Rassismusvorwürfe bei VW Sachsen: Zwickauer Werk im Fokus

Ein Mitarbeiter bei Volkswagen in Zwickau berichtet von systematischen Provokationen und Anfeindungen wegen seines Migrationshintergrunds. Unternehmen und Gewerkschaft positionieren sich klar - doch die Lage ist kompliziert.

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1919 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 15
    13
    Malleo
    25.11.2020

    Kleiner Seitenblick gefällig?
    Gibt es sie nicht auch schon immer- Witze, Klischees, Pauschalurteile, Vorurteile und Herabwürdigungen für die Deutschen?
    Neu ist, dass man diese in der „Encyklopaedia Alemanica“ dem deutschen Michel zur gefälligen Eigenreflektion zu lesen gibt, um seinen Horizont zu erweitern.
    Und genau in der Form, dass auf 79 Seiten der Spott von Menschen nichtdeutscher Herkunft in (a)sozialen Netzwerken gesammelt und ohne „höfliche Erklärung“ abgedruckt wurde.
    All das, was dem tradierten Leitbild des moralisierenden Belehrungsjournalismus sonst zutiefst widerspricht, ist in diesem Nachschlagewerk unzensiert über Deutsche nachzulesen.
    Moralische Schranken gibt es keine. Warum auch?
    So drängt sich (für mich) die einfache Frage an jene Verfasser auf:
    „Warum geht ihr nicht einfach?“
    Oder überwiegen doch die Vorteile, die euch dieses Land mit den dummen und nur noch zu belächelnden Deutschen zu bieten hat?

  • 11
    7
    Malleo
    25.11.2020

    Wer ein Stück weit in der Welt herumgekommen ist, weiß, dass man sich, einmal als German erkannt, schnell mit stereotypen Verhaltensmustern konfrontiert sieht.
    Auf Nachfrage wissen jene "Spötter" rein gar nichts, was sich hinter "Nazi" verbirgt.
    Das wissen selbst Vertreter der Qualitätsmedien nur marginal, denn sonst sollte der saloppe Umgang eigentlich entfallen.
    Ich habe bei Reisen in jene Länder, die besondere Kriegslasten trugen, keine, wohlgemerkt keine derartige Vorwürfe erfahren müssen.
    Im Gegenteil, bei einem Aufenthalt an der FH Warschau in Mitte 70 entschuldigte(!) sich mein Betreuer, dass er mich nicht nach Hause einlud.
    Grund: viele seiner Familie starben im Krieg.
    Wir haben uns lang darüber offen ausgetauscht, auch deshalb, weil wir beide der Nachkriegsgeneration angehörten und uns versprachen, "es besser" zu machen.

  • 7
    2
    SzB85
    25.11.2020

    @Nixnuzz: das kann ich mir vorstellen. Die waren andere Zeiten. Seitdem sind im Westen 2 Generationen in bunter Gesellschaft aufgewachsen, und fragt keiner mehr so direkt, wo der andere herkommt. Zumindest ist es nicht in die ersten 5 Dialogsätze einkalkulierbar. Ich, ursprünglich aus Osteuropa, lebe in Sachsen ein Jahrzehnt damit zusammen. Je fließender jemand Deutsch sprechen kann, und je weniger auffällig die Hautfarbe ist, desto später kommt diese Frage. Ich spüre in dieser Frage ein anderes Beigeschmack im Westen, als im Osten.

    Ist auch die Unterschied gegeben, wo Auseinandersetzungen überhaupt stattfinden. Auf der Arbeit tat es mir am meisten Weh, als jemand mal komische Vermerkung bzgl. Herkunft gemacht hat. An einem festen Arbeitsplatz heuzutage sollte doch über Zusammenhalt gehen, wenn jeder in derselben Tretmühle arbeitet.

    Für VW ist es nun so, sie müssen sich fürs Geld und für gesellschaftliche Verantwortung kümmern. Alles was diese gefährdet, dürfen sie nicht dulden.

  • 9
    9
    lax123
    25.11.2020

    Deluxe, sie bringen es auf den Punkt.
    Genauso wenig wie jeder Bandarbeiter bei VW ein Rassist ist, ist jeder Ausländer ein potentieller Straftäter, faul oder ist nur aufs Geld aus.

