Mülsener geht den Jakobsweg

Sebastian Kucharski ist 900 Kilometer von den französischen Pyrenäen nach Santiago de Compostela gepilgert. Was der 18-Jährige unterwegs erlebte, hat er in einem Buch festgehalten.

Mülsen.

Während sich andere in seinem Alter nach dem erfolgreichen Ablegen des Abiturs auf eine Fetenreise begeben, entschied sich Sebastian Kucharski für eine gänzlich andere Sache. Er ging 2016 auf Pilgertour entlang des Jakobsweges von Saint-Jean-Pied-de-Port in den französischen Pyrenäen zum Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela. Während des 40-tägigen Fußmarsches legte er 900 Kilometer zurück. Seine Eindrücke und Erlebnisse hat er in einem Buch niedergeschrieben.

"Natürlich gibt es schon eine ganze Reihe derartiger Bücher. In der Regel stammen die aber von deutlich älteren Leuten. In meinem Buch widerspiegelt sich das, was ein 18-Jähriger als Pilger erlebt und empfindet. Es sind nicht die Sichtweisen eines lebenserfahrenen Menschen, sondern die eines Jugendlichen zwischen Abitur und Studium", sagte der inzwischen 21-jährige Sebastian Kucharski, der in Dresden Informatik studiert. Angefangen mit Schreiben hat er ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr von der Pilgerreise. Sechs Monate später, im Herbst 2017, setzte er den letzten Punkt unter das Manuskript. Nachdem ein Verlag gefunden war, hielt der junge Mülsener Anfang dieses Jahres das erste druckfrische Exemplar mit dem Titel "Ein Sehnsuchtsweg - Im Zeichen der Muschel" in Händen.


"Zwar kenne ich das Hörbuch von Hape Kerkeling über seine Pilgerreise. Was ich niedergeschrieben habe, ist aber kein Abklatsch davon. Ich habe die gesamte Strecke wirklich per pedes zurückgelegt, in Pilgerherbergen übernachtet und bis auf einen Fotoapparat und ein einfaches Handy für Notfälle keine weiteren technischen Geräte mit dabei gehabt." Sebastian Kucharski, selbst konfessionslos, vertritt nicht die Auffassung, dass es erforderlich ist, einen speziellen Glauben zu haben, um persönlich von so einer Pilgerreise zu profitieren. "Ich empfand die Tage der Pilgerschaft als eine Stärkung meiner Willenskraft und meines Selbstvertrauens. Ich habe auf der Tour wildfremde Menschen getroffen, deren Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit mit Worten nur schwer zu beschreiben sind. Diese Herzlichkeit muss man einfach selbst erlebt haben. Solche Erfahrungen sind prägend für die Einstellung zum Leben." Hinzu komme die innige Verbindung zur Natur.

Allerdings ließ er auch durchblicken, dass es nicht immer nur eitel Sonnenschein war. "Gerade am Anfang musste ich mich erst an die Ungewissheit gewöhnen, dass ich keine Ahnung hatte, ob und wo ich am Abend einen Platz zum Schlafen finden würde. Auch das Wetter hat nicht immer mitgespielt. In den Pyrenäen schlug ein Blitz nur wenige Meter neben mir ein. Und am Wegesrand standen auch immer wieder Kreuze. Da kommst du schon ins Grübeln." Wieder auf Pilgerschaft gehen? "Natürlich, schließlich entstamme ich einer ausgesprochen wanderfreudigen Familie."

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