Ordnungshüter sind sich nicht einig

Bei Einwohnerversammlungen können Zwickauer Dampf ablassen. Doch bei der Bewertung der Probleme tauchen gelegentlich Widersprüche auf.

Zwickau.

Der Netto-Markt an der Hermann-Krasser-Straße im Stadtteil Neuplanitz ist in die Kritik geraten. Er ist die Ursache allen Übels in der Plattenbausiedlung, wenn man einigen wenigen Anwohnern glauben will, die zur jüngsten Einwohnerversammlung in Neuplanitz ihrem Ärger Luft machten. Demnach würden sich dort Gruppen von "Asozialen", darunter viele Ausländer, zu Saufgelagen treffen, Lärm verursachen und jede Menge Müll hinterlassen. Auch die Notdurft würde an der Außenfassade des Marktes verrichtet. Eine Lösung des Problems wurde auch gleich mitgeliefert: "Der Markt muss weg." Einkaufen könne man, besonders als Frau, da sowie so nicht.

Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hatte sich das Anliegen angehört. Markt und Grundstück befinden sich im Privatbesitz. Das schränkt die Möglichkeiten der Stadt zum Eingreifen ein. Kontrollen des Stadtordnungsdienstes hatte die Rathauschefin zwar nicht versprochen, dennoch erwarten die Anwohner deren Auftauchen. Bisher sei kein städtischer Ordnungshüter gesichtet worden, sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, ein paar Tage nach der Einwohnerversammlung am Telefon.

Der Stadtordnungsdienst sieht keine Notwendigkeit am Neuplanitzer Netto-Markt über den Rahmen der allgemeinen Stadtkontrolle hinaus, häufiger vorbeizuschauen, heißt es aus dem Rathaus. In welchem Turnus die Mitarbeiter dort kontrollieren wurde nicht verraten. Im Ordnungsamt geht man offenbar davon aus, dass das Problem gar keines ist. "Wie an vielen anderen Märkten auch wurden Personen angetroffen, die Alkohol trinken", sagte Heike Reinke von der Pressestelle. Das sei nicht verboten. "Im Rahmen des Hausrechts kann das nur der Markt selbst verhindern", sagte sie. Lärm oder übermäßige Verunreinigungen wurden bisher nicht festgestellt.

Die Bilanz der Polizei fällt allerdings weniger positiv aus. "Insgesamt wurden in den vergangenen drei Monaten sieben Straftaten registriert", sagte Polizeisprecher Christian Schünemann. Dabei handelte es sich in der Regel um Diebstähle oder Drogendelikte. "Bei den Straftaten waren die Beteiligten teilweise alkoholisiert", sagte er. Darüber hinaus mussten die Beamten einen Streit schlichten. Andere angesprochene Probleme wie Müll oder das Verrichten der Notdurft seien der Polizei nicht angezeigt worden.

Beim Discounter Netto sieht man hingegen keinen Grund zum Eingreifen. Sachbeschädigungen oder Kundenbeschwerden seien nicht bekannt. "Um die Sicherheit zu gewährleisten, setzen wir geschultes Sicherheitspersonal ein", sagte Pressesprecherin Christina Stylianou. Den von Anwohnern behaupteten Kundenrückgang könne man auch nicht bestätigen.

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