Reinsdorfer Gedächtnis in neuer Hand

Steffen Junghänel wühlt sich künftig durch die Archivakten der Gemeinde. Von den Ergebnissen seiner Recherchen sollen die Einwohner profitieren.

Reinsdorf.

Steffen Junghänel kümmert sich künftig um das Gedächtnis der Gemeinde Reinsdorf. Der 47-jährige Mülsener ist nach einem Auswahlverfahren als Sachbearbeiter für Medientechnik/Archivwesen eingestellt worden.

Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos) begründete die Neueinstellung mit der bevorstehenden Sanierung und Erweiterung des Rathauses, in dem auch moderne Archivräume geschaffen werden sollen: voll klimatisiert und mit einem Lesesaal für die Öffentlichkeit. "Unsere Gemeinde beabsichtigt, das historische Archiv von Vielau, Friedrichsgrün und Reinsdorf sowie das Verwaltungsarchiv neu zu ordnen", sagte Ludwig. Letztlich sollen davon die Einwohner profitieren, die unter anderem zur Familiengeschichte Informationen beschaffen wollen. In dem Zusammenhang verwies Ludwig auf mehr als 270 digitalisierte Akten zur Standesherrschaft Solms-Wildenfels. Als Quelle hatte hierfür das Staatsarchiv Chemnitz gedient. "Auch diese Akten stehen nun unseren Einwohner im Bürgermeisteramt zur Verfügung", so der Rathauschef, der immer wieder eines betont: "Die digitalisierten Akten aus dem Staatsarchiv sind ein großer historischer Fundus über die Ortsgeschichte von Vielau, Friedrichsgrün und Reinsdorf." Auch mit dem Stadtarchiv Zwickau stehe die Gemeindeverwaltung in engem Kontakt - vor allem, wenn es um das sogenannte Ratsdorf Vielau geht.

Eine der nächsten Aufgaben wird es sein, "die Schönburgischen Akten über die Ortsgeschichte von Vielau weiter zu digitalisieren", ergänzte Junghänel, der sich schon als Junge für die Heimat- und Familienforschung interessierte. "Ich fand es schon immer spannend zu recherchieren, wie meine Vorfahren lebten." Daher verwundert es nicht, dass der Ur-Mülsener schon so einige Archive aufgebaut hat. Zudem sei er in der Lage, historische Urkunden aus der Zeit zwischen 17. und 19. Jahrhundert aus der alten deutschen Handschrift in das Lateinische zu übertragen. Fähigkeiten, die Junghänel außerdem gut bei der Sichtung des Archivs der Kirche St. Nicolai gebrauchen konnte. Der Kirchenvorstand hatte ihn vor fünf Jahren gebeten, die ehrenamtliche Betreuung des Kirchenarchivs zu übernehmen.

Für seine Arbeit in Reinsdorf hat sich Junghänel bereits mit dem Gemeindechef auf inhaltliche Schwerpunkte geeinigt. So sind zunächst Recherchen zum Herrenhaus in Vielau und Stadtgut Zwickau vorgesehen. Auch soll der Rathausmitarbeiter neue Erkenntnisse zum Hammelhof in Friedrichsgrün gewinnen. Nicht zuletzt soll das Wirken von Medicus Michael Zenner, dessen Sohn David ebenso Medizin studierte, beleuchtet werden. Ludwig zufolge war der Wundarzt Michael Zenner "zwar ein vielseitig Gelehrter, aber auch ein zänkischer Mann". So geht aus Akten des Staatsarchivs Chemnitz hervor, dass Vater und Sohn in einige Gerichtsverfahren zur Handfrohne gegen die Herrschaft Wildenfels verwickelt waren.

Junghänel sagte, dass er die Zusammenarbeit mit allen Ortschronisten, Vereinen und Interessierten vertiefen will.

Ein Treffen mit historisch interessierten Einwohnern ist für den 9. Oktober, 17 Uhr in der Kita "Anne Frank" geplant. Dort will sich Steffen Junghänel persönlich vorstellen.

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