Pater Welscher verabschiedet sich aus Zwickau

Nach elfeinhalb Jahren verlässt der 69-Jährige die Stadt. Er wurde geschätzt als Freund, herzlicher Nachbar und Pragmatiker. Auch Kaplan Sebastian Büning geht

Zwickau.

Extra-Stühle und Tische mussten herbeigeschafft werden. So groß war die Gästeschar im Pfarrzentrum "Manufaktur", die am Samstag Abschied nehmen wollte von zwei Oblatenpatres, die Zwickau verlassen: Rudolf Welscher (69) und Sebastian Büning (34). Die Zwickauer dürfen sich auf neue Gesichter freuen. Laut Welscher kommen drei Patres aus Polen, die schon lange in Deutschland arbeiten.

Pater Welscher war elfeinhalb Jahre Pfarrer in Zwickau, zuletzt auch in Kirchberg und Mülsen sowie Gefängnisseelsorger. Pater Büning war als Kaplan und Schulseelsorger fünf Jahre in Zwickau tätig. Büning geht nach Fulda, um dort mit der Jugend zu arbeiten. Welscher geht zum 1. September nach Kronach als Klosteroberer von fünf Oblatenpatres. Er freut sich auf das Neue. Es ist ein um 1500 gegründetes Franziskanerkloster, das die Oblaten neu besiedelt haben, und das geistliche Zentrum für den ganzen Frankenwald. Wer sein Nachfolger in Sachsen wird, stehe noch nicht fest. Interimsmäßig wird Pfarrer Markus Böhme die Pfarrei leiten. Welscher wird auf alle Fälle der letzte Pfarrer der katholischen St.-Ne- pomuk-Kirchgemeinde sein. Im Herbst 2020 soll eine neue, bis auf Glauchau, Werdau und Crimmitschau ausgeweitete Pfarrei gegründet werden. Angesichts dieser damit einhergehenden gewaltigen Strukturveränderungen fällt Welscher der Abschied auch leicht. "Da passt das wunderbar, dass ich mich da heraushalten kann", sagt er lachend.


Doch da ist auch das weinende Auge: "Ich bin seit 43 Jahren Priester, aber die Zeit in Zwickau war meine schönste, erfüllteste Zeit." Obgleich er sich an manchen Tagen nahe einer Überforderung fühlte. Und daran waren nicht die Sträflinge schuld. "Mich erschüttert, wenn Familien auseinanderbrechen", sagte er. Bei der Arbeit als Seelsorger hat er festgestellt: "Es gibt gute und weniger gute Menschen hinter und vor den Gefängnismauern." Es sei keineswegs so, dass einem im Gefängnis das Böse schlechthin begegne. "Weihnachten haben mir so viele ein frohes Fest gewünscht, wie ich es vor der Mauer nicht erlebt habe", gibt der Pfarrer zu bedenken.

Für Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Markus Olbrich geht mit Welscher "ein guter Freund, ein Mensch, den man Tag und Nacht anrufen kann. Wir haben viel diskutiert und sind doch immer zu einem versöhnlichen Ende gekommen." Welscher habe viel Schwung in die 1800 Mitglieder zählende Gemeinde gebracht, unter ihm wurde die Kirche restauriert. "Er war immer bestrebt, die Ökumene zu leben, nach außen hat er dennoch nie etwas auf die Gemeinde kommen lassen", so Olbrich.

Vorstandsmitglied Raphael Kürzinger bezeichnet Welscher als einen "Mann mitten aus dem Leben, als Pragmatiker bekannt und geschätzt". Für den Prediger war Zwickau die erste Pfarrstelle, und hier habe er sich in die Herzen der Mitglieder gearbeitet.

Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) bedauert, einen sehr herzlichen Nachbarn zu verlieren. "Wenn wir uns morgens begegneten, hatte er immer ein gutes Wort", sagte sie. "Bei den ökumenischen Gottesdiensten zum Stadtfest fand er immer die richtigen Worte in unseren Zeiten, und er besuchte die Kranken im HBK, eine Aufgabe, die wahrlich nicht leicht fällt", so Köhler.

Welscher wird aber auch in Erinnerung bleiben als der Pater, der seinen Schulfreund, den Entertainer Thomas Gottschalk, nach Zwickau holte, und der an Weihnachten im Gefängnis sein Akkordeon auseinanderzog und das Fest mit "Stille Nacht" einläutete.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...