Parkuhren: Vom Groschengrab zum modernen Ticketautomaten

Vor 65 Jahren wurde in Duisburg das erste Gerät in Deutschland aufgestellt. Nach der Wende kassierten die Städte auch im Osten. Doch jetzt kehren viele zum kostenfreien Parken zurück.

Zwickau.

Autofahrer in der ehemaligen DDR hatten einen großen Vorteil: Zumindest außerhalb Berlins blieben sie weitgehend von Parkgebühren verschont. Die auch als "Groschengrab" bekannten Parkuhren hatten im Arbeiter- und Bauernstaat Seltenheitswert. Das änderte sich mit der politischen Wende, als die Parkuhren wie Pilze aus dem Boden schossen - um die Haushaltskassen zu füllen und gleichzeitig die Parksituation in den Innenstädten zu regulieren, in denen sich die Stadtplaner plötzlich mit größeren Blechlawinen konfrontiert sahen.

Im Landkreis Zwickau allerdings halten sich die Städte und Gemeinden mit dem Kassieren vergleichsweise zurück. Die meisten Kommunen verzichten sogar ganz auf die ehemaligen "Groschengräber", die längst Euros schlucken. Im Jahr 2018 gab es im Landkreis knapp 3600 kostenpflichtige Stellplätze, verteilt auf 41 Parkflächen. Rund 915.000 Euro wurden dabei an Parkgebühren eingenommen. Dabei teilen sich zehn der 33 Städte und Gemeinden den Kuchen der Parkgebühren. Den Löwenanteil nimmt die Stadt Zwickau ein, wo 1991 die ersten Parkuhren aufgestellt wurden. Wie Pressesprecher Mathias Merz sagte, existieren im Stadtgebiet 25 bewirtschaftete Parkflächen mit 2113 Stellplätzen.

Den Geldsegen ließen sich die Kommunen einiges kosten. Seit der Einführung des Euros wurden insgesamt rund 215.000 Euro in neue Parkautomaten investiert. Mit der neuen Währung verschwanden gleichzeitig auch die guten alten Parkuhren. Sie waren mit den neuen Münzen nicht kompatibel und wurden durch Ticketautomaten ersetzt. Einige Kommunen verzichteten auch einfach ganz auf Parkgebühren. So stellte die Stadt Werdau nach 1990 zunächst ebenfalls Parkuhren und Automaten auf, rückte dann jedoch davon wieder ab. "Nach der Jahrtausendwende haben wir die Zahl der gebührenpflichtigen Stellplätze schrittweise verringert", sagte Florian Kieslich vom Fachbereich Öffentliche Ordnung und Sicherheit. 2016 wurde der letzte Parkscheinautomat abgeschaltet.

Auch die meisten kleineren Kommunen erheben keine Gebühren. In Reinsdorf, Mülsen, Schönberg, Langenbernsdorf, Fraureuth sowie in Wildenfels und in der zweitgrößten Landkreisstadt Limbach-Oberfrohna gab es noch nie Parkuhren. In Meerane können ebenfalls alle Parkplätze gebührenfrei genutzt werden. "Teilweise ist jedoch die Parkdauer begrenzt", sagte Stadtsprecherin Heike Hönsch. In anderen Gemeinden wurde die Gebührenpflicht wieder abgeschafft. Die Gemeinde Callenberg hat ihre Parkautomaten 2012 komplett abgebaut. Auch in Wilkau-Haßlau und Crimmitschau wurden 20 beziehungsweise 17 Stellflächen kostenfrei. In der Stadt an der Zwickauer Mulde gibt es jetzt nur noch einen bewirtschafteten Parkplatz. Dafür steht am Herbertbad ein Sommer-Ticketautomat. So wird es auch in Gersdorf gehandhabt. Wie Lisette Kramer von der Gemeindeverwaltung sagte, wurde 2001 ein Automat am Sommerbad aufgestellt, der nur in der Saison aktiv ist. Die Gemeinde Hirschfeld ging genau den entgegengesetzten Weg. "Eine Zeit lang wurde bei größeren Veranstaltungen am Tierpark kassiert", sagte Bürgermeister Rainer Pampel. Allerdings übersteigt dabei der Aufwand den Nutzen. "Wir haben daher wieder darauf verzichtet."

Erfinder der Parkuhr ist vermutlich der Amerikaner Carlton Cole Magee. Am 16. Juli 1935 wurde die erste Parkuhr in Oklahoma City aufgestellt. In Europa tauchten 1952 die Geräte in Basel und danach in Stockholm auf. Am 4. Januar 1954 wurden in Duisburg 20 aus der Schweiz importierte "Parkographen" in Betrieb genommen. Damals gab es für Parkgebühren noch nicht einmal eine rechtliche Regelung. Trotzdem kostete die halbe Stunde einen Groschen.

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