Schloss vor Verfall gerettet

Allein 6,2 Millionen Euro hat die Kleinstadt Wildenfels investiert, um den Nord- und Westflügel des Schlosses sowie das Umfeld zu sanieren. Aber auch in andere historische Kleinode wie das Rentamt und die alte Apotheke am Markt ist viel Geld geflossen.

Wildenfels.

Die Sanierung und der Umbau des Nord- und Westflügels des Schlosses Wildenfels zum Verwaltungssitz waren ein Kraftakt für die Kleinstadt. In den vergangenen fünf Jahren hat die Kommune gut 6,2 Millionen Euro in diesen Teil des Gemäuers, in Außenanlagen und den Parkplatz mit unterirdischer Löschwasserzisterne gesteckt. Damit hat das Vorhaben fast doppelt so viel gekostet wie die vorangegangenen Arbeiten nach der Wende an den anderen Teilen der Anlage aus dem 17. Jahrhundert.

"Mancher fragt sich, ob wir als kleine Stadt wirklich mit unserem Rathaus ins Schloss ziehen mussten", sagt der Wildenfelser Bürgermeistermeister Tino Kögler (parteilos). "Aber dafür gibt es gute Gründe." Kögler erläutert, dass 80 Prozent der Summe über das Förderprogramm zum städtebaulichen Denkmalschutz geflossen sind. "Ohne diese Millionen Euro an Fördergeldern hätten wir als Kleinstadt das Vorhaben gar nicht stemmen können. Doch Voraussetzung für die Förderung war, dass die Kommune nach der Sanierung eine sichere Nutzung für den Nord- und den Westflügel für mindestens 15 Jahre hat. Diese ist mit der Verwaltung, der Bibliothek und der Schlossgalerie gegeben", sagt der Bürgermeister. "Mit einem Grundsatzbeschluss hat sich der Stadtrat vor dem Start der Mammutaufgabe dazu bekannt."

Anfangs bestand die Herausforderung darin, den Nordflügel, der zum Hang hin abgesackt war, aufwendig zu sichern. Außerdem wurden nach entsprechenden Messungen Sperren gegen aufsteigendes Radon eingebaut. Wo sich jetzt der neue Ratssaal befindet, war das Feuerwehrauto untergebracht, bis der Raum 1993 gesperrt werden musste. Im ehemaligen Waschhaus und dem Pfefferkuchenmuseum befindet sich nun die Stadtbibliothek. Deren Leiterin Katrin Schwörke ist begeistert, wie der Denkmalschutz mit den modernen Anforderungen in Einklang gebracht worden ist. Sie berichtet, dass die Bücherei in den historischen Räumen gut angenommen wird. "Wir haben etliche neue Leser. Und gerade Kinder nutzen gern unsere vielen Sitznischen, um zu schmökern."

Ältere und gehbehinderte Besucher des Rathauses im Schloss freuen sich, dass alles nicht nur wunderschön denkmal- sondern auch behindertengerecht saniert wurde. So gibt es Rollstuhlrampen und einen Fahrstuhl. Im alten Rathaus waren die vielen Treppen nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Gehbehinderte unüberwindliche Barrieren.

Genutzt wurde und wird die 80-prozentige Förderung über den städtebaulichen Denkmalschutz aber nicht nur für das Wildenfelser Schloss. Das ehemalige Rentamt direkt davor ist für 1,1 Millionen Euro vor dem Verfall gerettet und zum Mehrgenerationenhaus ausgebaut worden. Voriges Jahr wurden in das Stufengässel 75.000 Euro gesteckt. Auf dem schmalen Weg entlang der alten Wildenfelser Stadtmauer, der von der Straße Am Graben zum Markt führt, sind unter anderem die Stufen erneuert und das alte Geländer wieder auf Vordermann gebracht worden. Auch in die historische Löwen-Apotheke am Markt und das Haus daneben mit den Andreaskreuzen flossen mehr als 100.000 Euro. Derzeit wird für ins-gesamt 190.000 Euro der Kirchplatz saniert. Dabei werden auch die Kappen der Gewölbekeller, die sich darunter befinden, mit in Ordnung gebracht. Und in die Instandsetzung der Außentreppe am Nordflügel des Schlosses fließen weitere 120.000 Euro. "Leider läuft das Denkmalschutz-Programm jetzt aus. Aber wir sind froh, dass wir es so gut genutzt haben, um Historisches zu erhalten und mit neuem Leben zu erfüllen", sagt der Bürgermeister.

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