Naht das Ende der kleinen Reisebüros?

Zwei Frauen machen mobil gegen eine Änderung der Reiserichtlinie. Sie sammeln Unterschriften, um ihren Kunden nach wie vor echte Angebote unterbreiten zu können.

Zwickau.

Seit 15 Jahren ist Katja Singer in der Reisebranche tätig. Seit ein paar Jahren hat sie ihr Geschäft "Traveling Consulting" an der Peter-Breuer-Straße. Es macht ihr und ihrer Kollegin Gabi Krauß Freude, den Kunden fix passende und preiswerte Angebote zu unterbreiten. Doch damit könnte es bald vorbei sein, wenn eine neue EU-Verordnung kommt.

Dabei handelt es sich um eine Reform der EU-Pauschalreise-Richtlinie. Bis 2018 muss sie in deutsches Recht überführt werden. Ein erster Entwurf dafür liegt vor. Weil der aber sogar über die EU-Vorgaben hinausgeht, rumort es in der Reisebranche. Auch die IHK Chemnitz hat davor gewarnt. Was im Sinne des Verbrauchers gedacht sei, gehe höchstwahrscheinlich nach hinten los, vermuten Krauß und Singer. Mehr Kosten, mehr Bürokratie und längere Buchungsdauer, befürchten die beiden für ihre Kunden.

Das Problem: Sobald mehrere Reisebausteine zusammengeführt werden, haftet der, der dieses Paket geschnürt hat: Das kleine Reisebüro wird zum Veranstalter. Das passiere sehr oft, der Kunde buche beispielsweise Flug, Hotel und Mietwagen. Geht dabei etwas schief, streikt etwa die Lufthansa, "müssen wir womöglich für einen Ersatzflug sorgen", sagt Singer. Für den Kunden mag das einfacher sein, aber für ein Zwei-Frauen-Team sei das kaum zu stemmen. Um sich vor möglichen Ansprüchen zu schützen, müssten sich die Reisebüros versichern. Doch noch gebe es keine passende Versicherung, zudem werde die teuer sein. Singer: "Das müssten wir uns über Beratungshonorare vom Kunden wiederholen, heißt, für den wird die Reise teurer."

Als besonders frech in der 100 Seiten umfassenden Neufassung halten die beiden Reiseexperten eine Klausel, die erlaubt, bis zu 20 Tage vor Reiseantritt einen Mehrpreis von bis zu acht Prozent zu verlangen, etwa durch gestiegene Kerosinpreise oder geänderte Wechselkurse. "Für eine vierköpfige Familie, die sich einen 4000-Euro-Urlaub zusammengespart hat, wären das 320 Euro mehr", schimpft Singer und hofft, dass möglichst viele Kunden sich dagegen wehren. Bis 10. Dezember läuft eine Petition gegen den deutschen Entwurf. 40 Kunden haben bereits im Laden an der Peter-Breuer-Straße unterschrieben. Deutschlandweit sind es 8000, weitere 3500 haben online protestiert. Beim Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros läuft alles zusammen. Krauß: "Die Regelung macht die Kleinen kaputt und stärkt die Großen."

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