Nicht nur "Plane" hat Investitionsbedarf

Die Zwickauer Stadträte entscheiden heute über 4,5 Millionen Euro, die in das Strandbad gesteckt werden sollen. Doch sie wissen, dass auch die von Vereinen betriebenen Bäder Geld für Sanierungsarbeiten brauchen.

Zwickau.

Arne Pflug, der Vorsitzende des Fördervereins 04-Bad, ist sauer. "Die Stadt will 4,5 Millionen Euro in eine neue Beckenverkleidung im Strandbad Planitz stecken. Wir wurden in der Vergangenheit mit 15.000 Euro pro Jahr und aktuell mit 30.000 Euro abgespeist. Und zwar für Investitionen und Badbetrieb", sagt er. In der "Nulle", wie das Bad in Pölbitz genannt wird, gebe es ebenfalls einen in die Millionen gehenden Investitionsbedarf. "Wir mussten diese Saison den Zehn- und Fünf-Meter-Turm sperren, weil an dem Bauwerk aus den 1950er-Jahren der Zahn der Zeit genagt hat. Allein das Gutachten, ob er noch zu retten ist, kostet mehrere 1000 Euro, weil dafür ein Gerüst gestellt werden muss", sagt Pflug. "Die etwa 40.000 Besucher dieses Jahr zeigen, dass das Bad gebraucht wird."

Carol Forster, Vorsitzender des Fördervereins des Crossener Bades, berichtet von etwa 30.000 Besuchern in seiner Einrichtung. "Durch den von 15.000 auf 30.000 Euro erhöhten städtischen Zuschuss, die vielen Badegäste und Eigenleistungen sowie Sponsoren können wir uns jetzt die neue Brücke zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken leisten, die gerade gebaut wird. Würden wir zumachen, hätten Crossener Kinder keine Möglichkeit mehr zum Freibadbesuch." Von seinem Bad bis zum von der städtischen Bäderbetriebsgesellschaft betreuten in Planitz, das pro Saison durchschnittlich 62.000 Badegäste hat, sind es immerhin etwa zwölf Kilometer. Das ist gerade für Kinder und Jugendliche eine schwer zu nehmende Hürde. Von der "Nulle" bis zur "Plane" zeigt der Routenplaner knapp zehn Kilometer.

Im zugegeben größeren Chemnitz gibt es immerhin vier Bäder, die die Stadt selbst betreibt, und den Stausee Rabenstein, für den die Eissport und Freizeit GmbH zuständig ist. Im kleineren Plauen werden die zwei Freibäder von einer GmbH betrieben, deren Gesellschafter die Stadt mit 90 Prozent und der Förderverein "Freibad Plauen-Haselbrunn" mit zehn Prozent sind.

Eine Schließung der Bäder in Crossen und Pölbitz, wie sie 2005 innerhalb der Haushaltskonsolidierung zur Debatte stand, ist derzeit kein Thema. Die Stadtratsfraktionen sprechen sich klar für den Erhalt aller drei Freibäder aus. Linken-Fraktionschefin Ute Brückner schreibt: "Ein Großteil der Fraktion würde gern alle Bäder erhalten." Wolfgang Rau, Fraktionsgeschäftsführer Bürger für Zwickau/Grüne, sagt: "Eine Grundsatzentscheidung für die Beckensanierung in Planitz betrachten wir nicht als Votum gegen die anderen Bäder." Sie eröffne lediglich die Chance, in ein Bundesprogramm zu kommen, die genutzt werden sollte. Genauso sehen es Fraktionsgeschäftsführer Sebastian Lasch von der SPD und AfD-Fraktionschef Sven Itzek. Beim offenbar dringlichen Investitionsbedarf im 04-Bad werde bei den anstehenden Haushaltsberatungen zu klären sein, inwieweit wenigstens für die wichtigsten Dinge Mittel eingestellt werden können, sagt Rau. Und CDU-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Künzel meint, dass die Stadt als Eigentümerin gefordert ist, wenn es zum Investitionsstau in Bädern kommt. "Es ist daher wichtig, dass die Betreibervereine auf dringend nötige Investitionen hinweisen", so Künzel. Für Ute Brückner muss bei den Kosten für die Bädersanierung eine große Diskussion her, "denn jedes Vorhaben bedeutet, dass vielleicht ein bereits geplantes nach hinten rutscht oder wegfällt". Itzek könnte sich vorstellen, dass die 50.000 Euro, die bisher jährlich in die Fliesenreparatur in der "Plane" gesteckt werden, künftig in die "Nulle" fließen könnten. "Weitere Millionen, die bereits im Haushalt eingestellt sind, würden für das Bad frei, wenn beim geplanten Bau der Innenstadttangente nicht an der großen Straßenbahnlösung festgehalten würde", sagt er.

BfZ/Grüne sehen perspektivisch die Einbeziehung des Crossener und des 04-Bades in die städtische Bäder GmbH als "durchaus denkbare Möglichkeit". Auch die SPD steht einer Zurücknahme der beiden Bäder in die Stadtverwaltung oder einen zu gründendem Sportbetrieb, bei dem das Vereinsengagement weiter genutzt werden könnte, positiv gegenüber. Die CDU würdigt ebenfalls das Engagement der Vereine. "So lange sie die Einrichtungen weiter betreiben wollen, sollten sie auch die dafür benötigten finanziellen Mittel erhalten", so Künzel. "Aktuell sehen wir keinen akuten Handlungsbedarf zur Eingliederung in die städtische Bädergesellschaft." Itzek will die Freibäder ebenfalls in Vereinshand lassen, ihnen aber die Last des Sanierungsbedarfs nehmen. Für die Linke könnten die anstehenden strukturellen Veränderungen im Bereich Sporteinrichtungen auch die Bäder betreffen. Die Vereine sollten aber weiterhin aktiv sein können.

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