Pöhlauer bekommen Gehweg

Nach dem tödlichen Unfall von 2017 soll es für Fußgänger an der Straße nun sicherer werden. Die 97.000 Euro teure Lösung war aber zwei Stadtratsfraktionen zu teuer.

Zwickau.

Der Fußwegbau im Zwickauer Ortsteil Pöhlau ist beschlossen. Aber vor der Abstimmung im Finanzausschuss am Dienstag hat es überraschend Streit gegeben. Am Ende wurde der Gehweg mit Stimmen von CDU, BfZ und Linken beschlossen, während sich die Vertreter von AfD und SPD-Grüne-Tierschutzpartei enthielten. Nicht etwa, weil sie gegen den Gehwegbau gewesen wären, sondern weil ihnen die Ausgaben als zu hoch erschienen. Das Vorhaben kostet insgesamt 97.000 Euro.

Eigentlich ist der beschlossene Weg ein Provisorium. Er soll vorübergehend gebaut werden, weil die von der Stadt favorisierte große Lösung - eine Verbreiterung der Straße mitsamt Verlegung des Pöhlauer Bachs - auf absehbare Zeit nicht umsetzbar erscheint. Man müsste vorher Privatflächen ankaufen und bräuchte wegen des großen Eingriffs in die Natur ein schwieriges Genehmigungsverfahren.

Der provisorische Weg soll zwischen der Zufahrt zur Schmiede und dem Haus Nummer 46 südlich des Baches mit einer Breite von 2,50 Metern angelegt werden. Die Oberfläche besteht aus einer Schotterdecke. Es ist eine einfache Beleuchtungsanlage vorgesehen. Wegen der hohen Böschung sei eine barrierefreie Gestaltung nicht möglich, heißt es seitens des Tiefbauamts. Wahrscheinlich werden Stufen eingebaut.

Die Stimmung im Ausschuss wurde plötzlich giftig, als die Fraktionschefs der AfD und von SPD-Grüne-Tierschutzpartei sich über die Kosten beschwerten. Sven Itzek (AfD) und Jens Heinzig (SPD) nahmen Bezug auf die nicht-öffentliche Sitzung des Bauausschusses tags zuvor, in der das Tiefbauamt eingeräumt haben soll, dass die Fußwegbreite nur deshalb mit 2,50 Meter relativ groß gewählt worden sei, um eine theoretische Chance auf künftige Fördermittel zu wahren. Vertreter der Stadt ließen das unkommentiert. Ein schmalerer und damit günstigerer Fußweg wäre also möglich, folgerten die beiden Fraktionen. Was Fritz Binder (FDP) auf die Palme brachte. "Völlig verkehrt, unangemessen und deplatziert" sei die Diskussion. Die Gehwegbreite sei völlig egal, man rede ja gerade einmal über 97.000 Euro. "Das ist schon viel Geld", widersprach Sandy Busch (AfD). Und SPD-Chef Heinzig, der während des Wortgefechts penibel darauf bestand, dass Binder sich jeweils ordnungsgemäß vor jeder Äußerung wie in der Schule melden musste, hielt dagegen: "Sie waren nicht dabei, deswegen verstehen Sie es nicht." Am Ende wurde der Gehwegbau mit fünf Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen beschlossen. Der Bau soll 2020 durchgeführt werden.

2017 war ein 58-jähriger Fußgänger auf der Pöhlauer Straße tödlich verunglückt. Anwohner sammelten 700 Unterschriften für den Bau eines Gehwegs. Der Unglücksfahrer (39) wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Weil er vom Gegenverkehr geblendet wurde, hatte er den Fußgänger zu spät gesehen.

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