Öl ins Feuer der Nörgler

Keine Antwort ist auch eine Antwort? Nicht für Annelie Wagner. Das Mitglied des Vereins "Bürger für Zwickau" hakt nach.

Zwickau.

Der Vorfall, den Annelie Wagner, Mitglied im Sozialausschuss der Stadt, gern geklärt haben will, ereignete sich am 11. Juni, 8.30Uhr nahe der Straßenbahnhaltestelle Virchowplatz. Dort bespritzten zwei mit Warnwesten ausgestattete und Kanistern bepackte Menschen kleinste Wildkräuter an Fußweg und Gullydeckel. Ähnliches beobachtete sie am Mittag des 9. Juni auf der Kolpingstraße, obgleich der Wetterbericht an diesem Tag Regen verhieß. Regen könne die Wirkung von Unkrautvernichtungsmitteln halbieren, sagen deren Hersteller. Zwei Stunden später ging in der Tat ein Starkregen nieder. Seit dem 14.Juni will Annelie Wagner nun wissen, welches Herbizid verwendet wurde, ob an Gullydeckeln überhaupt gespritzt werden darf und ob der Wetterbericht bei solchen Einsätzen beachtet wird.

Am 26. Juni bekam sie von der Stadtverwaltung Zwickau eine Antwort, die in ihren Augen aber keine ist. Auf einer knappen Din-A4-Seite steht lediglich, dass der Wetter- bericht sehr wohl beachtet werde. Warum nicht am 9. Juni? Das steht dort nicht. Welches Herbizid? Keine Antwort. Darf man um Gullydeckel herum spritzen? Nichts dazu.

Die 60-Jährige, die ehrenamtlich für den Verein "Bürger für Zwickau" (BfZ) seit vier Jahren im Ausschuss mitarbeitet, sagt selbst, dass sie es persönlich wegstecken könne, derart ignoriert zu werden. Sie will jetzt aber von der Verwaltung wissen, ob die sich bewusst ist, was solche Antworten bei den Bürgern bewirken, die ja im Internet jede Frage, jede Antwort nachlesen können. "In Zeiten, wo Kräfte versuchen, die Regeln der Demokratie infrage zu stellen, sollte besonderes Augenmerk auf die Art des Umgangs miteinander gelegt werden", sagt Wagner. Viele Bürger seien der Meinung, dass es nichts nütze, wenn man etwas sagt. Das stimme so nicht, weiß sie aus eigener Erfahrung. Solche Schreiben aber gießen Öl ins Feuer der Nörgler. "Ich will eine wertschätzende Kommunikation, ein Miteinander, um Probleme der Stadt zu lösen und nicht noch mehr zu spalten", so Wagner.

Bürgermeister Bernd Meyer (Die Linke) gab ihr vergangene Woche "vom Kern her Recht." Manch einer brauche offenbar drei Stunden, um eine Frage zu beantworten, er favorisiert Tacheles: Ja oder Nein. Meyer versprach, dass die Verwaltung da nachbessern wolle. Noch ist das nicht passiert.

Aber das häufig diskutierte Thema Glyphosat könnte in Zwickaus Öffentlichkeit vielleicht schon ab 2019 Geschichte sein. Die Linken und BfZ/Grüne fordern, dass die Stadt und deren Auftragnehmer gänzlich auf das umstrittene Mittel verzichtet.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    ralf66
    16.09.2018

    Nach meiner Kenntnis, sind Herbizite, wie zum Beispiel, Glyphosat zur Unkrautvernichtung in Gemeinden auf versiegelten Flächen, wie Gehwege, Straßen und Plätze, die also geteert, gepflastert sind gar nicht mehr zulässig, dass ist das Eine! Das Andere ist, dass das Herbizit wie Glyphosat, in der Landwirtschaft, im Obstbau großflächig zur Bekämpfung von Unkräutern ungehindert zum Eisatz kommt, dort werden ganze Getreidefelder nach der Ernte mit dem Herbizit gespritzt, um sich das Pflügen zu sparen, es wird nur noch geeggt, mit gleichzeitiger Einbringung von Dünger (Gülle), nachfolgend wird dann die neuen Saat eingebracht, ganz krass werden unreife Getreidefelder mit Glyphosat gespritz, die in Jahren durch viel Niederschläge und wenig Sonne nicht reif werden, die werden dann 'gelbgespritzt' um abgeerntet werden zu können! Was soll das eigentlich, will man den Bürger verarschen, Unkrautbekämpfung in der Stadt oder der Gemeinde mit Glyphosat ist schädlich, aber auf der landwirtschaftlichen Fläche, dem Acker, dem Feld, der Obstplantage nicht? Es kommt noch ein weiteres unschönes und ungelöstes Problem hinzu, ganze Straßenzüge und Plätze, in den Gemeinden und Städten wuchern sichtlich mit Unkraut zu, weil man erstens, nicht mehr spritzen will und darf, es ist ja schädlich und zweitens, weil keine wirksame Alternative zur Unkrautbekämpfung geschaffen wird, wie z. B. die Anschaffung von Technik, in Form von Fahrzeugen mit Wildkrautbürsten, dazu fehlt nämlich angeblich das Geld!



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