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Schmucke Villa, aber drin wohnen darf keiner: Fliegerbauers neuester Streit mit der Stadt Zwickau

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Kurt Fliegerbauer möchte aus dem Bürohaus wieder ein Wohngebäude machen. Darf er aber nicht: Die Humboldtstraße ist zu laut. Wieso hat das aber beim Seniorenwohnheim nebenan keinen gestört?

Zwickau.

Kurt Fliegerbauer und die Zwickauer Bauverwaltung haben sich schon einmal besser vertragen. Nach dem Umbaustreit um das Gasthaus 1470 und der Loggienkontroverse um das Wohnhaus am Marienplatz 2 gegenüber dem Dom folgt jetzt die dritte Denkmal-Auseinandersetzung in kurzer Zeit. In den ersten beiden Fällen hat Fliegerbauer sich bislang nicht durchsetzen können. Wird das in der neuesten Auseinandersetzung um die Villa an der Ecke Am Schwanenteich/Humboldtstraße anders? In dem 100 Jahre alten Gebäude, in dem momentan Büros untergebracht sind, möchte der Immobilienunternehmer wieder das einrichten, wofür die Villa einst gebaut wurde: Wohnungen. Bloß er darf nicht.

Wohnungen in der Innenstadt sind gefragt

„Der Büromarkt ist rückläufig“, beschreibt Fliegerbauer die bundesweite Entwicklung. „Wenn ich die Räume nicht vermieten kann, droht ein Leerstand, was auch schlecht für die Stadt ist.“ Wohnungen in der Innenstadt seien jedoch gefragt und die Lage gegenüber dem Schwanenteich sei attraktiv. „Was liegt dann näher, als dort Wohnungen zu bauen?“ Vorerst sollten daher im Erdgeschoss zwei Büros, die nach dem Auszug einer Anwaltskanzlei frei wurden, in Wohnungen umgewandelt werden.

Doch Fliegerbauer hatte die Rechnung ohne die Zwickauer Bauverwaltung gemacht. Der Antrag auf Nutzungsänderung wurde Mitte Juni abgelehnt. Die Stadt bezieht sich dabei auf den für den historischen Stadtkern und die westliche Vorstadt gültigen Bebauungsplan. Jener sieht speziell in dem Bereich keine Wohnungen vor. „Eine weitere Zunahme der Wohnnutzung gefährdet den Gebietscharakter“, heißt es in dem Schreiben. Ans Aufgeben denkt Fliegerbauer aber nicht.

Die Festlegungen, auf die die Stadt sich bezieht, stammen aus dem Jahr 1997. Kurt Fliegerbauer bezweifelt, dass man den Plan heute noch in der vorliegenden Form anwenden kann. „Es hat sich vieles geändert“, sagt er. Man müsse auf die aktuellen Bedürfnisse und die Bedingungen am Markt eingehen. „Da muss der Plan eben angepasst werden, statt nur bürokratisch darauf herumzureiten.“ Er verweist darauf, dass für den Bau der Seniorenwohnanlage mit 138 Wohnungen gleich nebenan der Plan ausgesetzt wurde. „Das ist sicher sinnvoll gewesen“, sagt Fliegerbauer. Doch es müsse gleiches Recht für alle gelten. „In den letzten Jahren wurden in dem Gebiet mehrfach Wohnungen genehmigt.“

Wegen des Lärm von der Straße sieht die Stadt „keine gesunden Wohnverhältnisse“

Dabei hat die Stadt noch ein weiteres Argument: den Lärmschutz. Im Ablehnungsschreiben heißt es: „Darüber hinaus sind wahrscheinlich keine gesunden Wohnverhältnisse aufgrund der direkten Lage an der stark frequentierten Kreuzung der B 173 mit entsprechender Lärmbelastung gegeben“. Anders ausgedrückt: Für Wohnungen ist es dort zu laut. Darüber kann Fliegerbauer nur den Kopf schütteln. „Wenn die Mieter an der Villa vor Lärm geschützt werden müssen, dann umso mehr die Senioren in der Wohnanlage“, sagt er. Nur habe das bisher offenbar niemanden gestört.

Eine Alternative, um den Lärm von dem Humboldtstraße weg zu kriegen, wäre der Bau einer Innenstadttangente. Doch die Umsetzung des seit 1970 bekannten Vorhabens ist nach wie vor unsicher. Fliegerbauer will darauf auch nicht warten. „Wir brauchen jetzt eine Lösung“, sagt er.

Fliegerbauer schlägt eine Lärmschutzwand vor

Die Stadt hält an ihrer Ablehnung fest. Darüber hinaus will das Rathaus die neue Auseinandersetzung nicht kommentieren. Allerdings soll es nach Fliegerbauers Einspruch eine Anhörung geben. Der Unternehmer schlägt eine Lärmschutzwand vor. Das Rathaus lässt das bislang unkommentiert.

Die Villa ist im Jahr 1924 als Wohnhaus für den Korsettfabrikanten Hermann Meyer errichtet worden. In der Liste der Kulturdenkmale wird das zweigeschossige Bauwerk als „städtebaulich markanter Putzbau von architekturhistorischer Bedeutung“ beschrieben. An drei Seiten befinden sich Erker, die sich fast über die gesamte Gebäudehöhe erstrecken und mit expressionistischen Ornamenten versehen sind. Das auf dem Grundstück stehende hölzerne Gartenhaus mit Fachwerkkonstruktion ist um 1905 entstanden. (nkd)

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