Platter Reifen: Eine Behörde schiebt es auf die andere

Ein Langenweißbacher büßte im Januar einen Reifen wegen eines kaputten Brückenteils auf der Ortsumgehung Kirchberg ein. Bis heute fühlt sich keiner dafür verantwortlich.

Kirchberg.

Der Schlag auf die Vorderachse war heftig. Plötzlich begann das Rad zu rattern, das Auto zog stark nach rechts. Ralf Oertel fuhr bis zur nächsten Einfahrt auf der Kirchberger Ortsumgehung und sah das Dilemma: ein platter Reifen. Auf der Saupersdorfer Brücke war er in eine hochstehende Metallspitze gefahren. Die hatte dem Langenweißbacher einen Reifen aufgeschlitzt. Schadenshöhe: 60 Euro. Oertel weiß, dass er nicht der einzige ist, der an jenem 26. Januar in die Falle lief. Das Fahrzeug hinter ihm, ein Mercedes, fuhr sich gleich zwei Reifen platt. Doch trotz vieler Schreiben will bisher niemand Oertels Schaden regulieren. Die letzte Antwort des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr stammt vom 9.Mai. Die Behörde bedauert, leider noch keine abschließende Entscheidung mitteilen zu können.

Warum dauert das so lange - wegen nur 60 Euro? Nicole Wernicke, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr: Eine Schadensregulierung erfolgt nur in den Fällen, in denen eine kausale und schuldhafte Pflichtverletzung des Straßenbaulastträgers vorliegt. Ob dies der Fall ist, ist nach den Umständen des Einzelfalles zu prüfen. Die Schadenshöhe ist dabei zweitrangig. Eine pauschale Regulierung bei geringwertigen Schäden gibt es nicht. Das Problem: Noch immer sei nicht geklärt, wie die Metallspitze, ein Teil der Brückenübergangskonstruktion, in die Fahrbahn hineinragen konnte. Im März schien der Schuldige allerdings festzustehen: Durch die Beanspruchung im Winterdienst entstand der Schaden, teilte die Behörde der "Freien Presse" damals mit. Wernicke bestätigt, dass Oertel nicht der einzige war, dessen Auto kaputt ging. Zwei Fahrzeugbesitzer haben der Behörde ihre Schäden angezeigt.


Der Langenweißbacher informierte an jenem Tag umgehend die Polizei, damit die die Gefahrenstelle sichern würde, wechselte am Straßenrand seinen Reifen und fuhr den Mercedesfahrer aus Hartmannsdorf, der auf der Brücke gleich zwei Reifen einbüßte, nach Hause. Er meldete den Schaden zunächst der Kreisstraßenmeisterei. Daraufhin bekam er Antwort vom Kommunalen Schadensausgleich. Auf alle Nachfragen - Zeugen, Eigentümernachweis, Kaskoversicherung, sogar Bankverbindung - antwortete er. Am 26. Februar erfuhr er allerdings, dass der Landkreis den Schaden nicht ersetzen wird. Der Freistaat ist Straßenbaulastträger. Der Landkreis habe den Streckenabschnitt regelmäßig auf seine Verkehrssicherheit überprüft. Letzte Kontrolle war am 24. Januar, da sei alles in Ordnung gewesen.

Oertel wandt sich daraufhin ans Landesstraßenbauamt. Das wollte die Tagebuchnummer des Polizeireviers wissen. Die hatte Oertel nicht. Im Werdauer Revier erfuhr er, warum nicht: Er hatte keine Anzeige erstattet.

Für den Langeweißbacher ist der Fall sonnenklar, wenn man allein beachtet, was danach passierte: Kurz darauf wurde auf der Piste, auf der regulär Tempo 100 erlaubt ist, Tempo 50 angeordnet und das Schild "Achtung Straßenschäden" platziert. "Die Brücke konnte also nicht in Ordnung gewesen sein", ärgert sich Oertel.

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