Sandkasten muss Stellplätzen weichen

Aus einem Hinterhof am Alten Steinweg in Zwickau ist ein Parkplatz geworden. Ein CDU-Stadtrat fühlt sich getäuscht.

Zwickau.

Der Zwickauer CDU-Stadtrat Friedrich Hähner-Springmühl ist außer sich. Wenn er auf die Baustelle im Hinterhof am Alten Steinweg blickt, wo bis zum Juni unter anderem noch ein Sandkasten sowie Bäume und Sträucher standen, sieht er jetzt nur noch Asphalt und Pflastersteine. "Auf dem Platz sind jetzt mehr als 20 Parkflächen angelegt worden", sagte der Kommunalpolitiker verärgert. Das könne man so nicht hinnehmen.

Bauherr ist die städtische Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ), die hauptsächlich das Areal rund um ihren Neubau an der Ecke Hauptstraße/Schumannplatz neu gestalten will. Eigens dazu hat die Firma das Grundstück 2017 von der Stadt gekauft. Freilich sollten bei der Gelegenheit auch zusätzliche Parkflächen geschaffen werden. Das geht aus der im Oktober 2018 erteilten Baugenehmigung hervor, wie Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses sagte. Hähner-Springmühl weiß zwar, dass Stellflächen gebraucht werden, aber: Er war zunächst ganz anders geplant. "Es sollten wieder Spielgeräte und Sitzmöglichkeiten geschaffen werden", sagte er - und fühlt sich getäuscht. Jetzt könne er nicht erkennen, wo diese noch eingebaut werden sollen. "Die Fläche ist komplett dicht", schimpfte er. "Die Spielanlage mit Sandkasten habe ich vor vielen Jahren selbst mit initiiert", sagte Hähner-Springmühl. "Wo sollen Kinder dann spielen?" Er befürchtet, dass noch mehr Kinder ihre Freizeit vor dem Computer statt im Freien verbringen.


"Der Bereich rund um den Sandkasten erwies sich nach rund 40 Jahren weder als zeitgemäß noch als bedarfsgerecht", heißt es aus dem Rathaus. Dafür hat der Stadt- und Kreisrat Verständnis. "Es muss jedoch ein gleichwertiger Ersatz her", fordert er. Laut Genehmigung ist ein neuer Spielbereich mit Sitzplätzen möglich. Nur ist die GGZ damit nicht gleichzeitig verpflichtet, das auch umzusetzen. Ob die Pläne noch aktuell sind, war am Dienstag nicht zu erfahren. Bei dem städtischen Großvermieter war für eine Nachfrage niemand erreichbar. Erst am Abend wurde für die nächsten Tage eine Erklärung angekündigt.

Der verschwundene Sandkasten ist nicht das einzige Problem Hähner-Springmühls. "Dabei geht auch eine weitere Grünfläche in der Innenstadt verloren", sagte er. "Da gab es auch Brutstätten für Vögel". Die Baugenehmigung beinhaltet auch die Fällung von drei Schwedischen Mehlbeeren, drei weiteren Bäumen und drei Sträuchern, wie Heike Reinke bestätigte. Den Vorwurf, nicht für Ersatz zu sorgen, will man in der Stadtverwaltung jedoch nicht auf sich sitzen lassen und verweist wiederum auf die Baugenehmigung. "Es wurden Ersatzpflanzungen angeordnet", sagte Reinke. Demnach muss die GGZ insgesamt 19Laubbäume und sechs Großsträucher pflanzen lassen. "Soweit möglich, erfolgen die Ersatzpflanzungen innerhalb der neugestalteten Fläche", sagte Reinke. Aber auch eine Fläche entlang des Fußweges in Höhe des Alten Steinweges 29 soll aufgewertet werden. "Dort war bisher nur eine Wiese", sagte Reinke. Hähner-Springmühl sieht sich auch hier getäuscht: "Wo sollen hier so viele Bäume Platz finden?" Er sehe nur Asphalt und Pflastersteine.

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