    Das zu verstehen fällt einigen Sachsen leider sehr schwer.
    Dummerweise verbreitet sich Rassismus mehr oder weniger spielerisch. Mal ein witzig gemeinter Spruch hier, mal eine flapsige Bemerkung dort. Und schon lachen alle und haben vergessen, über was da eigentlich gelacht ist.

    Psychologisch grenzen sich Gruppen gern von anderen Gruppen ab. Dort rauszukommen ist schwer, aber möglich. Wenn man den Mut hat gegen solche Sprüche was zu sagen, wird man selbst ausgegrenzt. Dieses Selbstbewusstsein aufzustehen und aus der braunen Soße auszubrechen muss man lernen.

  • 8
    5
    harzruessler1911
    25.11.2020

    @Maresch

    In diesem Punkt ist für Dich wohl nur der Pressebericht Tatsache, da dieser von Dir nicht mit dem Prädikat "angeblich" bedacht wurde, obwohl diese sogar darauf hinweisen, dass bisher nichts bewiesen wurde. Da bringt man für Sachsen mal ein Positiv-Beispiel, was dann irrelevant ist, damit auch ja weiter alle glauben, es gäbe hier nur noch Menschen mit rechtsextremistischen Gedankengut.
    Du weißt genauso gut wie ich, dass man bedauerlicherweise bestimmte Verhaltensweisen nie zu 100% abschaffen kann, dann müssten wir Nichtmigranten ja nie untereinander Probleme haben, es gäbe kein Mobbing... . Jeder würde jeden mögen..usw. Ich zumindest für meinen Teil weiß dass dies reine Illusion ist. Mich mögen nicht alle und ich habe ebenso meine Kandidaten, beruht meist ja auf Gegenseitigkeit und dies völlig losgelöst von Hautfarbe, Behinderung oder was weiß ich alles. Da passt einfach die Chemie nicht.

  • 27
    8
    emsh123
    25.11.2020

    Dieser Artikel ist mir zu gestelzt geschrieben.Als ob der Blinde aufgeschrieben hat was der Taube gehöhrt hat.War es Rassismus dann kann doch auch Ross und Reiter genannt werden.Es spielt ja beim augenblicklichen Denunziantentum keine Rolle mehr wie weit die Gesellschaft noch gespalten wird.Jedenfalls wird es viele Jahre dauern dies zu kitten.Den absoluten Vogel hat jedoch dieser Rechtsanwalt aus Leipzig abgeschossen.Er will kein Auto fahren welches Rassisten u.Nazis gebaut haben.(ob er überhaupt als Anwalt einen VW fährt wage ich zu bezweifeln)Auf jeden Fall ist es übelstes Sachsenbashing und das haben die VW-Werker in Zwickau keinesfalls verdient.

  • 7
    14
    Maresch
    25.11.2020

    @harzruessler. Es ist doch völlig irrevalent, ob irgendwer (angeblich) keine Probleme aufgrund seines Hintergrundes in Sachsen hat. Das sollte schließlich der Normfall in einem zivilisierten mitteleuropäischen (Bundes-)Land sein. Hier geht es um das genaue Gegenteil!

  • 8
    2
    Nixnuzz
    25.11.2020

    @SzB85: Von 1950 bis etwa 1960 war auch Westdeutschland ein ziemlich "buntes Völkchen": Neben der britischen und belgischen Besatzung gab es noch diverse Ost-Vertriebene. Alt-Eingeborene ohne Erfahrung durch das "größte Reisebüro der Welt" waren da sehr abweisend. "Kriegstouristen" bzw. Russland-Heimkehrer hatten Fremdenerfahrung und kamen mit anderen Regionenvertretern klar. Lippische Sturköpfe wie jetzt vorm Kanzleramt blieben eine Klasse für sich. Hinzu kam aber das Angebot an Arbeit-s-plätzen für alle die zupackten - egal wie gebildet und woher. Für manche gab es Artgleiche Stellen. Aber "Itaka-Lager" für "Stiletos" mit gestappelten Matratzen waren nix ungewöhnliches. Aber die Jungs konnten kochen! Lippischer Erbseneintopf gegen italienische Pizza oder Pasta. Warsteiner Pils gegen italienischen Rotwein. Mancher fröhliche Abend endete allerdings auch auf der Wache oder im Krankenhaus. Und mancher flog dann aus der Arbeit zurück nach Süden. Und mancher Alliierter blieb wg. Liebe...

