Scheune öffnet sich der Kunst

Die Hirschfelder Kirch- gemeinde baut derzeit ein Gebäude auf dem Pfarrhof aus. Der fast 300 Jahre alte Bau gehört zu einem heute einzigartigen Ensemble.

Hirschfeld.

Im Jahr 1733 schrieb Johann Sebastian Bach die Missa in h-Moll, John Kay erhielt ein Patent auf das fliegende Schiffchen für Webstühle, und August der Starke schloss für immer die Augen. In Hirschfeld wurde eine Scheune errichtet.

Kein großes Ereignis in der Weltgeschichte, doch wenn dieses Gebäude derzeit von einem Gerüst umgeben ist, dann wird den Handwerkern und den Mitgliedern der Kirchgemeinde bewusst, wie gering die menschliche Lebensdauer im Vergleich zur Geduld von Gebäuden hat. So erklärt es zumindest Achmed Neef vom Kirchenvorstand und gleichzeitig aktiv im Förderverein von St. Michaelis. Er gehört zu den Bauherren, die die Sanierung der alten Scheune mit Neugier und Vorfreude beobachten.


Das Gebäude ist Bestandteil des Pfarrhofes - eines Komplexes, wie es in früher im ländlichen Raum überall gegeben hat. "Das waren alles landwirtschaftliche Gebäude", erklärt Neef. "Die Geistlichen mussten sich ja ihren Lebensunterhalt erwirtschaften." Dass solch ein Ensemble komplett bis zu den großen hölzernen Toren erhalten blieb, ist heute etwas Besonderes. Und für die 500-Seelen-Kirchgemeinde eine Herausforderung. "Die Gebäude sind alle denkmalgeschützt", sagt Neef. Das heißt, auch die Scheune wird mit dem nötigen Respekt behandelt. Für rund 100.000 Euro bekommt der Bau eine neue Fassade aus Lärchenholz, das nicht perfekt maschinell zurechtgeschnitten wird, sondern Hobelspuren zeigt, Unregelmäßigkeiten, die den Charme und den Charakter einer alten Scheune erhalten. Teile der Mauer wurden neu gesetzt - teils mit den alten Steinen, teils wurden neue Steine von Hirschfelder Feldern eingesetzt. Auch die Fensterbänke sind neu mit alten Techniken entstanden: Statt Schrauben wurden Holznägel verwendet.

Wenn die Scheune saniert ist, soll sie als Galerie dienen. "So schließt sich der Kreis", sagt Anke Völkel vom Kirchenvorstand. Die Galerie, so stellt sie es sich vor, wird sich beliebt machen, bei den Konzertbesuchern, die in der Regel schon zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn auf dem Pfarrhof zu finden sind. Sie versorgen sich in der schon vor Jahren ausgebauten zweiten Scheune mit Schnittchen und Getränken, stehen im Grünen - und bald haben sie die Möglichkeit, sich in aller Ruhe Kunstwerke anzusehen. Warum sich der Kreis damit schließt, erklärt sich aus der Kollekte, die bei den im März und im Frühsommer stattfindenden Konzerten gesammelt wird: Die Kirchgemeinde nutzt dieses Geld, um Altes zu erhalten. Historisch wertvolle Priestergewänder etwa oder derzeit eben zur Sanierung der Scheune. 75.000 Euro gibt die Europäische Union dazu, 15.000 Euro die Landeskirche. Bleiben noch 10.000 Euro, die die Gemeinde selbst stemmen muss - und dazu gern Spenden annimmt.

Nicht nur Konzertbesucher geben gern etwas dazu. Auch Pilger lassen hin und wieder einen Euro in Hirschfeld. Denn dass St. Michaelis samt seinem Pfarrhof sehenswert ist, hat sich weit über die Landkreisgrenzen hinaus herumgesprochen. "Es kommen hier häufig Pilger über den Jakobsweg zu uns, die uns bitten, die Kirche anschauen zu dürfen", sagt Anke Völkel. Noch in diesem Jahr, wenn die Scheune fertiggestellt ist, gibt es noch mehr zu sehen. An Keramik und Skulpturen denkt Achmed Neef. "Es bleibt eine Scheune, und die bietet für Aquarelle eher keine guten Bedingungen", sagt er. Doch konkrete Pläne hat er noch nicht. Erstmal müssen die Handwerker aus dem fast 300 Jahre alten Kasten wieder ein Schmuckkästchen machen.

Ein Konzert mit der Gruppe Cobario unter dem Titel "Wiener Melange" findet am 29. Juni in St. Michaelis statt. Die Kollekte soll für den Bau der Scheune genutzt werden.

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