sein. Aber: Stimmt das nach 20 Jahren noch? Ist vielleicht inzwischen das 13 Jahre später durch einen Gemeindezusammenschluss entstandene Bobritzsch-Hilbersdorf im Landkreis Mittelsachsen länger?

"Per Luftlinie sind es bei uns von Gemarkungs- zu Gemarkungsgrenze 14,1 Kilometer und per Straße 18,3 Kilometer. Die größte, überwiegend im Zusammenhang bebaute Entfernung vom ersten zum letzten Gebäude beträgt 16 Kilometer", sagt Volker Haupt (CDU), Bürgermeister von Bobritzsch-Hilbersdorf. Beide Orte liegen also in der Spitzengruppe der längsten sächsischen Dörfer dicht beieinander. Der Mülsener Rekord wackelt.

Ein anderer steht nach wie vor: Mülsen ist das größte Dorf im Freistaat. Es hat laut Statistischem Landesamt 11.233 Einwohner. Das ist die Zahl von Anfang 2018. Aktuellere teilt das Amt nicht mit, und eine Anfrage an die Gemeindeverwaltung blieb unbeantwortet. Doch die Kamenzer Behörde konstatiert: Bei den Kommunen ohne Stadtrecht ist Mülsen immer noch die größte Gemeinde vor Bannewitz, Weinböhla und Klipphausen.

Fragt man Mülsener, wie viele Ortsteile ihre Gemeinde hat, dann fallen die Antworten unterschiedlich aus. Die einen sagen acht, die anderen elf. Und: Alle haben Recht. Denn Mülsen ist 1999 aus dem Zusammenschluss von acht bis dahin selbstständigen Dörfern entstanden: Wulm, Niedermülsen, Thurm, Stangendorf, Mülsen St. Micheln, Mülsen St. Jacob, Mülsen St. Niclas und Ortmannsdorf. Da aber sowohl Marienau als auch Neuschönburg Ortsteile von Ortmannsdorf sind und Berthelsdorf zu Wulm gehört, gibt es noch drei Dörfer, also insgesamt elf. Doch selbst die acht reichen für den sächsischen Rekord. Der Zusammenschluss von acht Gemeinden war und ist bis heute die größte Fusion in Sachsen.

Ein weiterer Rekord: In der Gemeinde gibt es jedes Jahr im Mai mit dem Radlersonntag im Mülsengrund das längste Straßenfest Sachsens. Da wird die Hauptstraße durch den Ort extra für Autofahrer gesperrt. Bis zu 25.000 Pedalritter sind unterwegs. Viele Händler und Vereine sorgen für Abwechslung am Straßenrand. Apropos Radfahrer: Einige sind nicht nur gemütlich zu diesem Volksfest unterwegs, sondern quälen sich auch mal den Berg der Heinrichsorter Straße an der Ortsgrenze zwischen Marienau und Heinrichsort hinauf. Sie behaupten, dass diese 18-prozentige Steigung die steilste im gesamten Landkreis ist. Deshalb passieren sie alle, die gute Bremsen haben, auch lieber in umgekehrter Richtung.

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