Personalie geht an die SPD

Der Sozialdemokrat Sebastian Lasch wird neuer Finanzbürgermeister in Zwickau. Sein Kontrahent von der AfD erhielt fast doppelt so viele Stimmen, wie die Partei Sitze hat.

Zwickau.

Der neue Bürgermeister für Finanzen und Ordnung in der Zwickauer Stadtverwaltung übt sich in Demut. "Ein Beigeordneter", doziert Sebastian Lasch, "hat laut sächsischer Gemeindeordnung keine eigene Agenda zu haben. Er ist Stellvertreter der Oberbürgermeisterin oder des Oberbürgermeisters." Punkt. Und das werde er in seinem neuen Amt so umsetzen. Praktisch ein Traum-Mitarbeiter für den nächsten Zwickauer OB.

Dass sich der langjährige Fraktionsgeschäftsführer der SPD am Ende bei der Abstimmung im Stadtrat am Donnerstagabend durchsetzen konnte, war keine große Überraschung mehr. Zuvor hatte CDU-Kandidat Dirk Künzel zugunsten Laschs zurückgezogen. Unmittelbar vor der Wahl gab auch noch der Kandidat der Linken auf, Sven Wöhl. Wöhl war Minuten vorher zum neuen Betriebsleiter des städtischen Sportstättenbetriebs gewählt worden, einen Posten, um den er gegen den Willen von Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) vor das Arbeitsgericht gezogen war. Wöhl leitet nun also künftig den Sportstättenbetrieb und ist Herr über Bäder und Turnhallen. Mit seinem Verzicht auf die Finanzbürgermeisterwahl war ohne Kandidaten von CDU und Linken praktisch der Weg für Sebastian Lasch frei.

In der Stichwahl setzte er sich dann gegen den Kandidaten der AfD Andreas Gerold durch. Im Vorfeld war es zu atmosphärischen Störungen gekommen, weil OB Findeiß angekündigt hatte, Gerold die Zustimmung zu verweigern, da er den in der Stellenbeschreibung verlangten Hochschulabschluss nicht vorweisen konnte. Die AfD fürchtete Ausgrenzung ihres Kandidaten. Am Ende kann von Ausgrenzung keine Rede sein: Gerold erhielt in der Stichwahl 19 Stimmen, Lasch 24. 19 Stimmen sind neun mehr als die AfD Sitze im Stadtrat hat. Es haben also eine Vielzahl Vertreter anderer Fraktionen für Gerold gestimmt. Nominell hätte das Amt der AfD zugestanden, die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat ist. Die SPD hat fünf Sitze, kommt aber in der gemeinsamen Fraktion mit Grünen und Tierschutzpartei auf neun Mandate und ist drittstärkste Fraktion.

Der Unterlegene nahm am Donnerstagabend sportlich. "Es war eine faire Wahl, demokratisch ordentlich. Ich gratuliere Sebastian Lasch", sagte Gerold der "Freien Presse". Auch wenn er nicht wisse, ob das Amt in der nächsten Zeit viel Spaß machen werde. Zurzeit herrscht Haushaltssperre.

Lasch folgt auf Bernd Meyer (Linke), der nach zwölf Amtsjahren Ende Juni in Ruhestand geht.

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