Sanierung zieht sich hin

Weitere Verzögerung am Röhrensteg: Vor Ende Oktober wird die Brücke wohl nicht wieder offen sein - wenn überhaupt.

Zwickau.

Die Sanierung der ältesten Holzbrücke Sachsens, des Röhrensteges über die Zwickauer Mulde, verzögert sich weiter. Die Stadtverwaltung teilte jetzt auf Anfrage der "Freien Presse" mit, dass eine Freigabe für Fußgänger und Radfahrer wahrscheinlich erst Ende Oktober erfolgen kann. Begründet wird das mit den aufwendigen und so nicht geplanten Arbeiten. "In der Geschichte des Röhrensteges war noch nie solch eine grundhafte Sanierung möglich und, wie sich zeigt, auch erforderlich", sagte Heike Reinke von der Pressestelle des Zwickauer Rathauses.

Erstmals war die Brücke in alle Einzelteile zerlegt worden. Bei den Kontrollen an den bisher nicht zugänglichen Stellen hatten sich Probleme herausgestellt, die vorher nicht erkennbar waren. So mussten zahlreiche Holzbauteile zusätzlich ausgetauscht werden. "Die historische Konstruktion beruhte vorrangig auf Erfahrungswissen", erklärte Reinke. Die Möglichkeit, durch Berechnungen statische Nachweise zu führen und die Statik des Bauwerkes zu kontrollieren, gab es bisher nicht. Nun sei bei der Analyse deutlich geworden, dass die besonders belasteten historischen Holzverbindungen nicht mehr dauerhaft standhalten. Ihre starke Beanspruchung habe bereits zu Verformungen, Rissen und Brüchen geführt. "Es mussten Speziallösungen gefunden werden, um den Anforderungen dauerhaft zu genügen", sagte Heike Reinke. Dabei seien traditionelle Zimmermannsverbindungen durch moderne Bau- und Verbindungsteile aus Edelstahl ersetzt worden. Allerdings mussten diese als Einzelanfertigung hergestellt werden. Das sei einer der wesentlichen Gründe für die Verzögerungen beim Bau.

Derzeit werden nach Angaben der Stadtverwaltung die beiden Brückenrandfelder, die zu Beginn der Sanierung komplett abgebaut wurden, in der Werkstatt erneuert und vormontiert, wobei auch die Spezialteile eingebaut werden. Am verbliebenen Brückensegment werden aktuell zwischen den Flusspfeilern geschädigte Bauteile ersetzt. Außerdem befinden sich die letzten Sonderbauteile gerade in der Fertigung.

Als nächster Hauptabschnitt steht der Einbau der beiden Randfelder an. Ihm folgt die Montage der Elemente, die die notwendige Stabilität des Röhrenstegs herstellen sollen. Zum Abschluss wird das Dach mit Holzschindeln eingedeckt.

Der Röhrensteg ist eine der wenigen erhalten gebliebenen überdachten alten Holzbrücken Deutschlands. 1790 erhielt er seine heutige Form.

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