  • 24
    5
    harzruessler1911
    25.11.2020

    Ein sehr guter Freund, ebenfalls ehemals aus der Region, lebt heute im Ruhrpott, bekam Anfang des Jahres eine neuen Kollegen mit Migrationshintergrund( meine . Nigerianer) . Auf die Frage, ob er in Chemnitz Probleme, wegen seines Migrationshintergrund gehabt hätte, wurde diese Frage verneint, im Gegenteil er wäre geblieben, wenn er nicht seine Arbeit verloren hätte. Probleme bekam dieser, erst in der jetzigen Firma im Ruhrpott, aber nur mit einem Kollegen. Aufgrund dessen , wurde die Frage auch aufgeworfen.
    Offensichtlich gibt es auch in Sachsen Menschen/Umgebungen, welche kein Problem aufgrund des Hintergrundes haben.
    Man muss aber auch aufpassen, ich habe hier in Bayern schon alles erlebt. Wirkliche Ausländerfeindlichkeit, ebenso dass der Vorwurf- Ausländerfeindlich- als eine Art Freischein, z.B. bei kleinster Kritik, vor sich her getragen wird.

  • 22
    19
    VaterinSorge
    25.11.2020

    durch polarisieren bekommt man dieses Problem nicht gelöst und die Neigung zu Fremdenfeindlichkeit oder Scheu vor Kontakten mit Menschen mit Migrationshintergrund kann man weder durch Berichte, Kommentare oder Beschimpfungen abstellen. Den tieferen Grund müssen beide Seiten wissen, akzeptieren und danach handeln. Das braucht Geduld, Zeit und viel Verständnis für die jeweils andere Seite. Man muss sich weder für Sachsen noch für die offene Meinung einiger schämen oder gar wegsehen, man sollte das ernst nehmen und an Lösungen arbeiten. Die VW Mitarbeiter in Mosel, die am Band stehen und mit Schichtarbeit ihre Familien ernähren, stecken in einer regelrechten Sackgasse und das wissen sie. Ihnen bleibt ein Leben lang nur dieser Job und jegliche Konkurrenz,
    jegliche Beschäftigungsveränderung führt zu Stresssituationen und Angst vor allem, was anders ist. Das ist aber erst der Anfang, denn die Umstellung aller Fahrzeughersteller auf neue Antriebssysteme beginnt erst.

  • 14
    21
    SzB85
    25.11.2020

    Das historische Gebiet Mitteldeutschland war jahrhundertelang eine ethnisch homogene Region. Slawische Völker waren im Spätmittelalter als deutschsprachig eingeschmolzen, später kamen die Hugenotten aus Frankreich und dann wars das. Sachsen war bis zum II. WK fast nur an anderen deutschsprachigen Gebieten angegerenzt. Im vergleich zu Berlin, Bayern, Rheinland, Hessen, BaWü war hier ein ganz kleiner Prozent der Bevölkerung von Juden oder andere zugegebenen Minderheiten vorhanden. In der DDR war es mit den Reisebeschränkungen wahrscheinlich auch schwierig für die Mehrheit, andere Kulturen richtig kennenzulernen.

    Zwar im Westen gab es auch Reibungen zwischen Gastarbeiter und "Urbewohner", das war vor der PC-Zeit. Im Osten kam das Verlust der Eigenindustrie nach der Wende dazu, im Kontrast zum Wirtschaftsboom der 1950er Jahren in WestDL. Die inneren Voraussetzungen zur Akzeptanz der Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind dadurch wahrscheinlich in vielen Seelen mangelhaft.

  • 47
    9
    Deluxe
    25.11.2020

    Eine ausgewogene Berichterstattung hätte die Beschuldigten ebenfalls zu Wort kommen lassen. Das fehlt mir hier.

    Im übrigen ist der Artikel so geschrieben, als sei die komplette VW-Belegschaft in Mosel betroffen. Das glaube ich aber nicht. Ebensowenig, wie alle Sachsen AfD-Anhänger und Rassisten sind, sind alle VW-Bandarbeiter welche.

    Also, wenn schon, dann bitte differenzierend und ausgewogen berichten und Einzelfälle auch Einzelfälle nennen, wie das im Falle ausländischer Startäter ja auch immer wieder gefordert wird.

