Pfarrer Käbisch veröffentlicht neues Buch über Stasi-Methoden

Seit 1992 spricht der frühere Zwickauer Dompfarrer mit Menschen, die einst gegen ihn gearbeitet haben. Daraus hat er jetzt ein Buch gemacht.

Zwickau.

Am Anfang, sagt Edmund Käbisch, stand die Frage, ob die Stasi etwas mit seiner Erkrankung Ende der 1980er-Jahre zu tun hatte. Am Ende nach fast 30 Jahren steht für ihn als Gewissheit fest, dass er es nie erfahren wird. Vielleicht gerade deshalb hat Käbisch sich entschlossen, die vielen Gespräche, die er mit einstigen Stasi-Mitarbeitern und SED-Funktionären seit 1992 geführt hat, in Buchform herauszugeben. Am 15. Oktober will er sein neues Werk in der Zwickauer Hochschulbibliothek vorstellen. Angekündigt hat sich sogar der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde Roland Jahn, der zugleich das Vorwort für Käbischs Buch verfasst hat.

Käbisch hat seinem Manuskript den Titel "Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter" gegeben. Der damalige Dompfarrer war von der Stasi im Operativen Vorgang "Kontrahent" bearbeitet worden, als er bei einer schweren Erkrankung unter anderem zeitweise sein Sprechvermögen verlor. Seit 1992 suchte er mehr als 50 Zeitzeugen persönlich auf, führte Gespräche mit Menschen, die teils Informationen über ihn gesammelt und an das Ministerium für Staatssicherheit weitergeleitet hatten. Gesprächsprotokolle hielt er in eng beschriebenen Notizbüchern fest, die sich in seinem Schreibtisch stapeln. Aus diesen Notizen fertigte er sein Manuskript, das eigentlich schon 2018 erscheinen sollte. Aus datenschutzrechtlichen Gründen und auf Anraten seines Anwalts, wie Käbisch sagt, sei er vor der Veröffentlichung aber noch einmal mit allen noch lebenden Zeitzeugen in Kontakt getreten und habe ihnen die Möglichkeit für weitere Erläuterungen gegeben. Immerhin werden alle mit Klarnamen genannt. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass viele Gesprächspartner ihre Rolle von damals bereut hätten", sagt Käbisch. Entschuldigt habe sich kein einziger.

Herausgekommen ist eine überaus detaillierte, dadurch aber gelegentlich sperrig zu lesende Dokumentation. Ein Mammutwerk, das von den Betroffenen durchaus kontrovers aufgenommen werden dürfte. Roland Jahn schreibt im Vorwort, es sei ein Buch, das zum Dialog ermutige. Gewidmet sei es "dem Ziel der Erkenntnis".

Lesung mit Signierstunde am 15. Oktober ab 18 Uhr in der Zwickauer Hochschulbibliothek, Klosterstraße 7. Der Eintritt ist frei.

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