Rodelpark am "Wesa" wird zur Baustelle

Die modernen Rennschlitten sind zu schnell für die 40 Jahre alte Zwickauer Plastebahn. Damit die Sportler im Ziel sicher zum Stehen kommen, muss der Auslauf verlängert werden. Das Geld ist bewilligt, jetzt kann es losgehen.

Zwickau.

Kurz nach dem 39. Internationalen FIL-Sommercup verwandelt sich der Rodelpark des ESV Lok Zwickau am Westsachsenstadion (Wesa) in eine Baustelle. Seit Mittwoch läuft der Rückbau des Auslaufes. Lichtmasten und Stromkabel werden abgeklemmt, die Bahn wird teilweise zugeschüttet, die Geländer entfernt, damit Lkws mit Baumaterial über das Areal fahren können.

Der Grund: Der Auslauf muss verlängert werden. "Die Berechnung der Bahn ist auf dem Entwicklungsstand von 1979 erfolgt", begründet Bahnleiter Dany Reinhold. "Seitdem wurden die Schlitten natürlich technisch verändert. Seit zwei Jahren haben wir die neuen Sommerschlitten, die sind deutlich schneller. Aber selbst die alten Sommergeräte mussten im Zielauslauf mit Schaumstoff abgebremst werden." Die Endgeschwindigkeiten seien einfach zu hoch, um beim aktuellen Streckenverlauf noch rechtzeitig und sicher zum Stehen zu kommen. "Deswegen mussten wir reagieren."

Christoph Ulrich

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Es wurde geplant, die Bremsstrecke zu verlängern und vorhandene Unebenheiten zwischen den Bahnelementen zu beseitigen. Entsprechend der vom Vereinsvorstand eingereichten Kostenaufstellung ergeben sich für das Projekt Gesamtkosten in Höhe von 98.111,93 Euro. Der ESV Lok, der mit Unterstützung von Sponsoren 11.888,43 Euro als Eigenanteil beisteuern wird, beantragte Fördermittel beim Land Sachsen (41.223,50 Euro) und der Stadt Zwickau. Der Kultur-, Sozial-, Sport- und Bildungsausschuss hat am 7. Februar einstimmig beschlossen, dass der ESV Lok für die Sanierung seiner Bahn einen Zuschuss in Höhe von maximal 45.000 Euro erhält. "Das Vorhaben ist aus bauplanerischer Sicht zulässig. Gleichzeitig unterstützen sowohl die International Luge Federation als auch der Bob- und Schlittenverband für Deutschland die geplante Maßnahme", betont Amtsleiter Marcel Kruppa.

Der erhoffte Zuwendungsbescheid von der Sächsischen Aufbaubank aus Dresden kam Anfang des Monats. Damit konnte auch die Stadt das Geld freigeben. Bauausführende sind Schubert-Bau (Tiefbauarbeiten) und Rinn-creative Plastics (Kunststoffarbeiten) - die Firma aus Wümbach bei Ilmenau hat jetzt der Sohn von Olympiasieger Hans Rinn übernommen. "Die setzen Betonpfeiler in den Hang, damit das Ganze auch Halt bekommt. Die werden in einer speziellen Doppel-L-Form angefertigt, die sich in der Halde verkeilen können. Darauf wird dann das neue Bahnstück gesetzt", erklärt Dany Reinhold. Zwar beträgt die Verlängerung 55 Meter, doch die reine Wettkampfstrecke bleibt.

"Es kommt eine neue Kurve 7 hinzu, und dann geht es hoch in den Hang zum Auslauf", beschreibt Reinhold. "Dann haben wir wieder einen Sicherheitsstandard, der den aktuellen Erfordernissen entspricht und internationalen Vorschriften des Bahnbaus Rechnung trägt. Das Bahnende kommt hinter der Kurve 4 heraus - aber mit der Prämisse, dass wir in der Zukunft eventuell nochmal 30 Meter anbauen können. Denn die Schlitten werden ja nicht langsamer." Die Bauarbeiten sollen bis Oktober abgeschlossen sein.

www.rodelbahn-zwickau.de


Vor 40 Jahren eingeweiht

Die erste Kunststoffrennrodelbahn der Welt ist am 6. Oktober 1979 in Zwickau übergeben worden. Die Weihefahrt nahm unter dem Beifall der Zuschauer Ute Rührold, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo und 1976 in Innsbruck, vor. Die 350 Meter lange Bahn ist nicht nur Sommerdomizil der sächsischen Rennrodler, hier haben bereits Athleten aus 32 Ländern trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen. Der neuen Bahnbeschichtung 1994 folgte 1999 der Bau einer computergesteuerten Großsichtanzeigetafel. Die letzte umfangreiche Sanierung erfolgte 2004, als die komplette Bahn mit einer neuen Deckschicht versehen wurde. (tc)

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