Opfer-Gedenkstätte: Protest gegen Schändung hält an

Viele Zwickauer sind empört darüber, dass Unbekannte den Baum abgesägt haben - und zeigen das auch. Zum Beispiel am Freitag.

Zwickau.

Nach dem Absägen des Gedenkbaumes und der Zerstörung einer Bank für das erste Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU), Enver Şimşek, hat sich in Zwickau breiterer öffentlicher Protest gegen Rechtsextremismus formiert. Für Freitag rufen Privatpersonen, Vereine und Institutionen rund um das Bündnis für Demokratie und Toleranz um 18 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung mit Blumen und Kerzen am Mahnmal im nördlichen Teil des Schwanenteichparks auf. Seit die Schändung der Gedenkstätte bekannt wurde, laufen zudem mehrere Spendenaktionen für neue Bäume.

Bereits am Montagmittag hatten rund 100 Menschen, Schüler des Zwickauer Peter-Breuer-Gymnasiums und weitere Demonstrierende, einen spontan organisierten Protestmarsch zu der Stelle des abgesägten Baumes unternommen und dort Blumen niedergelegt. Schüler und Mitorganisator Jakob Springfeld, bekannt für sein Engagement bei Fridays for Future, schrieb in einem mehrteiligen Eintrag beim Kurznachrichtendienst Twitter: "Dass es hier immer noch NSU-Sympathisant*innen gibt und dass der NSU nicht zu dritt war, ist klar und wir wollen das nicht einfach hinnehmen." Der Eingangsbeitrag des sogenannten Threads zu der Gedenkaktion der Jugendlichen wurde mehr als 3000-mal von anderen Nutzern weiterverbreitet.

Für Montag nächster Woche hat das Theater Plauen-Zwickau eine Aktion angekündigt. "Auch die Mitarbeiter*innen des Theaters sind geschockt über die Zerstörung des Gedenkbaumes für das NSU-Opfer Enver Şimşek", schrieb Sprecherin Carolin Eschenbrenner. Sie wollen sich deshalb am 14. Oktober, 14.30 Uhr an der Gedenkstelle am Schwanenteich treffen, "um ihre Empörung gegen diese Tat zum Ausdruck zu bringen und ein Signal gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus nach außen zu senden." Es sollen Topfpflanzen an die Stelle des abgesägten Baums gestellt und gemeinsam gesungen werden.

Seit Donnerstag steht an dem Platz eine neue Gedenkbank. Die weiß gestrichene Metall-Holz-Konstruktion wurde mit Gravuren versehen. Unter anderem ist auf der Sitzfläche der Bank zu lesen: "Ich hinterließ meine Frau und meine zwei Kinder." Vorn stehen die Künstlernamen Mask One und Low Ridaz. Zum Schutz vor erneutem Vandalismus ist die Bank mit einem Fahrradschloss und einem Metallhaken in der Erde verankert worden.

Die Stadt Zwickau hatte kurz nach der Tat angekündigt, die Eiche für Enver Şimşek zu ersetzen. Zudem werden Anfang November wie geplant Bäume für die neun weiteren Opfer des Nationalsozialistischen Untergrundes gepflanzt. Die zerstörte Gedenkbank war bereits 2016 Teil einer Installation zu den NSU-Morden gewesen - auch diese wurde damals geschändet.

Am Dienstag nächster Woche beginnt in Zwickau wieder die Veranstaltungsreihe "Novembertage", die sich unter anderem mit dem Komplex NSU befasst.

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