Outlet-Center darf nicht öffnen - aber eingeräumt wird weiter

Zwickau.

Das Outlet-Center für Schuhe und Textilien im ehemaligen Möbelhaus Werner in Zwickau-Pölbitz darf vorerst nicht eröffnen. Die Stadtverwaltung hat am Freitag eine Nutzungsuntersagung für das Objekt erlassen. Damit darf das Gebäude nicht einfach mittels einer Gewerbeanmeldung genutzt werden. In den vergangenen Tagen hatte es Forderungen aus Teilen der Kommunalpolitik, aber auch von Handelsverbänden und Gewerbetreibenden aus der Innenstadt gegeben, das Outlet-Center in Pölbitz nicht zu genehmigen. Der Betreiber hatte durch Stellenausschreibungen und die Anlieferung von Waren jedoch bereits vollendete Tatsachen zu schaffen versucht. Ob die Firma Schmid aus Augsburg jetzt Schadenersatzansprüche stellt (und wenn ja, auf welcher Grundlage), war zunächst nicht zu erfahren. Mitarbeiter Bernhard Ciniawsky, der  für das Einräumen des neuen Geschäftes in Pölbitz verantwortlich ist, zeigte sich enttäuscht über die Nutzungsuntersagung durch die Stadt. Diese komme vor allem sehr überraschend. Dennoch werde der Laden weiter eingeräumt. "Wir hoffen, am Monatsende damit fertig zu sein". Dann wolle man abwarten, was passiert. "Aufgeben werden wir jedenfalls nicht." 35 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen bereits. "Der Inhaber hat das Möbelhaus aus dem Bauch heraus gemietet", sagte Ciniawsky. "Das Projekt begeistert uns. Wenn wir nicht hier sind, dann kommt ein anderer."

Jens Preißler, Center-Manager der Zwickau-Arcaden, begrüßte dagegen den Schritt der Stadt. "Laut dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt gehören großflächige innenstadtrelevante Sortimente wie Textilien in die Innenstadt und nicht an den Rand", sagte er. Das zarte Pflänzchen Innenstadt in Zwickau müsse geschützt werden. Niemand wolle das Outlet-Center verhindern, es gehöre aber ins Zentrum. "Wenn sich das Unternehmen zum Beispiel im ehemaligen Kaufhaus Joh ansiedeln würde, wären wir die Ersten, die jubeln", sagte Preißler. Tatsächlich hat sich die Firma Schmid das Kaufhaus Joh angesehen, wie Bernhard Ciniawsky sagte. "Die finanziellen Vorstellungen der Schweizer Eigentümer sind jedoch für uns völlig unrealistisch." Erst vor Kurzem habe man zum Beispiel in der Innenstadt von Augsburg eine ehemalige Kaufhof-Filiale übernommen und umgestaltet.

Das eigentliche Problem ist mit der Nutzungsuntersagung allerdings nicht geklärt. Der 1992 aufgestellte Bebauungsplan für das Einkaufszentrum ist wegen eines formalen Fehlers nichtig. Das war bei einer Beratung zum Thema in der Landesdirektion Sachsen am Donnerstag aufgefallen. Grund: Der Vertrag zur Durchführung des Projektes zwischen der Stadt und dem Vorhabensträger war seinerzeit erst nach dem Beschluss über den Bebauungsplan durch die damalige Stadtverordnetenversammlung unterzeichnet worden. Damit hatten die Stadträte bei der Abstimmung gar keine Kenntnis über die zwischen dem Vorhabensträger und der Stadt vereinbarten genauen Konditionen. Die Stadt Zwickau musste den Bebauungsplan deshalb aufheben und jetzt einen neuen erarbeiten. Schon im April soll die Bauleitplanung in den zuständigen Ausschüssen diskutiert werden. Auf die bereits existierenden Geschäfte in dem Gebiet hat das allerdings keinen Einfluss; ihre Baugenehmigung gilt. (nkd/sf)

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