Recyclinganlage: Anlieger fühlen sich verschaukelt

Gegen das Vorhaben in Schönfels formiert sich Protest. Kritik hagelt es an der zurückhaltenden Informationspolitik der Firma sowie an Behörden.

Schönfels.

Die Anlieger der Straße der Einheit und Siedlerstraße in Schönfels sind sauer, fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt: Seit Montag können sie die Pläne der Zwickauer Firma Erlos einsehen, die einen Steinwurf entfernt eine Recyclinganlage "zur Behandlung und zur zeitweiligen Lagerung von gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen" errichten will. Dagegen formiert sich Widerstand.

Besonders die unmittelbaren Anwohner des Areals, das die meisten Schönfelser als Handwerks- und Gewerbehof kennen, haben erst aus einer Bekanntmachung des Landratsamts von dem Vorhaben erfahren. Ein Teil dieser Anlieger habe sich bereits im Vorjahr verschaukelt gefühlt, als sie während einer Versammlung vom Bau einer neuen Logistikhalle erfuhren, die derzeit neben dem Standort der Recyclinganlage in den Himmel wächst. Investor ist Weck und Poller, das Mutterunternehmen der Firma Erlos.

"Ich wohne neben einem Industriegebiet", schimpft Petra Thormeyer, die von ihrer Terrasse nicht mehr ins Grüne, sondern zukünftig auf eine 20.000 Quadratmeter große Halle schaut. Die 48-Jährige und ihr Mann waren schon gegen den Bau der Logistikhalle in Widerspruch gegangen - und warten noch heute auf eine Antwort der Landesdirektion. Beide leben seit gut 20 Jahren in der kleinen Siedlung an der B 173, fürchten Lärm und Dreck. Beide sind vor allem sauer auf die Informationspolitik der Firma, Gemeinde sowie Behörden. "Die Bedenken der Bürger werden nicht ernst genommen", kritisiert sie.

In die gleiche Kerbe schlägt Nachbar Falk Kiesel, der erst 2015 der Ruhe wegen in die kleine Wohnsiedlung gezogen ist. "Das ist ein Irrsinn", sagt der 73-Jährige. Und eine ebenfalls dort lebende 66-jährige Rentnerin, die ihren Namen nicht nennen will, hofft, dass sich die Lebensqualität nicht weiter verschlechtert. "Mir ist völlig unerklärlich, warum eine Recyclinganlage in unmittelbarer Nähe eines Fauna-Flora-Habitat-Gebietes errichtet werden muss", sagt die Seniorin. Das sieht Anlieger Stefan Schröter ähnlich, der für Schönfels als Tourismusort einen massiven Imageschaden befürchtet. Daher geht das Vorhaben der Firma Erlos seiner Ansicht nach nicht nur die Anlieger etwas an, sondern alle Schönfelser. Der 54-Jährige hofft, dass das Vorhaben gestoppt werden kann.

Die Anwohner fürchten um ihre Lebensqualität. Mehr Verkehr, mehr Lärm und Belastungen für die Umwelt. Was genau auf sie zukommt und wie die Anlage arbeiten wird, hat ihnen noch niemand erklärt.

Fest steht: Laut Landratsamt kann die Werkhalle vorzeitig errichtet werden. Auch dürfen die Apparate und Maschinen aufgestellt werden, "die zur Prüfung der Betriebstüchtigkeit der Anlagen erforderlich sind". Die Einwände zu dem Vorhaben will der Landkreis als Genehmigungsbehörde öffentlich am 25. Oktober im Landratsamt erörtern.

Rathauschef Tino Obst (parteilos), war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er hatte aber kurzfristig vor seinem jetzigen Urlaub einen Teil der Anlieger zum Gespräch eingeladen, an dem auch Vertreter des mit dem Bau der Recyclinganlage beauftragten Architekturbüros Kottusch anwesend waren. "Wir fühlten uns völlig überfahren", erinnert sich Anlieger Schröter. Er und auch die anderen Teilnehmer mahnten eine Versammlung an. Rathauschef Obst hat für den 16. August, 18 Uhr im Vereinhaus ein Treffen angesetzt, zu dem nur Anlieger eingeladen worden sind. Dort soll Erlos-Chef Matthias Schmidt Fragen beantworten. Die Firma hat bisher auf Anfragen der "Freien Presse" nicht reagiert.


Kommentar: Transparenz sieht anders aus

Wer ein guter neuer Nachbar sein will, klingelt beim Einzug an der Tür und stellt sich vor. Das sollten sich auch Wirtschaftsunternehmen ins Stammbuch schreiben, dann wären wohl auch die Ängste der Anlieger sicher nicht so groß wie sie sich derzeit darstellen. Immerhin hat kürzlich der Brand in einer Recycling-Firma in Delitzsch für Verunsicherung gesorgt. PR-Leute nennen das auch Krisen-Management. Dass immer erst die Anlieger klärende Treffen einfordern müssen, spricht für sich. Daher ist die jetzige Aufregung in Schönfels hausgemacht, an der die Firma Erlos mit ihrer schwerfälligen Unternehmenskommunikation nicht unwesentlichen Anteil hat.

Kein Wunder, dass sich Bürger nicht mitgenommen fühlen, glauben, dass alles schon in Sack und Tüten ist. Transparenz sieht anders aus.

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