Schächte werden zweimal verfüllt

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Steinkohlenbergbau in Zwickau - einst Basis für wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Heute: Einzelne Steinkohlenwerke (27)

Zwickau.

Neben den bisher in dieser Serie vorgestellten Steinkohlenbau-Vereinen gab es zahlreiche kleinere Privatsteinkohlenwerke. Zwei von ihnen sollen hier näher vorgestellt werden.

Steinkohlenwerk C. G. Kaestner: Das Steinkohlenwerk Carl Gotthilf Kaestners (1815-1878) befand sich zunächst am Fuße des Raschberges westlich der Zwickauer Mulde (damals Bockwaer, heute Zwickauer Flur). Die Doppelschachtanlage wurde 1873 in Betrieb genommen und 1901 eingestellt. Die Besitzer teuften ab Juni 1903 am Fuchsgraben unter gleichem Namen (C. G. Kaestner) den Ferdinandschacht und den Ernst-Kurt-Schacht. Die "Dresdner Neuesten Nachrichten" meldeten am 16.Juni 1903 aus diesem Anlass: "4.000 Mark hat das Steinkohlenwerk C. G. Kaestner an seine Invaliden und Witwen aus Anlaß dieses Monats erfolgten ersten Spatenstichs zu einem neuen Schachte auf Zwickauer Flur verteilt. Der alte Schacht des genannten Werkes in Bockwaer Flur hat den Betrieb eingestellt."

Die Schächte lagen etwa 107 Meter voneinander entfernt. Die Bezeichnung Fuchsgraben müsste heute eigentlich durch Reuterweg ersetzt werden. Der Ferdinandschacht hatte eine Teufe von 248 und der Ernst-Kurt-Schacht von 282 Metern. Die Schächte erhielten ihre Namen wahrscheinlich nach den Vornamen von Mitgliedern der Familie Kaestner. Die Steinkohle wurde mittels einer Huntebahn über eine Förderbrücke vom Steinkohlenwerk C. G. Kaestner zur Anschlussbahn am Bürgerschacht II transportiert und dort auf Güterwagen geladen.

Die beiden Schächte wurden in den Jahren 1926 bis 1927 verfüllt.

Eberts Doppelschacht: 1874 bis 1876 ließ Friedrich Ebert zwei Schächte bis zu einer Teufe von 284 Metern niederbringen. Im Gebäude befanden sich die Förder- maschinen, die zum Betreiben der Anlage erforderlichen Werkstätten und der Grubenlüfter. Die beiden Schächte waren durch leichte Gebäude überbaut, in denen sich die Seilscheiben drehten. Von 1876 bis vor 1900 besaß der Ebertsche Doppelschacht am Kilometer 1,95 einen Gleisanschluss der Abteilung II der Oberhohndorf-Reinsdorfer Kohlenbahn. Die Gleise zweigten bei Schiffners Gut vom Hauptgleis der Abteilung I ab. Nach der Demontage der Gleise auf dem Oberhohndorfer Berg befand sich dort die Ladestelle Oberhohndorf beziehungsweise der Kohlehandel Haugk.

Nach fortschreitendem Abbau der gewinnbaren Vorräte des kleinen Grubenfeldes wurden die Schächte 1894 mit Waschbergen verfüllt. 1898 übernahm der Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein das seinem eigenen unmittelbar angrenzende Ebertsche Grubenfeld. Der Verein begann mit der Aufwältigung des östlichen Schachtes bis 253 Meter Teufe, dem 1901 noch der westliche Schacht folgte. Abgebaut wurden Restpfeiler und Flöze mit geringer Mächtigkeit und starken Bergeeinlagerungen besonders im Feld der ehemaligen Hermannsgrube (ab 1893), die inzwischen ebenfalls dem Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein gehörte. Da die Vorräte dieses Vereins bereits weitgehend abgebaut waren, ermöglichten die Restvorräte im Ebertschen Grubenfeld bis 1936/37 den bergmännischen Betrieb. Die Ebert-Schächte erhielten die Namen Wilhelmschacht IV und V und dienten der Wetterführung und dem Materialtransport. Nach dem Betriebsende der Wilhelmschächte im Jahr 1937 wurden sie ein zweites Mal verfüllt.

Wahrscheinlich in den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zum Wohnhaus umgebaut und dabei aufgestockt. Bis etwa 1998 wurde das heute (2005) leer stehende Gebäude als Wohnhaus genutzt.

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