Neuer Rohrbruch führt zu Riesenstau

Nach der halbseitigen Sperrung des Dr.-Friedrichs-Rings wälzte sich am Montag eine Blechlawine um den Schumannplatz. Ab Dienstag soll es mit neuer Verkehrsregelung flüssiger weitergehen.

Zwickau.

Es gibt nie eine günstige Zeit für einen Rohrbruch, aber momentan ist es besonders ungünstig. Ausgerechnet während des Zwickauer Weihnachtsmarkts ist wieder einmal eine Trinkwasserleitung havariert. Betroffen ist der durch die zahlreichen Marktbesucher ohnehin extrem verkehrsbelastete Dr.-Friedrichs-Ring. Zwischen Schumannplatz und Arcaden-Parkhaus bildete sich am Montagvormittag ein gewaltiger Stau. Wer darin landete, kam eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr heraus.

Nach Angaben der Stadtverwaltung hatten die Wasserwerke eine Havarie an einer Trinkwasserleitung gemeldet. Ein Abgangsschieber sei verschlossen und die Einbaugarnitur defekt. Ein Tiefbauunternehmen rückte an, der Dr.-Friedrichs-Ring wurde zwischen Kreisig- und Römerstraße halbseitig gesperrt. Ein Fehler, wie die Verantwortlichen später einräumten.

In Richtung Schloss Osterstein ging damit nichts mehr. Autofahrer waren gezwungen, in Richtung Arcaden-Parkhaus abzubiegen. Dort quälten sie sich Meter für Meter voran, am italienischen Restaurant und der Apotheke vorbei, an den Arcaden entlang, vorm Schotterparkplatz nach links Richtung Schumannplatz, um wieder auf den Ring zu kommen und in Richtung Ringcafé zurückzufahren. Ein anderer Weg war nicht möglich. In die Schlange reihten sich auch noch alle Autofahrer an, die tatsächlich in das Arcaden-Parkhaus wollten oder daraus abfuhren. Nach wenigen Stunden war der Verkehr im Bereich Schumannplatz völlig kollabiert.

Die Pressestelle im Rathaus sprach am Nachmittag von einer ungünstigen Lösung. "Die Sperrung musste schnell gehen, und dass es zu so einem Stau kommen würde, war vorher nicht absehbar", sagte Sprecherin Heike Reinke. Man habe sofort eine neue Lösung erarbeiten lassen, die ab dem heutigen Dienstag gelte. Dann wird der Ring in der anderen Richtung gesperrt, mit dem Ergebnis, dass Autos aus dem Nadelöhr Schumannplatz nicht nur wie am Montag nach links, sondern auch wieder nach rechts abfahren können.

Bisher geht das Rathaus davon aus, dass die Sperrung bis Freitag dauern wird. Damit wäre die Bergparade nicht beeinträchtigt, die am Samstag stattfinden und direkt an der Stelle vorbeigehen soll. Die Wasserwerke haben sich am Montag nicht zur Havarie geäußert. Das Zwickauer Leitungsnetz war in den vergangenen Jahren häufig von Rohrbrüchen betroffen. Die Rohre seien vor allem bei Kälte anfällig, hatte es geheißen.

Wegen der starken Häufung der Rohrbrüche und der damit verbundenen Verkehrseinschränkungen waren die Wasserwerke in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik geraten. So musste 2017 nach einem Rohrbruch die Moccabarkreuzung wochenlang gesperrt werden. Das Unternehmen erneuert sein Netz zwar jährlich für Millionensummen, aber der Großteil besteht noch aus Rohren, die vor der Wende verlegt wurden, teils sogar noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Doch auch die Ausbesserungsmaßnahmen der Wasserwerke sorgen für Ärger - zumindest bei einigen Stadträten.

Grund dafür sind die Prioritäten im Straßenbau. Wasserwerke und Stadtverwaltung sind bestrebt, ihre Baustellen aufeinander abzustimmen. Graben die einen einen Teil der Straße auf, um Leitungen zu erneuern, dann versuchen die anderen, den Rest der Straße gleich mit zu erneuern. Laut Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn sparen dadurch beide Geld und Ressourcen. Das mache man aber nur, wenn die Straße in schlechtem Zustand sei und es Sinn ergebe, sie in Gänze zu sanieren. Teils würden auch die Wasserwerke aufspringen, wenn die Stadt gerade eine Straße saniere. Es sei, sagt Pühn, ein Geben und Nehmen.

Das allerdings bringt mehrere Ratsmitglieder auf die Palme. Sie monierten, die Wasserwerke würden auf diese Weise bestimmen, welche Straßen in Zwickau saniert werden und wann. "Wir bauen immer nur den Wasserwerken hinterher", schimpfte etwa der Fraktionsgeschäftsführer der Linken, Sven Wöhl. Und SPD-Fraktionschef Jens Heinzig drohte: "Vielleicht müssen wir einfach einmal ein Vorhaben ablehnen, damit wir gehört werden."

Der Vorwurf der Stadträte: Bürger würden nicht verstehen, warum relativ intakte Straßen - wie vor Kurzem die Kolpingstraße - saniert werden, viel schlimmere Holperpisten aber nicht. Dann müsse man keine eigene Prioritätenliste aufstellen.

Das Tiefbauamt wies das zurück. Allein 2018 habe man die sieben drängendsten Problemstraßen allesamt saniert, teils gemeinsam mit den Wasserwerken. Angedacht ist nun ein gemeinsamer Gesprächstermin zwischen Räten und Wasserwerken.

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