Polizei auf dem Fußballplatz: Jetzt wird ermittelt

Ein Fußballspiel endet im Tumult, letztlich stehen Polizisten auf dem Platz: Was am vergangenen Wochenende beim Spiel des SV Kirchberg gegen Motor Zwickau-Süd passiert ist, führt jetzt sogar zu Absagen von Pokalspielen.

Zwickau/Kirchberg.

Der Kreisverband Fußball Zwickau hat auf Vorfälle vom vergangenen Sonntag beim Kreisliga-Spiel zwischen dem SV Kirchberg und dem SV Motor Zwickau-Süd reagiert. Laut einer Verbandsmitteilung vom Freitag beauftragte der Vorsitzende Rainer Bock das Sportgericht mit Vorermittlungen zu den Ereignissen am Spielende. Im Zuge dessen wurden die für dieses Wochenende geplanten Pokalspiele des SV Kirchberg in Thierfeld und des SV Motor Zwickau-Süd gegen Fortschritt Glauchau abgesetzt. Die anderen sechs Partien finden planmäßig statt.

Wie Pressesprecherin Christina Friedrich von der Polizeidirektion Zwickau bestätigte, war die Polizei am Sonntag kurz vor Spielende mit mehreren Einsatzwagen zum Kirchberger Sportplatz ausgerückt. Sie sprach von einer "unübersichtlichen Gemengelage auf und neben dem Spielfeld". In Anwesenheit der Beamten hätten sich die Gemüter in den Kabinen beruhigt, sodass eine "friedliche Abreise" aller Beteiligten gewährleistet war. Laut Polizei wurden keine Straftaten registriert.

Auslöser für die Tumulte war beim Stand von 2:0 laut Augenzeugen zunächst ein rüdes Foul gegen einen Kirchberger Spieler kurz vor Schluss, in dessen Folge der Übeltäter zur Rede gestellt wurde und Spieler beider Mannschaften aneinandergerieten. Trauriger Höhepunkt war die brutale Aktion eines Gästespielers, der nach Kirchberger Darstellung in Höhe der Trainerbänke "mit beiden Füßen voran auf Kopfhöhe auf einen unbeteiligten Kirchberger Akteur" zusprang. Obwohl der Angegriffene ausweichen konnte, sah sich der gastgebende Verein an diesem Punkt gezwungen, die Polizei um Hilfe zu rufen. "Jedes weitere Wort hätte zur Eskalation führen können. Wir wollten, dass alle unbeschadet den Platz verlassen können", sagt der Kirchberger Abteilungsleiter Marcel Zenker.

Vorstandsmitglied Detlef Solondz vom SV Motor Zwickau-Süd verurteilt die angesprochene Aktion des Spielers seiner Mannschaft. "Das ist nicht zu respektieren. Wir sind dabei, entsprechende Maßnahmen im Verein zu ergreifen", sagte er. Ansonsten habe er bis zur 86. Minute ein normales Fußballspiel gesehen, dessen Eskalation er nicht zuletzt in den Vorbehalten gegenüber der Motor-Elf begründet sieht. "Wir müssen leider feststellen, dass es immer wieder Anfeindungen gibt, weil wir viele Spieler aus Zentral- und Nordafrika in unserer Mannschaft haben", sagte er. Da stimme der Grundtenor in der Kreisliga-1-Staffel nicht.

Lutz Seidel, Vorsitzender des Spielausschusses im Fußball-Kreisverband, wollte sich angesichts des schwebenden Verfahrens nicht näher äußern. Er sagte: "Wir müssen die Vorfälle aufarbeiten und wollen sie nicht totschweigen. Aber dabei bringt es nichts, mit falschen Tatsachen zu arbeiten." Fakt ist, dass es in dieser Saison bereits in zwei anderen Spielen des SV Motor Zwickau-Süd Ärger gab und der Verein mit vier Feldverweisen und drei Ampelkarten abgeschlagen auf dem letzten Platz der Fair-Play-Tabelle steht.

Der Kreisverband hatte aufgrund dieser Vorkommnisse schon vor einigen Wochen gemeinsam mit dem Sicherheitsausschuss des sächsischen Fußballverbandes eine gemeinsame Beratung mit allen 14 Vereinen der Kreisliga anberaumt. Über die Resultate dieser Beratung gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. "Wir haben den Standpunkt erläutert, dass wir uns bemühen, mit unseren ausländischen Spielern gut auszukommen, sind damit aber nicht auf Resonanz gestoßen", sagt Detlef Solondz vom SV Motor Zwickau-Süd. Der Abteilungsleiter eines anderen Vereins, der seinen Namen jedoch nicht in der Zeitung lesen möchte, bezeichnete dieses Treffen dagegen als "Farce".

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