Schönheits-OP am Bahnhof beschlossen

Der Vorplatz wird für die Landesausstellung etwas freundlicher gestaltet. Nur: Warum dürfen die Busse nicht gleich näher an das Gebäude heranfahren?

Zwickau.

Der Zwickauer Bahnhofsvorplatz bekommt den von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen kosmetischen Eingriff. Der Finanzausschuss hat am Dienstag einstimmig dafür votiert, das Areal für 150.000 Euro etwas hübscher zu gestalten. Nur die AfD enthielt sich. Eines der vielen Probleme am Vorplatz bleibt aber weiterhin bestehen: Busse dürfen nicht bis an das Bahnhofsgebäude heranfahren.

Eigentlich würde sich das nun anbieten, ist doch die Straßenbahnhaltestelle seit Mitte Dezember stillgelegt und dient ausschließlich dem Busverkehr. Jenen könnte man einfach bis vor die Türen des Hauptbahnhofs leiten, schlägt Ausschussmitglied Michael Luther (CDU) vor. Ohnehin ist geplant, im Zuge der in den nächsten Jahren vorgesehenen Umgestaltung des Vorplatzes die Haltestellen näher an das Gebäude heranzuführen. Aber das Tiefbauamt winkt ab. Aus baulichen Gründen sei das nicht möglich, sagt Amtsleiter Thomas Pühn. Die inneren Schleifen seien zu kurz.

Die Buslinie 10 hält derzeit an der Straßenbahnhaltestelle, deren Bordsteine für eine barrierefreiere Benutzung extra angehoben werden. "Die Busse müssen für eine barrierefreie Benutzung an einer langen Geraden anhalten", sagt Pühn. In den inneren Schleifen seien die Radien zu eng, dort könne keine Barrierefreiheit gewährleistet werden. Schließlich seien unter anderem lange Gelenkbusse im Einsatz. Hätte man versucht umzuplanen und die Haltestelle in eine der inneren Schleifen zu verlegen, wäre das laut Pühn mit deutlich gestiegenen Kosten verbunden. Mit dieser Erklärung gaben sich die Ausschussmitglieder zufrieden.

Die zeitlich begrenzte Aufhübschung soll nun also so umgesetzt werden, wie sie vor einer Woche bekannt geworden ist. Neben den höheren Bordsteinen an der Haltestelle sollen grobe Straßenschäden behoben, kaputtes Pflaster ausgetauscht, Pflanzkübel und Sitzmöbel aufgestellt sowie eine LED-Anzeige installiert werden. Außerdem wird an der Haltestelle das Logo der Landesschau in den Boden eingelassen, damit für Besucher sofort ersichtlich ist, dass dort der Bus zur Ausstellung abfährt. Im Bauausschuss am Montag hatte man sich auf eine einzelne Ergänzung geeinigt, nämlich die Stadt prüfen zu lassen, ob zusätzlich mehrere Fahnenmasten aufgestellt werden können. Denkbar seien Flaggen mit sächsischem Wappen, Zwickauer Stadtwappen und dem Logo der Landesschau.

Die Stadtverwaltung betonte außerdem, man arbeite so ressourcenschonend wie möglich. Weil der Vorplatz in den nächsten Jahren grundlegend umgebaut werden soll, habe man fast ausschließlich mit Materialien geplant, die man anderswo wiederverwenden könne, sagt Tiefbauamtsleiter Pühn. "Sogar das Granitpflaster kann wiederverwendet werden." Die Arbeiten sind für den Zeitraum zwischen Mitte März und Mitte April geplant. Am 26. April beginnt die Landesausstellung, zu der die Veranstalter mit bis zu 120.000 Gästen rechnet. Eine äußerst zurückhaltende Schätzung.

1Kommentare
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    branderweg
    16.01.2020

    Um Service und Nichtservice im öffentlichen Verkehr zu verdeutlichen sei folgendes Bild angebracht: kein autofahrer würde heute freiwillig auf die Qualität überdachter Tankstellen verzichten, dort wird die Bequemlichkeit witterungsgeschützt ein- und auszusteigen vorausgesetzt - beim Umsteigen im Nahverkehr sieht das anders aus: lange Wege, fehlender Witterungsschutz und mühsam abrufbare Informationen sind eher der Normalfall. Und Bus-Bahn-Pendler, die wir in Zeiten der Verkehrswende werden wollen und sollen, haben am Zwickauer Bahnhof ca. weitere fünf Jahre (2023 Baubeginn avisiert, zwei Jahre Bauzeit ambitioniert) einen langen Weg. Während des Baus ist sicher mit weiteren Erschwernissen zu rechnen, das liegt in der Natur der Sache.
    Für die sofortige Verbesserung und als "beachtliche Größe" bei der künftigen Baudurchführung eignen sich 18-m-lange lineare Bordführungen vor der Schleifenfahrt, so dass auch Gelenkbusse "gerade stehen", z.B. Bussteig 2, 4 und 8 oder der nördliche Bord des Bahnhofsplatzes kurz vor der Einfahrt ins Bahnhofsgebäude (jetzt PKW-Längsparken). Gerade dort (Platzrand) scheinen vorgezogene Baumaßnahmen von langfristigem Sinn und leicht in den späteren Bauablauf integrierbar...



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