Optische Phänomene: Wenn das Hirn die Augen austrickst

Die Besucher trauen ihren Augen kaum: Rätselhaft, verwirrend wirken die Exponate, die das "Haus der Entdecker" Reinsdorf seit Samstag in einer neuen Ausstellung zeigt.

Friedrichsgrün.

Über das Gittermuster eines Bildes tanzen plötzlich schwarze Pünktchen. Kreisformationen beginnen sich beim genaueren Hinsehen zu drehen. Und seit wann hat ein Elefant acht Beine? Die Wanderausstellung des Vereins "Lingelbachs Scheune - Optische Phänomene" aus Abtsgmünd/Leinroden (Baden-Württemberg) bringt selbst Katrin Pfeifer ins Grübeln: "Unglaublich! Wie Kontraste, Geometrien und perspektivische Linien uns täuschen", sagt die Leiterin der Bürgerbegegnungsstätte verwundert.

Die Wahrnehmung entspricht nicht immer der physikalischen Realität, weiß Thomas Rüffer, der mit Ehefrau Kati die Objekte aufmerksam betrachtet. "Mit den Augen sehen wir ein Bild. Unser Gehirn aber interpretiert Seheindrücke anders - wie wir es aus Erfahrung erwarten." So werden Dinge hineinprojiziert, die nicht dazugehören oder fehlerhafte Entfernungen und Größen geliefert. Tricks, derer sich die Filmindustrie zum Beispiel für die Produktion zwergenhafter oder riesiger Märchengestalten bedient und die den an Optik, Elektronik und Physik interessierten Reinsdorfer bereits als Kind faszinierten.

Das Chemnitzer Seniorenehepaar Kempt teilt die Freude an der Kombination von Naturwissenschaften und Psyche und begutachtet den David-Goliath-Effekt am abgebildeten "Beuchet-Stuhl". Dessen beide Teile werden so hintereinander angeordnet, dass sie dem Beobachter wieder als ein zusammengehörendes Ganzes erscheinen. "Man muss sich aber ganz schön konzentrieren", konstatieren beide aufgeräumt und widmen sich schon der "unendlichen Treppe" - räumlich vorgestellt, ein Ding der Unmöglichkeit.

Nicht zu jedem Phänomen in der kleinen Ausstellung gibt es eine Erklärung. Der guten Laune tut das keinen Abbruch. "Wir haben beinahe alle optischen Täuschungen erkannt", bestätigen die Lichtensteinerin Sabine Mitzschke und ihre Schwester Liane Tschirch aus Görlitz. Mit je drei Kindern haben sie vor zwei Jahren schon das "Haus der Entdecker" erkundet, im ersten Anlauf nicht alle 13 Themenzimmer geschafft. Favorit der elfjährigen Anna bleibt das Spiegelkabinett. Was haben die "Großen" dieses Mal gelernt? Mutti Sabine muss nur kurz überlegen: "Nichts ist so, wie es scheint!"

Die Ausstellung "Lingelbachs Scheune - Optische Phänomene" ist bis Samstag, 15.06.2019, im "Haus der Entdecker", Schulstraße 19, im Reinsdorfer Ortsteil Friedrichsgrün zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr und samstags/sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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