Region wird statistisch sicherer

Die polizeiliche Kriminalstatistik weist einen Rückgang der Kriminalität aus. Das spiegelt aber nicht die Gesamtlage wider.

Zwickau.

Die Kriminalität im Landkreis Zwickau und dem Vogtlandkreis geht zurück, die Aufklärungsquote ist die beste in Sachsen. Dieses Fazit hat Polizeipräsident Conny Stiehl in einer Pressekonferenz am Montagvormittag gezogen. Dabei zeigt ein genauer Blick auf die Zahlen, dass sich das so pauschal nicht feststellen lässt.

Während Plauen gemessen an der Einwohnerzahl eine viel zu hohe Fallzahl an Straftaten aufweist und damit die Kriminalitätshochburg in Westsachsen bleibt, ist die Stadt Zwickau zwar erwartungsgemäß Spitzenreiterin im Landkreis Zwickau, bleibt aber bei der einwohnerbereinigten Häufigkeitszahl weit hinter den in Plauen registrierten Straftaten zurück (Zwickau 7857 Straftaten auf 100.000 Einwohner gerechnet, Plauen 10.519). Der sicherste Ort im Landkreis Zwickau war den Daten zufolge 2018 die Gemeinde Oberwiera mit einer Häufigkeitszahl von 784.

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Grundsätzlich ist die Kriminalitätsstatistik kein ideales Mittel, um die tatsächliche Gefahrenlage in einem Ort abzubilden, weil viele Straftaten entweder gar nicht angezeigt werden oder weil Bürger mit ihnen überhaupt nicht in Berührung kommen (siehe Infokasten). Ziemlich genau ist die Statistik allerdings in den Bereichen Wohnungseinbrüche und Kfz-Diebstähle, weil fast alle dieser Fälle bei der Polizei angezeigt werden. Die Opfer brauchen den Nachweis für die Versicherung.

Für die Stadt Zwickau ergibt sich für 2018 sogar einen Anstieg in diesen beiden Bereichen, der allerdings mit den äußerst niedrigen Werten von 2017 zusammenhängt. 2018 wurden im Stadtgebiet 79 Wohnungseinbrüche (2017: 63) und 30 Kfz-Diebstähle (2017: 18) verzeichnet. Jeweils keine neuen Spitzenwerte, aber eben auch keine Trendumkehr. Im restlichen Landkreis Zwickau bewegen sich die Wohnungseinbrüche auf dem Niveau der vergangenen Jahre (Durchschnitt 2009 bis 2017: 106,22, Anzahl für 2018: 108). Die Anzahl der Kfz-Diebstähle im Landkreis hingegen befindet sich auf einem Zehnjahrestief (Schnitt 2009 bis 2017: 48,7, Anzahl 2018: 27).

Auf die Frage, was der häufigste Tatbestand in der Stadt Zwickau war, antwortete Polizeipräsident Stiehl: "Wie überall die Mauserei." Einbrüche, Diebstähle und auch Schwarzfahren würden am häufigsten vorkommen. Die Drogenkriminalität ist in der 2018er-Statistik deutlich angestiegen (Stadt Zwickau: 454 Fälle 2018, Anstieg um 155 Fälle. Landkreis Zwickau: 798 Fälle, Anstieg um 210). Aber auch das sind Zahlen mit eingeschränktem Wert, wie Stiehl einräumt. "Hier gilt das Prinzip: Machst du viel, hast du viel." Je mehr Polizisten darauf angesetzt werden, desto mehr Fälle würde man ermitteln. 2018 habe man sich aber vor allem auf Händler- und Vertriebsstrukturen konzentriert und Netze entsprechend zerschlagen, sagt Stiehl. Auf dem Zwickauer Neumarkt, der 2018 als Unruheherd galt, habe man trotz verstärkter Polizeipräsenz entgegen der Schilderungen von Anwohnern keinen Drogenumschlagplatz ausgemacht. Grundsätzlich sagt Stiehl: "Es gibt keinen größeren Drogenumschlagplatz. Und wenn wir davon wissen würden, gäbe es ihn nicht mehr."

Im Bereich der Ausländerkriminalität spricht Stiehl von einem "Missverhältnis". Bei einem Bevölkerungsanteil von etwa fünf Prozent seien 20 Prozent nicht deutsche Tatverdächtige "viel zu viel". Aber: "Für die Menge ist eine kleine Gruppe von Mehrfach- und Intensivtätern verantwortlich, die den ganzen Rest der Gruppe in Misskredit bringen." Laut Kripo-Leiter Holger Thierfelder würden Straftaten durch Zuwanderer deswegen besonders stark wahrgenommen, weil "sie zum Großteil in der Öffentlichkeit stattfinden." Die Hemmschwelle gegenüber der Polizei sei zudem "oft niedriger als bei unseren Haus- und Hof-Ganoven."


Was sich nicht aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik ablesen lässt

Aufgenommen in die polizeiliche Kriminalitätsstatistik wird nur, was auch bei der Polizei angezeigt und bearbeitet wurde. Dunkelziffern - beispielsweise im Bereich der sexuellen Gewalt, wo bei Weitem nicht jeder Vorfall angezeigt wird - sind darin nicht enthalten. Entsprechend überschaubar fallen die Zahlen für Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus (179 Fälle im Landkreis Zwickau bei 128 ermittelten Tatverdächtigen, darunter 24 nicht deutschen). Auch fließen Straftaten in die Statistik ein, die beispielsweise innerhalb des Zwickauer Gefängnisses begangen wurden, mit denen Bürger gar nicht in Berührung kommen. Dagegen sind sämtliche politischen Straftaten, die vom Staatsschutz bearbeitet werden, in der Statistik nicht enthalten. Dazu gehören beispielsweise Angriffe auf Asylunterkünfte, Abgeordnetenbüros oder auch islamischer Extremismus.

Trügerisch ist die Angabe, wie viele Tatverdächtige ermittelt wurden, sowie die dazugehörige Aufklärungsquote. Beides suggeriert, dass die Fälle damit gelöst wären. Dabei ist jeweils unklar, wie häufig sich der Tatverdacht erhärtet hat, sprich wie viele Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt und wie viele Tatverdächtige vor Gericht tatsächlich verurteilt wurden. Ein entsprechend verknüpfter Datensatz existiert nicht.

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