Preis für Recycling von Solar-Modulen

Im Gasometer wurde am Montagabend der Umweltpreis des Freistaates vergeben. Loser Chemie gewann zum zweiten Mal.

Zwickau.

Das Wort Kreislauf war das am meisten ausgesprochene Wort am Montagabend im "Alten Gasometer" in Zwickau. Dabei ging es weniger um die Gesundheit, sondern bei der Verleihung des Sächsischen Umweltpreises stand vor etwa 160 geladenen Gästen viel mehr die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Altmaterial im Vordergrund. Weil sie ein Verfahren entwickelt hat, mit dem ausgediente Solar-Module wieder in ihre ursprünglichen Bestandteile zerlegt werden können, erhielt die Firma Loser Chemie mit Sitz in Freiberg einen der begehrten Preise. Bisher werden die Platten geschreddert, die nach etwa 25 Jahren das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben. "Für die Wiederverwertung sind sie damit komplett verloren", sagte Roland Stenzel, Professor an der Technischen Universität Dresden, in seiner Laudatio. Mit einer Wasserstrahltechnologie können jetzt Glas, Aluminium und vor allem die wertvollen Rohstoffe Silizium und Silber sauber voneinander getrennt und danach wieder verwertet werden. In der Testanlage können pro Jahr bis zu 10.000 Tonnen Modulschrott verarbeitet werden.

Es ist nach 2015 das zweite Mal, dass sich die Jury für dieses sächsische Unternehmen entschieden hat. "Es ist unsere vierte Nominierung und der zweite Preis", sagte Geschäftsführer Wolfram Pahlitzsch. Obwohl sich beide Projekte mit Fotovoltaikanlagen befassen, haben sie wenig gemeinsam. "Es ist vor allem jetzt ein großer Fortschritt in der Kreislaufwirtschaft", sagte Mitgeschäftsführer Ingo Röver. Dabei hatte das Recyceln von Solar-Modulen schon vor Jahren am damaligen Standort Fährbrücke begonnen und war später nach Zwickau umgezogen. Im Frühjahr dieses Jahres hatte sich Loser Chemie mit zwei anderen Firmen zusammengeschlossen und war nach Freiberg gegangen. "Das ist für uns praktisch ein kompletter Neustart", sagte Pahlitzsch. Beide Schritte hatten zu negativen Schlagzeilen geführt. Doch die Entscheidung war nötig, weil der früheren Loser Chemie die Kunden gefehlt hatten. "Die Anlagen konnten nicht mehr genutzt werden", sagte Palitzsch.


Mit dem Sächsischen Umweltpreis wurde auch die Agrargenossenschaft Kitzen (Landkreis Leipzig) geehrt, die sich den ökologischen Problemen der Gegenwart stellt. Auch die Bäckerei Gnauck aus der Lausitz wurde ausgezeichnet. Seit einem Jahr setzt sie Urgetreide beim Backen von Brot ein. Den Preis erhielt auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung für das Projekt "Sauberes Wasser - eine kostbare Ressource", das im Schülerlabor einer Leipziger Schule entwickelt wurde.

Warum der Preis in diesem Jahr in Zwickau verliehen wurde, erklärte der Rektor der Bergakademie Freiberg, Klaus-Dieter Barbknecht, in seinem Festvortrag, in dem er den Gasometer zur "Kathedrale der Industriegeschichte" erklärte.

Der Umweltpreis wird seit 1996 alle zwei Jahre vergeben. Er ist mit 50.000 Euro der höchst dotierte Preis auf dem Gebiet des Umweltschutzes in Sachsen. 2019 hatten 79 Firmen eine Bewerbung eingereicht.

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