Schausteller Walz kämpft mit der Krise

Das Virus verhindert Volksfeste und damit die Einnahmen für ganze Familien, die davon leben. Unterstützung haben sie bisher kaum bekommen.

Zwickau.

Die Walzerfahrt, Kinderkarussells und Imbisswagen stehen ungenutzt auf dem Firmengelände. Was für Passanten höchstens ungewöhnlich ist, ist für die Schaustellerfamilie Walz existenzbedrohend. "Wir haben am 23. Dezember, dem letzten Tag des Weihnachtsmarktes, zum letzten Mal Geld verdient", sagt Firmenchef Marco Walz.

Wenige Tage vor dem geplanten Start in die neue Saison legte die Coronakrise die Fahrgeschäfte an die Kette. "Für uns ist das praktisch ein Berufsverbot", sagt Walz. Bisher sind Volksfeste untersagt, das heißt keinerlei Einnahmen. Aber die Kosten laufen weiter. Die Rücklagen reichen in der Regel gerade bis zum Frühjahr. "Dann müssen wir wieder raus auf die Volksfeste", sagt der 41 Jahre alte Schausteller aus Zwickau. Seine festangestellten Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit schicken können. "Die vielen freien Mitarbeiter kann ich derzeit nicht beschäftigen", sagt er. Darunter seien zuverlässige Leute. Der Schausteller fürchtet, dass er sie nicht wiedersieht, weil sie inzwischen eine andere Arbeit gefunden haben. Marco Walz selbst hatte Glück und fand eine Festanstellung, die ihn finanziell über Wasser hält. Sollte das Schaustellergewerbe in diesem Jahr doch noch in Gang kommen, wird er es als Nebenerwerb betreiben.

Die jetzt angekündigten Lockerungen sieht er skeptisch. "Wir können jetzt mit vier Fahrgeschäften in Plauen auf dem Rummel arbeiten", sagt er. Was zunächst gut klingt hat einen Haken: "Ich weiß nicht, wie sich alles entwickelt." Werden genügend Besucher kommen? Geben sie jetzt, wo viele sparen müssen, Geld für Fahrgeschäft aus? "Wenn wir da mit einem Minus herausgehen, wird die Situation noch schlimmer", befürchtet Walz. Den Standplatz in Plauen hat er mit dem Gehalt aus seinem neuen Job finanziert. Mit dem Geld bezahlt er auch die notwendigen Arbeiten an den Fahrgeschäften in der Werkstatt. "Es muss alles in Ordnung gehalten werden", gibt er zu bedenken.

Von der Politik fühlt er sich im Stich gelassen. Er hat zwar einen Zuschuss von der Sächsischen Aufbaubank erhalten, doch den darf er nicht für private Zwecke verwenden. "Aber wie bekomme ich dann den Kühlschrank voll", will er wissen. Die Krux: Alle in seiner Familie sind Schausteller und vom gleichen Problem betroffen. Zukunftsangst macht sich breit.

Freilich hätte er auch einen Kredit bekommen können. "Doch den muss ich irgendwann zurückzahlen", sagt er. In diesen unsicheren Zeiten ein zusätzlichen Risiko. Marco Walz hat daher auch an der Demonstration der Schausteller in Berlin teilgenommen. Rund 2000 Fahrzeuge rollten durch die Hauptstadt. "Wir wollten die Politiker auf unsere Situation aufmerksam machen", sagt der 41-jährige. Er glaubt jedoch nicht, dass sich die Politik ernsthaft für seine Situation interessiert. Ein Bild hat sich ihm fest eingeprägt. "Am Straßenrand stand eine junge Frau", erzählt Walz. "Die hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift: Wir vermissen Euch." Ihm seien Tränen in die Augen gestiegen.

Noch hat Marco Walz Hoffnung, dass das Herbstfest auf dem Platz der Völkerfreundschaft in der Muldestadt stattfinden kann. Eigentlich ist er Mitorganisator. "Auch in diesem Jahr planen wir ein Rahmenprogramm", sagt er. Das bezahlt der Verein aus der eigenen Tasche. "Dennoch müssen wir für den Platz bezahlen." Unterstützung hat er von der Stadtverwaltung bisher nicht erfahren. "Wir sind mit den beiden Volksfesten auch ein wichtiger Faktor für den Tourismus", sagt Walz. Daher hätte er sich wenigstens ein bisschen Hilfe erhofft.

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