Schüler betrachten den NSU

Die Zwickauer NSU-Geschichtswerkstatt stellt im "Alten Gasometer" erste Ergebnisse aus. Wer glaubt, er könnte dort nichts Neues erfahren, irrt. Es gibt gute Gründe, sich die Ausstellung anzusehen. Hier sind drei.

Neonazi-Fanzines in der Ausstellung im "Alten Gasometer".

Für Sie berichtet: Heike Hampl

1. Die Ausstellung macht die Lücken deutlich, die auch nach dem NSU-Prozess noch klaffen. Eine Schaufensterpuppe, in Schwarz gekleidet, Ohren, Augen und Mund sind mit Klebeband verschlossen. An der Puppe ist die Frage festgemacht: Haben Behörden im Fall der neonazistischen terroristischen Vereinigung wirklich so vieles nicht gesehen? Oder haben sie nur über sehr vieles geschwiegen? Dabei steht zum Beispiel die Rolle von Ralf Marschner im Zentrum. Er ist auch unter den Spitznamen Manole oder Mono bekannt. Marschner ist ein rechtsextremer Aktivist, der als V-Mann mit dem Decknamen Primus 1992 bis 2002 für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) tätig war. Er steht in Verdacht, die drei Rechtsterroristen im Untergrund gekannt und beschäftigt zu haben. Marschner lebte von 1990 bis 2007 in Zwickau. Neben der Puppe eine Installation: Kartons voller geschreddertem Papier stehen für die zahlreichen V-Mann-Akten, die der Verfassungsschutz zum Fall NSU geschreddert hat.

2. Die Ausstellung stellt Opfer in den Mittelpunkt, aber zeigt auch die Verwurzelung von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in Zwickau. Eine Karte stellt ihre Wohnorte in der Stadt dar. Die Schüler, die beim Auffliegen des NSU selbst noch Kinder waren, nähern sich dem Thema behutsam, aber neugierig. Sie sprachen mit Nachbarn, Journalisten und Opferanwälten. Die Ausstellung ist aus Sicht der Jugendlichen erzählt, es lohnt sich also gerade, mit älteren Kindern oder Jugendlichen hinzugehen.

3. Auch für diejenigen, die sich schon intensiv mit dem Thema NSU und Rechtsextreme in Zwickau auseinandergesetzt haben, bietet die Schau durchaus Neues. Die Macher stellen zum Beispiel Fanzines aus den 90er-Jahren aus. Über diese Zeitschriften haben Neonazis ihr Netzwerk gepflegt. Das Fanzine "Der Vollstrecker" wurde von Ralf Marschner herausgegeben. In diesen Fanzines wurden Konzerte beworben und über Treffen berichtet. Sprache und Optik lassen tief in die Seele der Neonazis und Hooligans blicken.

Die Arbeit der Schülerinnen und Schüler in der NSU-Geschichtswerkstatt geht weiter. Wer sich die Ausstellung zum Zwischenstand ansehen will, kann das bis 14. September tun. Gruppen melden sich unter E-Mail kontakt@demokratiebuendnis.de an. Der Eintritt ist frei.

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