Pläne, die nie umgesetzt wurden

Ideen für Bauwerke gibt es in Zwickau reichlich. Doch nur die wenigsten werden auch umgesetzt. Eine Ausstellung zeigt Entwürfe, die im Archiv endeten.

Zwickau.

Wer in den 90er-Jahren die Diskussion um die Zukunft von Schloss Osterstein und Kornhaus verfolgt hat, wird sich vielleicht noch an die Pläne erinnern, auf der heutigen Freifläche an der Ecke Katharinenstraße/Dr.-Friedrichs-Ring eine Ganztagesschule mit Kindertagesstätte zu errichten. Ebenso wie eine Reihe anderer Vorschläge für diesen Standort, darunter ein Kino und das Arbeitsamt, wurde auch dieser nie umgesetzt. An solche Bauprojekte, die Visionen blieben, erinnert bis 10. August die Ausstellung "Ungebaute Bauten", die am Samstag in den Räumen des Vereins "Freunde aktueller Kunst" eröffnet wurde.

Zusammengetragen hat die Unterlagen zu vergessenen Bauvorhaben die ehrenamtlich arbeitende Gruppe 2050. Insgesamt sind Entwürfe von neun Architekturbüros zu sehen, die diese aus ihren Archiven geholt haben. Auch der Architekt Andreas Kottusch hat eine spektakuläre Idee von 1991 wieder hervorgeholt: das Einkaufscenter Z. Auf einer Länge von 400 Metern hätte es entlang der Planitzer Straße zwischen Bahn- und Geinitzstraße entstehen können. "Es wurde nie realisiert", sagte Kottusch. Warum, das weiß er bis heute nicht so genau.

Michael Uhlig vom Aboa-Architekturbüro war damals noch zu jung, um schon Entwürfe anzufertigen. Die Pläne für den Schwanenpark-Tower, die er mitbrachte, sind erst wenige Jahre alt. Das Bauwerk war als Ersatz für das abgerissene Schwanenschloss gedacht. Der Plan, eher untypisch für die Gegend: ein 71 Meter hohes Haus mit 51 Wohnungen. Die Pläne verschwanden in der Schublade. Ganz aufgegeben hat die Firma AKW, die Bauherr des Vorhabens gewesen wäre, den Schwanenpark-Tower noch nicht. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir dazu noch einmal einen Vorstoß unternehmen werden", sagte deren Generalbevollmächtigter Kurt Fliegerbauer.

Und was passiert mit den Unterlagen von Projekten, die nie umgesetzt werden? "Die wandern ins Archiv und bleiben da für immer", sagte Andreas Kottusch. Das Schicksaal werden bald auch die meisten der für den Wettbewerb "Europan" eingereichten Entwürfe teilen. Ihnen ist der zweite Teil der Ausstellung gewidmet, der die sieben besten Arbeiten zeigt. Zusätzlich wurde die Geschichte des Wohngebietes am Alten Steinweg recherchiert - von den ersten Plänen 1974 bis zur Fertigstellung in den 80er-Jahren. In der Ausstellung wird deutlich, dass die Dimensionen des Neubaugebietes ursprünglich noch viel größer gefasst waren, als sie später umgesetzt wurden. Dabei sieht Architekt Uhlig in den Plattenbauten des Gebietes am Alten Steinweg nur einen "temporären Platzhalter". Daher müsse man schon jetzt über neue Strukturen nachdenken. Das betrifft etwa ein Drittel der Fläche der Zwickauer Innenstadt, die neu geplant werden müsse. Und vielleicht wird dazu auch der eine oder andere längst vergessene Plan wieder aus dem Archiv geholt.


Misstöne vor der Eröffnung

Begonnen hat die Ausstellung des Vereins an der Hauptstraße am Samstag mit unerwarteten Misstönen. Vereinschef Klaus Fischer ließ die Besucher zunächst im Freien im Regen stehen, weil sich unter den Gästen auch Kurt Fliegerbauer befand - mit ihm führte Fischer per E-Mail in den vergangenen Wochen eine erbitterte Fehde. In der geht es unter anderem um die von Fischer aus dem Verein verbannte ehemalige Promifotografin Li Erben, der das bisherige Domizil der "Freunde aktueller Kunst" in der Hölderlinstraße gehörte.

Eine Begleiterin Fliegerbauers verteilte am Samstag auf der Hauptstraße Flyer, in denen Fischer heftig angegriffen wurde. Der Vereinsvorsitzende befürchtete offenbar eine Störung der Eröffnung. Schließlich rückte auch die Polizei an, die allerdings nach wenigen Minuten wieder abzog. Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) intervenierte, die "ideologischen Streitereien" aus der Veranstaltung herauszuhalten. Danach fand die Ausstellungseröffnung doch noch ohne Störungen statt.

Geschäftsmann Fliegerbauer bekennt sich dazu, Scientologe zu sein - auch in dem am Samstag verteilten Schriftstück. Er beruft sich dabei aber aufs Grundgesetz und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, die Benachteiligungen wegen des Glaubens, religiöser und politischer Anschauungen verbieten. (nkd/sf)

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