Partnergemeinden schlagen sich mit ähnlichen Problemen herum

Die Treffen zwischen Reinsdorf und Pliezhausen finden zwar nicht oft, aber regelmäßig statt. Die Digitalisierung wird für beide eine Herausforderung.

Reinsdorf.

Längst sind die Zeiten vorbei, als die Westsachsen nach der Wende wissbegierig nach Pliezhausen schielten, um die Abläufe im Reinsdorfer Rathaus effektiv und bürgerfreundlich zu gestalten. Nun lernen beide Kommunen voneinander, rückt vor allem der Erfahrungsaustausch in den Vordergrund. "Wir unterhalten uns auf gleicher Ebene", betont Dieter Haug, Kämmerer in der Partnergemeinde. Von Donnerstag bis Sonntag schauten sich der 64-jährige Finanzexperte und Vize-Bürgermeister Klaus Katolla in Reinsdorf um - und waren erneut überrascht. "Bei den Rundfahrten entdecken wir immer wieder etwas Neues. Hier wird wirklich viel gebaut", sagt Katolla.

Wie schon bei den vorangegangenen Treffen in Westsachsen gab's auch diesmal wieder reichlich Themen: Kita-Betreuung, Erschließung von Wohngebieten, Feuerwehr, Bauhof, Haushalt, Investitionen. "Ein wenig sind wir schon neidisch auf die großzügige Förderung in Sachsen", gibt Kämmerer Haug zu, dessen Gemeinde erst im Frühjahr eine neue Musikschule mit Veranstaltungssaal eröffnete. Der Neubau verschlang 5 Millionen Euro. Er sei fast gänzlich aus Eigenmitteln der Gemeinde Pliezhausen finanziert worden. Lediglich 100.000 Euro seien als Fördergeld geflossen, so der Kämmerer, der einen 30-Millionen-Haushalt verwaltet. Zum Vergleich: Die 7500-Seelen-Gemeinde Reinsdorf muss mit 12 Millionen Euro auskommen.

Und dennoch würden sich nicht wenige kommunale Probleme ähneln - fehlende Hausärzte zum Beispiel. "Hier klinkt sich unsere Verwaltung ein, wir unterstützen die Mediziner bei der Niederlassung", sagt Kämmerer Haug, der eine weitere Gemeinsamkeit aufzählt: In beiden Gemeinden werden die Flächen für Häuslebauer knapp. Denn Pliezhausen profitiert wie Reinsdorf vom wachsenden Zuzug junger Leute, die zwar in den umliegenden Städten arbeiten, zum Wohnen aber die Ruhe und die saubere Luft in den Dörfern zu schätzen wüssten, erklärt Vize-Bürgermeister Katolla. Ein Thema, das beide Kommunen aber gleichermaßen in den nächsten Jahren herausfordert, sei die Digitalisierung. "Reinsdorf ist uns da etwas voraus. Hier können die Einwohner bereits mit 50 Megabit pro Sekunde im Internet surfen", sagt Kämmerer Haug. Er kritisiert in dem Zusammenhang die bürokratischen Hürden für den Breitbandausbau in Baden-Württemberg.

Dass die Partnerschaft der Gemeinden weiter auch ohne großen Urkundenaustausch gut funktioniert, darauf sind beide Verwaltungen stolz. "Die Pliezhausener sind treue Weggefährten", erklärt Reinsdorfs Bürgermeister Steffen Ludwig. "Das ist eine Herzensgemeinschaft."


Aufbauhilfe ab 1990

Die Partnergemeinde Pliezhausen gehört zum Landkreis Reutlingen (Baden-Württemberg) und zählt gegenwärtig knapp 9500 Einwohner - Tendenz steigend. Die ersten Kontakte zwischen Pliezhausen und Reinsdorf gab es im Dezember 1989. Intensiviert wurde die Zusammenarbeit ab 1990 innerhalb der "Aufbauhilfe für die Verwaltung in Reinsdorf", erinnerte sich Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos). Dabei standen neben der Gestaltung der Verwaltungsabläufe das effektive Zusammenwirken mit den Gemeinderäten im Vordergrund. Zudem wurden Empfehlungen für die Ortskernsanierung und den Aufbau der Wohn- und Gewerbegebiete ausgesprochen. (jwa)

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