Radlersonntag: Keiner will die Verantwortung übernehmen

Erstmals seit 25 Jahren wird der Mülsengrund am Radlersonntag nicht autofrei sein. Das heißt aber nicht, dass nichts los ist.

Mülsen.

Gespräche über eine Alternative zum über viele Jahre von der Gemeinde Mülsen organisierten Radlersonntag gab es etliche. Kommunalpolitiker unterschiedlicher Kommunen, Vertreter von Feuerwehren sowie Gastwirte und Vereine wollten den Radlersonntag am 12. Mai retten, nachdem der Mülsener Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) diesen Ende Januar angesichts von Straßenbauarbeiten abgesagt hatte. Schließlich hat das längste rollende Straßenfest Sachsens bis zu 25.000 Teilnehmer angezogen. Jetzt ist klar: Ohne den Mülsener Bürgermeister mit im Boot zu haben, will niemand die Verantwortung für das große Volksfest übernehmen.

Karl Weiß aus Wildenfels wird trotzdem kommenden Sonntag durch den Mülsengrund radeln. "Als Erster Beigeordneter war ich 1992 mit dem Landrat des damaligen Kreises Zwickau-Land, Christian Otto, und dem damaligen Kulturamtsleiter Ulrich Blauhut im Partnerlandkreis Darmstadt-Dieburg. Wir haben dort an einem Radlertag teilgenommen und waren so begeistert, dass wir anschließend den Radlersonntag im Mülsengrund aus der Taufe gehoben haben", sagt er. Während anfangs der Landkreis für das Spektakel die Verantwortung getragen hatte, übernahm nach der Fusion der Mülsengrundorte zur Großgemeinde Mülsen diese die Organisation. "Ich finde es schade, dass der Radlersonntag angesichts von Straßensperrungen abgesagt wurde. Es hätte sich bestimmt eine alternative Route gefunden. Aber beim Radlerfrühling im Muldental zwischen Glauchau und Lunzenau am 1. Mai sind ja auch keine Straßen gesperrt. Und er funktioniert trotzdem. Ich denke, das sollte diesmal hier ebenfalls gelingen." Christian Otto bedauert, dass die Veranstaltung erstmals seit 25 Jahren nicht stattfindet. "Ich habe Sorge, dass es 2020 keine Fortsetzung gibt", sagt er. "Das wäre schade, weil die Teilnehmerzahlen zeigen, wie beliebt der Radlersonntag ist. Ich hoffe, dass alle, die trotzdem fahren, und jene, die am Straßenrand mit Angeboten aufwarten, einen tollen Tag haben."


Dass mehrere Gaststätten und Feuerwehren entlang der Strecke einladen werden, versichert Michael Franke, Fraktionschef der Freien Wähler/Aktiven, unabhängigen Bürger Mülsen sowie Michelner Ortsvorsteher. In Micheln wird beim Fest zum 120-jährigen Bestehen der Feuerwehr einiges los sein. "Unsere Fraktion setzt sich dafür ein, dass der Radlersonntag nächstes Jahr wieder unter der Regie der Gemeinde stattfindet", sagt Franke.

Am Feuerwehrdepot in Niederschindmaas warten die Kameraden am Sonntag mit einem Tag der offenen Tür, Angeboten zum Muttertag und auch für Radfahrer auf. In den sozialen Netzwerken wird derweil weiter mit dem Slogan "Tradition bewahren, trotzdem fahren" geworben. Bleibt abzuwarten, wie viele Radler sich am Sonntag die Straße im Mülsengrund mit den Motorisierten teilen.

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