    ""Würde die Mauer noch stehen, wäre der ganze Abschaum nicht hier.""
    Ja, würde die Mauer noch stehen, würde der Kollege vermutlich keine VW-Fahrzeuge am Band, sondern einen Trabant-Nachfolger montieren. Oder immer noch den Trabant 1.1 - wer weiß...

  • 46
    44
    Inke
    25.11.2020

    Einer meiner Kollegen aus Berlin, ein Südafrikaner, liebt die deutschen Burgen und Schlösser. Als ich ihn nach Sachsen zur gemeinsamen Besichtigung einlud, hat er ablehnend gesagt, dass er sich hier nicht willkommen und wohl fühlt. Es ist einfach nur traurig und echt beschämend. Es heißt immer, die Sachsen trifft man überall auf der Welt. Aber echte Gastfreundschaft und Weltoffenheit kennen viele hier leider gar nicht. Sie erwarten es nur von den "Anderen ".

  • 36
    36
    klapa
    25.11.2020

    Herr Hach, Ihr Artikel suggeriert einen nicht zulässigen Generalverdacht gegen die Mitarbeiter bei VW.

    Sind das offenbar nicht auch Einzelfälle, die auf keinen Fall generalisiert werden dürfen?

    Bleiben wir bei Alt-Bundespräsidenr Gauck, 'Die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem'

    Man sollte möglichst bald mit dem Austausch beginnen.

  • 38
    40
    Malleo
    25.11.2020

    Seiten 4 und 5 in der FP.
    VW und Rassismus, Herr Klein und Frau Kahane mit der Diagnose, dass Corona Antisemitismus zu Tage fördert sowie die Bremer Feuerwehr mit Rechtsextremismus...
    Dieses Land braucht Erlösung von alledem.
    Tauscht das "Volk" einfach aus!
    Leider ist die Sicht immer recht einseitig, hört man die Beschuldigten?
    Endlich nach 30 Jahren eine Banane?
    Alles Banane!!

  • 43
    46
    Ha24Lu01
    25.11.2020

    Ja, es ist in der Tat beschämend, was sich Deutsche gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund leisten. Ich frage mich nur, wohin das noch führen soll.
    Auch stelle ich mir die Frage, wozu wir Reisefreiheitbrauchen. Deutsche in einem fremden Land? Treffen auf Menschen mit einer anderen Hautfarbe? Billigreisen!
    Aber immerhin im Ausland Gastfreundschaft erwarten, die Urlauber dann auch bekommen. Wann kommt diese Gastfreundschaft von uns zurück? Auch bei VW?

  • 52
    39
    jeverfanchemnitz
    25.11.2020

    Schande. Offensichtlich geht es den VW-Bandarbeitern deutlich zu gut. Wenn man das Doppelte wie außerhalb von VW für die gleiche Arbeit verdient - halt: ich meine: kriegt, neigt man offensichtlich dazu, diese Pfründe gegenüber vermeintlich Schwächeren verteidigen zu müssen.

  • 53
    54
    lax123
    25.11.2020

    Das ist in Sachsen leider fast schon normal. In meiner Firma gehen die Leute zum „Fidschi“ Obst kaufen (weil die nur Obst verkaufen können), bekennen sich offen zur AfD oder noch rechteren Gruppen, haben Angst vor Arabisierung (wie lächerlich bei den paar Ausländern hier) und haben Vorurteile gegenüber Menschen mit einem leichten Akzent. Denen wird einfach jegliche Kompetenz abgesprochen.
    Sprüche wie „Ausländer dürfen bleiben solange sie arbeiten“ gehören zum Alltag.
    Was wird aber mit den Deutschen, die nicht arbeiten wollen?!? So weit reicht das bisschen Intelligenz nicht.

    Viele Menschen hier sind frustriert; zum Glück rechtfertigt das keinen Rassismus.

    Man kann nur hoffen das irgendwann Vernunft einkehrt.

  • 69
    43
    DS91
    25.11.2020

    Es ist peinlich und beschämend wie einige mit anderen Menschen umgehen! Ich glaube den Aussagen über rassistisches Verhalten, da ich selbst ein solches Verhalten gegenüber Menschen anderer Herkunft im Alltag mitbekomme. Es ist also kein Einzelfall und keine Überraschung!!

    Man kann sich nur schämen!