Robo-Gärtner schieben Nachtschicht

Im Hartmannsdorfer Freibad wird der Rasen wie von Geisterhand gemäht. Batteriebetrieben, nahezu geräuschlos und scheinbar ziellos. Doch das Ergebnis überzeugt.

Hartmannsdorf.

Der Schnellste ist der neue Gärtner der Gemeinde Hartmannsdorf nicht, obwohl er aussieht wie ein Mini-Bugatti. Fast gemütlich zuckelt er über die Liegewiese. Keiner treibt ihn, denn er arbeitet nachts. Von Montag bis Freitag, 20 bis 7 Uhr, kümmert er sich um den Rasen im Freibad. Wenn die Dunkelheit kommt, rollt er über den Rasen, geruchlos, nahezu lautlos, scheinbar ziellos. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Der "Rasomat 450X", den der Hartmannsdorfer Schwimmmeister André Weck scherzhaft den "fleißigsten Gemeindemitarbeiter in Hartmannsdorf" nennt, mäht den Rasen makellos. "Man sieht durch dieses scheinbar ziellose Rumkurven keinerlei Mähspuren", sagt Weck, für den das im Frühjahr angeschaffte Gerät eine enorme Hilfe darstellt.

Der Rasomat hackt nicht, sondern schneidet das Gras mit drei beidseits geschliffenen Messern, die Cuttermessern ähneln. Der Schnitt ist so gering, dass er sich in die Wiese einarbeitet. Kein Grashalm landet im Becken, auch das Pflaster auf dem Weg, den der Robo-Gärtner überrollt, ist sauber. Einmal die Woche nimmt sich Weck die Wiesenränder vor, an denen Halme stehen bleiben. "Aber das kostet mich vielleicht mal eine Stunde Zeit." Kein Vergleich zu früher, als er den Mähtraktor nutzte.

Ein zweiter Robo-Gärtner kurvt im hinteren Teil, auf der Wiese des Spielplatzes herum. Dort ist es hügeliger. Dank spezieller Offroad-Reifen schafft das Gerät die Anstiege. "Wenn er stecken bleibt, meldet er sich", erklärt Weck. Die Meldung bekommt Weck auf sein Handy. Mittlerweile laufen keine mehr ein, nachdem er einige Kuhlen verfüllt hat. Und auch die Anrufe besorgter Hartmannsdorfer haben aufgehört, die fürchteten, dass jemand mit der Taschenlampe durchs Bad streunt. Die Rasenmäher haben LED-Leuchten an der Front. Eigentlich brauchen sie die nicht. Sie bewegen sich entlang unterirdisch verlegter Schlaufen und drehen dank eines Sensors am Bug bei Hindernissen um. Den beiden Badfiltern hat Weck Namen gegeben - Max und Moritz, den beiden Robo-Gärtner noch nicht, gesteht er lachend. Obwohl er weiß, wie cool Kinder die leuchtenden Helfer finden. "Beim Walpurgisfeuer hatte ich vergessen, auf Stopp zu schalten. Da ging vielleicht was los, als die beiden aus der Garage rollten. Das war ein Highlight."

Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus (CDU) hatte dem Gemeinderat die jeweils 6000-Euro-Investition schmackhaft machen können, weil sie über eigene Erfahrungen verfügt. "Ich habe bei uns zu Hause einen im Einsatz. Meine Familie war sehr skeptisch. Heute nicht mehr, alle sind begeistert. Er läuft nachts, und der Rasen hat eine tolle Qualität. Es ist eine immense Erleichterung." Nicolaus überlegt schon, ob ein dritter "angestellt" werden soll: im Garten der Kindertagesstätte. Furcht, dass jemand die Geräte weghebt, hat weder sie noch der Schwimmmeister. Weck zufolge sind die Geräte ohne Code unbrauchbar. Zudem ertönt 20 Minuten lang ein schriller Pfeifton, wenn jemand versucht, ein Gerät wegzutragen. Geht die Batterie zur Neige, rollen die Rasomaten von allein in die Edelstahl-Garage, docken am Ladegerät an. Das Rolltor schließt automatisch. Zwei Stunden später gehört die Liegewiese wieder den Badegästen.

Der Robo-Gärtner im Einsatz

 

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