Neurochirurgie: Kann es nur eine geben?

Das Heinrich-Braun-Krankenhaus baut die Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie deutlich aus. Auch die Paracelsusklinik investiert. Von Konkurrenzkampf will aber niemand öffentlich reden.

Zwickau.

Mit der neuen Hauptabteilung Neurochirurgie verfügt das Heinrich-Braun-Krankenhaus (HBK) nun nach eigenen Angaben über Möglichkeiten, die Patienten ganzheitlich und interdisziplinär zu versorgen. Operierende Fachbereiche, Strahlentherapeuten und Internisten oder Kinderärzte arbeiteten dafür eng zusammen. "Von der Operation, Strahlenbehandlung, Chemotherapie bis zur Nachsorge kann alles in unserer Einrichtung erfolgen", sagte Kristian Ebmeier, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie, nach der entsprechenden Änderung im sächsischen Krankenhausplan. Das sei bei Tumorpatienten und Schwerstverletzten, aber auch beim Schlaganfall extrem wichtig. "Damit wird eine Versorgungslücke geschlossen", glaubt der Chefarzt.

Mit den neuen Bereichen sei es jetzt auch möglich, Schwerstverletzte schneller als bisher zu behandeln. Bislang wurden sie mit dem Hubschrauber nach Leipzig, Chemnitz oder Dresden geflogen. Durch die kürzeren Flugzeiten kann der Hubschrauber nun schneller zum nächsten Einsatz.

Ziel der kommunalen Einrichtung ist ein zertifiziertes Zentrum. "Das ist bundesweit und international Trend", meint Ebmeier. In nächster Zeit wird die Klinik dafür um- und ausgebaut, neue Geräte angeschafft und Personal eingestellt. So wird die Anzahl der Ärzte von sieben auf zwölf steigen. Bei der Besetzung der Stellen sieht Ebmeier keine Probleme. In dem Fachgebiet gebe es keinen Fachkräftemangel. Allein von der Uniklinik Jena wechselten fünf Ärzte an das HBK. Zudem sollen sich die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal weiter verbessern.

Bislang verfügte in Zwickau nur die Paracelsusklinik über eine durch den sächsischen Krankenhausplan untersetzte Hauptabteilung Neurochirurgie - und mit deren ärztlichem Direktor Jan-Peter Warnke über einen bundesweit anerkannten Experten. Ende 1993 wurde dieses Fachgebiet in der Klinik eingeführt, mittlerweile finden dort jährlich etwa 1350 Operationen in der Neurochirurgie statt. Das kommunale HBK hatte dagegen erst 2011 eine solche Klinik gegründet und führte von 2013 bis 2017 jährlich etwa 900 Eingriffe durch. Die Anerkennung als Hauptabteilung blieb lange verwehrt. Anträge von 2011 und 2013 auf Aufnahme in den Krankenhausplan lehnte das sächsische Gesundheitsministerium ab.

Erst als das Chemnitzer Verwaltungsgericht den Freistaat 2016 verpflichtete, den Antrag erneut zu prüfen, erhielt das HBK mit dem neuen Krankenhausplan im September dieses Jahres den Zuschlag. "Die Stellung des Hauses als Ganzes wird so gestärkt", ist sich Ebmeier sicher. Langfristig könnte es in Zwickau jedoch nur noch eine Klinik für Neurochirurgie geben, so seine klare Ansage. "Wir stellen uns darauf ein, den Versorgungsauftrag dann allein erbringen zu müssen."

Das Verwaltungsgericht hatte seinerzeit auch klargestellt, dass durchaus beide Einrichtungen eine solche Hauptabteilung haben dürfen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Und davon gehen die Paracelsuskliniken Sachsen fest aus. Für eine weitere Profilierung planen sie Investitionen in die technische Ausrüstung, um das hohe Niveau der Therapieverfahren unter anderem bei der Krebsbehandlung weiterhin bieten zu können.

Sachsens Gesundheitsministerium sieht durchaus positive Aspekte von zwei Neurochirurgischen Kliniken in Zwickau. Die weitere Entwicklung der beiden Fachabteilungen werde "maßgeblich von Fragen wie einer konkreten Profilierung der einzelnen Abteilungen, der Qualität der Versorgung und nicht zuletzt von der Kooperation der Häuser abhängen". Eine Kooperation erhöhe die Qualität der medizinischen Versorgung und werde vom Sozialministerium immer mit Wohlwollen begleitet.

Neurochirurgen beschäftigen sich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen, Fehlbildungen, Verletzungen und anderen Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Das sind unter anderem Verletzungen des Gehirns und des Rückenmarks, Hirntumore, Schlaganfall, Parkinson oder Bandscheibenvorfall.

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