Narren übernehmen in Westsachsen die Macht

Zwickau.

Tätää tätää tätää. Auch in Westsachsen hat am Montag um 11.11 Uhr die Faschingssaison begonnen. Trotz des Kuriosums, dass es in der 90.000-Einwohner-Kreisstadt Zwickau keinen Karnevalsverein gibt, wurde ordentlich Rabbatz gemacht. Nur eben in anderen Orten.

Glauchau: 105 Jahre Fasching in Glauchau. Das haben die Närrinnen und Narren in der Muldestadt zelebriert - obwohl das natürlich nicht allzu wörtlich genommen werden darf. Auf die Minute genau übernahmen die Mitglieder des Wernsdorfer Faschingsclubs, er feiert sein 55-jähriges Bestehen, und des Glauchauer Carnevalclubs, der es auf 50 Jahre bringt, die Rathausschlüssel von Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos). Zahlreiche Schaulustige ließen sich diesen Spaß im Atrium des Glauchauer Ratshofes nicht entgehen. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Draufgänger Guggis aus Meerane. (sto)

Lichtenstein: In Lichtenstein war Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) als Pirat verkleidet. Den Rathaus-Schlüssel musste er ausgerechnet an Eric Schöniger abgeben, der nicht nur Präsident des Faschingsclubs ist. Schöniger saß kurze Zeit für die CDU im Stadtrat, musste dann aber gegen seinen Willen und auf Initiative des Bürgermeisters aus dem Gremium raus, weil er im städtischen Bauhof arbeitet Jetzt hat er - zumindest symbolisch - die Macht im Rathaus. Ein paar flotte Reime hatte sich Nordheim auch ausgedacht. "Will selbst nun eine Kita bauen, doch ha'm die Preise mich fast umgehaun. Die neuen Räte sind wild wie noch nie, da hilft nur eins: Piraterie", hieß es in seiner Rede. (mpf)

Werdau: Pünktlich um 11.11 Uhr hat sich auch der Werdauer Faschingsclub (WFC) vom neuen Oberbürgermeister Sören Kristensen (Unabhängige Liste) den Rathausschlüssel abgeholt. Die Narren waren mit einem selbstgebauten Feuerwehrfahrzeug auf dem Marktplatz vorgefahren, um gleich auf ihr aktuelles Motto "Wasser-Nebel, Feuer-Show, Greta - Oh,Oh,Oh!" aufmerksam zu machen. WFC-Chef Jan Pfeiffer hatte für den OB übrigens ein Double mitgebracht, zumal Kristensen gerade mal seit 103 Tagen im Amt ist. (tmp)

Wilkau-Haßlau: Das Rathaus in Wilkau-Haßlau ist wieder fest in Narrenhand - Bürgermeister Stefan Feustel übergab den goldenen Schlüssel - wer hat, der hat - an den Vorsitzenden des Wilkauer Carnevalvereins, Lutz Voigtmann. Rund 100 Menschen wollten das strahlende Gesicht des (Noch)-Rathauschefs sehen. Von einer solchen Besucherzahl können die Stadträte bei ihren Sitzung nur träumen. Dabei schaffte es Feustel, humoristisch hartgesottene Karnevalisten für einen Moment sprachlos zu machen. Er kündigte an, dass sie ihn nicht wieder loswerden würden. Die nächsten sieben Jahre habe er ohnehin die Schlüsselgewalt inne; zudem habe er beschlossen, danach König von Wilkau-Haßlau zu werden. Doch seine Inthronisierung ist erst einmal Zukunftsmusik. Seine Amtshandlung am Montag: das Prinzenpaar zu küren. Dabei gibt es in diesem Jahr ein Novum. Prinzessin Anne und Prinz Michael waren vor drei Jahren schon einmal gekürt worden, mussten jedoch mitten in der Saison aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Jetzt gibt es sozusagen eine zweite Chance für das Prinzenpaar. Die Wilkauer Karnevalisten gehen während der Karnevalssaison auf Tour durch mehrere Orte. Dabei wollen sie den Unterschied zwischen Wilkau-Haßlau und Zwickau deutlich machen: "Wir haben Fasching, in Zwickau gibt es das nicht", sagte Voigtmann. Aber man wolle ja nicht so sein. Erstmals gastiert der Verein im kommenden Jahr wieder in der Kreisstadt. Das neue Motto lautet "Alexa bringt uns auf den Dreh, heut feiern wir beim WCC". Insgesamt sechs Veranstaltungen sind geplant. (nkd)

Gefeiert wurde 11.11 Uhr auch in Meerane. In Crimmitschau, Langenbernsdorf und Hohenstein-Ernstthal findet der Faschingsauftakt am Montag um 16.11 Uhr, 17 Uhr bzw. 17.17 Uhr statt.

 

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