Neue Ermittlungen gegen die Mutter eines getöteten Säuglings

Wilkau-Haßlau.

Es war ein Großaufgebot an Polizei, das am Dienstagvormittag im Wilkau-Haßlauer Ortsteil Culitzsch für Aufmerksamkeit sorgte: Beamte der Mordkommission, 50 Bereitschaftspolizisten, ein Kriminaltechniker und zwei Diensthundeführer mit Leichenspürhunden waren im Einsatz auf einer Wiese abseits der Kirchberger Straße - genau dort, wo am 1. Juni 2017 bei Mäharbeiten ein toter Säugling entdeckt wurde. Das Baby war eingewickelt in eine Strickjacke und eine Mülltüte. Die Suche an dieser Stelle ist kein Zufall. Die Ermittler vermuten, dass ein zweites Kind - Bruder oder Schwester des toten Jungen - dort ebenfalls abgelegt worden sein könnte. Gefunden wurde bislang nichts.

Der Polizeieinsatz mag die Culitzscher aufgeschreckt haben, von ungefähr kam er jedoch nicht. Bereits vor einem Jahr hatte sich der Verdacht erhärtet, dass die Mutter des toten Jungen ein weiteres Kind zur Welt gebracht haben könnte und es ebenfalls sterben ließ. Die heute 34-Jährige saß zu dieser Zeit auf der Anklagebank im Landgericht Zwickau. Das verurteilte sie im Mai 2018 zu drei Jahren Haft wegen Totschlags durch Unterlassung. Sie hatte den Jungen im Sommer 2016 nach verheimlichter Schwangerschaft zuhause zur Welt gebracht und danach nicht versorgt.

Sascha Aurich

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Im Laufe des Prozesses erhärtete sich der Verdacht, dass dies etwa ein Jahr zuvor schon einmal geschehen sein könnte. Auf die Spur brachte das Gericht ein Polizist, der das Smartphone der Frau ausgewertet hatte. Dabei fand er weit mehr als 500 Interneteinträge von einschlägigen Seiten: Angefangen vom Geburtsrechner, über Seiten zu anonymer Geburt und Babyklappen, weiter zu Themen wie Hausgeburt, Wehenhemmer, Verhinderung von Milcheinschuss und Diät nach der Geburt. Danach gesucht hatte die Frau den Daten zufolge schon 2015, also noch vor ihrer verhängnisvollen Schwangerschaft. Der Vorsitzende Richter sagte damals, ihr Verhalten habe einer Schwangeren kurz vor und nach einer Geburt entsprochen. Würde sich der Verdacht bestätigen, wäre das Kind Nummer sechs: Drei Kinder lebten bis 2017 bei dem Elternpaar, eines gebar sie heimlich in einer Klinik und gab es zur Adoption frei, der zuletzt geborene Junge starb 2016 wenige Stunden nach der Geburt.

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