Schüler erwecken Clara Schumann zum Leben

Die letzten Vorbereitungen für das Gemeinschaftsprojekt "Kids mit Clara in Nöten" sorgen für Anspannung und Vorfreude.

Zwickau.

Die Aufregung im Konzertsaal des Robert-Schumann-Hauses ist spürbar. 25 Schüler der neunten Klasse des Clara-Wieck-Gymnasiums in Zwickau proben für ihren großen Auftritt anlässlich des 200.Geburtstages von Clara Schumann. Zwischen den unruhigen Stimmen der Darsteller ruft Christine Adler zur Ruhe und Konzentration. Es ist die Autorin des Stücks "Kids mit Clara in Nöten", die hier die Regie übernimmt und kurz vor der Premiere für den Feinschliff sorgt.

Die Idee eines Gemeinschaftsprojektes wurde von Christine Adler, die 1956 in Dresden geboren wurde, an das Gymnasium herangetragen und seit Beginn des Jahres im Rahmen des Unterrichtsfaches "Darstellen und Gestalten" zum gemeinsamen Vorhaben. Jetzt, nach einem Dreivierteljahr harter Arbeit, stehen die Jugendlichen für eine letzte Probe auf der Bühne des Konzertsaals. Zwischen zwei Flügeln, herumeilenden Technikern für Licht und Sound und einem Tisch mit Tintenfass und Feder, bereiten sie sich nochmals Szene für Szene für ihren Auftritt vor. Nicht nur den Schülern wird dabei eine Menge Disziplin abverlangt, sondern auch der Autorin selbst, da sie immerzu von ihrer Rolle als Regisseurin zur Darstellerin wechselt.


Christine Adler taucht im Stück in die Person der älteren Clara Schumann und trifft auf ihr junges Ich, gespielt von der 14-jährigen Franka Bendix. Beide schauen in den Spiegel der Zeit und verkörpern Clara in einem Balanceakt als einzigartige Künstlerin, Frau und Mutter von acht Kindern. Untermalt werden die Szenen am Flügel von Kompositionen der Romantiker, ebenfalls gespielt von den Gymnasiasten. "Mein Herz schlug schon immer für Musik und Literatur, und irgendwann stieß ich auf diese besondere Persönlichkeit, diese besondere Frau. Ihre Geschichte weckte mein Interesse, mich näher mit ihr zu beschäftigen", sagte die Autorin. Auch die Schüler haben sich im Vorfeld näher mit Clara Schumann beschäftigt. So sagte die 15-jährige Almut Seevers, eine der Sprecherinnen, dass sie schon zuvor ein Buch über die Musikerin gelesen hat und sie als eine beeindruckende Frau empfindet, die viel geleistet hat.

"Das Interessante an Clara Schumanns Lebensgeschichte ist, dass sie sich nicht nur rückblickend betrachten lässt. Ihr Lebenslauf trifft auch den Nerv der heutigen Zeit. Denn sie verstand es als Frau, ihr Leben im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie, auch nach dem Tod von Robert Schumann, zu meistern, sagte Adler. Silvia Weigelt, Lehrerin des kreativen Unterrichtsfaches, wirkt stolz: "Die Schüler leisten wirklich Großes mit diesem auch sprachlich anspruchsvollem Theaterstück." Am Freitag wird das Schauspiel am Clara-Wieck-Gymnasium erstmals selbst vor Lehrern und Schülern aufgeführt.

Am Sonntagabend können Interessierte dann auch selbst mehr über das Leben der Clara Schumann erfahren, die in diesem Stück aus dem Schatten von Robert Schumann heraustritt. Das öffentliche, circa einstündige Schauspiel beginnt um 18Uhr zum Abschluss des Historischen Marktes im Konzertsaal des Robert-Schumann-Hauses. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.


Ausstellung wird eröffnet

Unter dem Titel "Clara Schumann und ihre Schüler" wird am Sonnabend eine neue Sonderausstellung im Robert-Schumann-Haus Zwickau eröffnet. Viele der von ihr Unterwiesenen wurden zu Konzertpianisten, andere Schüler zu Klavierpädagogen, die neue Pianisten-Generationen heranzogen. Die Ausstellung zeigt Porträts, Originalbriefe, Programmzettel, Publikationen der Schüler, Noten und Erinnerungen. Zu den besonderen Kostbarkeiten gehört ein Notizbüchlein Clara Schumanns, in dem sie sich Aufzeichnungen für ihre Unterrichtstätigkeit machte. Ebenfalls zu sehen ist ein Hermelinpelzumhang aus dem Besitz Clara Schumanns. Sechs ihrer Schülerinnen wurden im 20. Jahrhundert zu Aufnahmen für Schallplatte, Rundfunk oder Tonband herangezogen. Die Eröffnung findet im Rahmen des Historischen Markttreibens "Zwickau im Wandel der Zeit" am Samstag, 16 Uhr im Robert-Schumann-Haus statt. Der Eintritt ist kostenlos. Die Ausstellung ist bis 5. Januar 2020 zu sehen. (tc)

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